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Nordkreis Jane Hauer neue Hauptamtsleiterin in Cölbe
Landkreis Nordkreis Jane Hauer neue Hauptamtsleiterin in Cölbe
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14:33 17.08.2020
Jane Hauer (links) ist neue Hauptamtsleiterin der Gemeinde Cölbe und wohl eine der jüngsten Amtsleiterinnen im Kreis. Sie kümmert sich auch um die Ausbildung der angehenden Verwaltungsfachangestellten Elaine Müller. Quelle: Ina Tannert
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Cölbe

Eine junge, weibliche Führungskraft, die an der Spitze einer maßgeblichen Abteilung steht – das findet sich bei Weitem nicht in jeder Gemeindeverwaltung.

Cölbe hat sich gezielt für frischen Wind im Rathaus entschieden, die selbstbewusste neue Leiterin des Hauptamtes will die Kommune modernisieren und die Verwaltung ein gutes Stück weit umkrempeln.

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Die 28-Jährige stammt gebürtig aus Sterzhausen, lebt in Kirchhain und arbeitet in Cölbe. Eine Fremde ist sie an ihrem Arbeitsplatz allerdings nicht, denn sie hat dort bereits 2010 ihre Ausbildung zur Verwaltungsangestellten begonnen, blieb auch danach im Rathaus und legte 2015 mit einer Weiterbildung nach, studierte Betriebswirtschaftslehre im dualen Studium.

Dann wurde die Leitungsstelle frei, sie bewarb sich im Mai und setzte sich gegen einen Mitbewerber durch, der Gemeindevorstand entschied sich für die junge Frau und habe damit „eine besondere, eine mutige Entscheidung getroffen“, sagt Bürgermeister Dr. Jens Ried.

Mammutprojekt ist die digitale Verwaltung

Hauer folgt gewissermaßen auf den langjährigen Amtsleiter Wilfried Prior, der in den Ruhestand ging und für „sehr viel Fachkompetenz bekannt war – ihn kann man gar nicht ersetzen“, betont Ried. Eins zu eins könne man beide Positionen auch nicht vergleichen, wolle man auch nicht.

Denn mit der Neubesetzung wurde direkt die Struktur der einzelnen Abteilungen verändert, neue kamen hinzu, Arbeitsschwerpunkte wurden neu verteilt. Nun gibt es sechs Abteilungen. Im Hauptamt sind neben Personalwesen, sozialen Diensten oder Ordnungsamt auch die Feuerwehr, Digitalisierung, Social Media oder die Wirtschaftsförderung angesiedelt.

Also einige zukunftsträchtige Kategorien und „sehr vielfältig“, sagt Hauer, die noch einiges an Verbesserungspotential sieht, gerade was das Ziel digitales Rathaus angeht – „die Digitalisierung ist noch stark ausbaufähig, wir können da mehr machen“. Das muss die Verwaltung auch, denn wie es das Onlinezugangsgesetz vorsieht, müssen Bund und Länder und alle Behörden über einen Portalverbund bis Ende 2022 eigentlich ihre Verwaltungsleistungen auch online anbieten. Cölbe sei damit bereits weiter als andere Gemeinden, der Prozess aber noch nicht abgeschlossen, sagt Hauer.

Ausbildung ist Chefinnensache

Und gerade da wolle sie ansetzen, in den nächsten Jahren sollen viele weitere Schritte folgen und etwa sämtliche Anträge und Formulare zum Zahlungsverkehr digital abrufbar sein. In Zukunft soll im Finanzwesen die „E-Akte“ für alle Bürger die Verwaltung stark beschleunigen.

Vom Auszug aus dem Geburtenregister, um eine Hochzeit anzumelden, bis zur Reservierung eines Bürgerhauses bequem vom Sofa aus. Dazu wird derzeit eine neue, moderne Homepage entwickelt. Ziel sei, dass Cölbe als eine der ersten hessischen Kommunen komplett digital arbeitet, „zumindest in unserer Gewichtsklasse“, sagt Ried. Darüber hinaus soll die Gemeinde stärker auf soziale Medien setzen, sich als Marke präsentieren, beschreibt Hauer ein weiteres Ziel.

Die ambitionierte junge Frau weiß, was sie will, und sie möchte Akzente setzen. Optisch hat sie das bereits und ihr Büro mit selbst gemalten Acrylbildern ausgestattet, zudem zwei Wände schwarz gestrichen. Sie habe eben ihren eigenen Stil, erzählt sie lachend. Mit im Büro sitzt Auszubildende Elaine Müller, denn Hauer kümmert sich auch um die Ausbildung des Verwaltungsnachwuchses. Wie kommen die anderen Kollegen mit einer solch jungen Chefin zurecht?

Die Neue will mit Leistung punkten

Die neue Position habe hier und da durchaus für Überraschung gesorgt, sie ist die jüngste im Kreis, wurde von manchem ihr jetzt unterstellten Mitarbeiter sogar ausgebildet. Die Reaktionen darauf waren „gemischt“, das sorgte an mancher Stelle durchaus für Spannungen, „vorher war man ja die Auszubildende, dann die Kollegin, und die wird jetzt Vorgesetzte“, fasst Hauer zusammen. Damit kam anfangs nicht jeder zurecht, „eine große Umstellung von Mann auf Frau, und dann auch noch jünger – das ist natürlich eine große Umstellung, für manchen ein Zwiespalt“.

Eine gewisse Hierarchie-Ebene sei in die Verwaltung „eingebrannt“. Auch diese jahrzehntelange Gewohnheit wolle sie aufbrechen, frischen Wind reinbringen. Muss sie sich dafür erst einmal beweisen? „Ja, das war mir von vornherein klar“, sagt sie selbstbewusst. Sie wolle mit Leistung, neuen Ideen punkten, überholte Strukturen modernisieren. Dabei sei sie „nicht geeigneter als andere“, aber eben durchaus qualifiziert, um diesen Prozess weiter in die richtige Richtung zu lenken. Ihr Chef steht voll dahinter, denn sie bringe „genau das richtige Maß an Unruhe hier rein, das wir hier dringend brauchen, denn Stillstand ist der Tod“, sagt Ried.

Von Ina Tannert

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