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Nordkreis In drei Monaten wird wieder getraut
Landkreis Nordkreis In drei Monaten wird wieder getraut
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09:55 05.08.2020
Die Vereinbarung für die Nutzung der Alten Kirche Bürgeln unterzeichneten Bürgermeister Dr. Jens Ried (von links), die Erste Beigeordnete Christa Weckesser sowie Carsten Freichel und Dr. Kurt Bunke vom Vorstand des Kulturvereins.
Die Vereinbarung für die Nutzung der Alten Kirche Bürgeln unterzeichneten Bürgermeister Dr. Jens Ried (von links), die Erste Beigeordnete Christa Weckesser sowie Carsten Freichel und Dr. Kurt Bunke vom Vorstand des Kulturvereins. Quelle: Ina Tannert
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Bürgeln

Die Optik der Alten Kirche in Bürgeln wandelt sich zusehends in Richtung Rundum-Sanierung – seit Monaten wird außen wie innen gearbeitet und ein Ende ist in Sicht. Und nicht nur das – in ein paar Monaten kann dort wieder geheiratet werden:

Das Gebäude wurde als Trauraum gewidmet, das Ganze besiegelt der nun unterschriebene Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Cölbe und dem Kulturverein Alte Kirche Bürgeln, dem der historische Bau gehört.

Früher wurde dort noch kirchlich geheiratet, künftig wird in der Alten Kirche, deren Ursprünge rund 900 Jahre zurückliegen, standesamtlich getraut. Das Bauwerk ergänzt damit die Standorte für Trauungen in der Gemeinde.

Damit liege man voll im Trend um eine „zunehmende Entkirchlichung der Gesellschaft“, wo die Bedeutung der zivilen Trauung weiter zunimmt, sagt Bürgermeister Dr. Jens Ried.

Stimmungsvolles Ambiente zunehmend gefragt

War früher noch das große Hochzeitsfest eng mit der religiösen Zeremonie verwoben, legen heutige Hochzeitspaare die Feier eher auf die standesamtliche Trauung. Damit steige auch der Anspruch an den Veranstaltungsort. Und den könne der bald frisch sanierte Bau mehr als erfüllen.

Das Ambiente in dem historischen Gemäuer auf dem Hügel mitten im Ort ist auf jeden Fall stimmungsvoll. Trauungen an solchen Orten werden zunehmend beliebter, bestes Beispiel ist die schmucke Alte Kirche in Niederweimar, die sich seit Jahren vor Anfragen kaum retten, die hohe Nachfrage kaum bedienen kann. Nun gibt es mit Bürgeln eine vergleichbare Location.

Eine Konkurrenz zu Niederweimar solle die aber nicht werden. Vielmehr könnten Paare aus der Gemeinde oder solche, die im Süden keinen Termin mehr bekommen haben, auf Bürgeln ausweichen, „das standesamtliche Angebot wird miteinander abgestimmt“, sagt Ried. Und beide Gemeinden streben eine Kooperation an: Gemeinsam könnte man beide Standorte bewerben und noch bekannter machen. Wie genau das Konzept dafür aussieht, stehe noch nicht fest und werde erst abgestimmt.

Premiere für den 28. Oktober geplant

Im Schnitt finden in der Gemeinde Cölbe im Jahr etwa 16 Trauungen statt. In der Alten Kirche sind bisher pro Jahr acht Hochzeitstage zwischen Mai und September geplant, sollte die Nachfrage weiter steigen, kommen vielleicht noch weitere Termine dazu.

Die erste Hochzeit in der Alten Kirche steht am 28. Oktober an, der Bürgermeister selber will ein Paar aus dem Ort trauen. Dann solle im Inneren auch keine Baustellenatmosphäre mehr herrschen. Der Plan ist durchaus ambitioniert, denn zumindest im Moment wird noch auf Hochtouren gewerkelt.

Da war es umso passender, dass die Erklärung zwischen Gemeinde und Verein mangels geeigneter Unterlage kurzerhand auf einer Holzbohle, eingeklemmt zwischen zwei Leitern, vollzogen wurde. Neben Ried setzten auch die Erste Beigeordnete Christa Weckesser und für den Kulturverein Carsten Freichel und Dr. Kurt Bunke vom Vorstand ihre Unterschriften.

Die renovierte Außenfassade der Alten Kirche erstrahlt wieder in altem Glanz. Foto: Ina Tannert

Künftig soll die Alte Kirche auch für verschiedene kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Da das Standesamt nun als Mit-Nutzer daran teilhat, dürfen allerdings keine ideologisch oder politisch motivierten Veranstaltungen mehr in der Kirche stattfinden, betont Ried.

Seit vergangenem Jahr wird das historische Bauwerk umfangreich saniert, Außenfassade und neue Dachkonstruktion sind fertig, im Inneren werden die Wände von mehreren Farbschichten befreit und restauriert. Möglich machte das Mammutprojekt eine hohe Fördersumme von rund 400.000 Euro von Bund, Landesamt für Denkmalpflege und der Stiftung Denkmalschutz.

Alles hing an der Toiletten-Frage

Noch fehlt die neue Elektroanlage und die Heizung, auch eine Toilettenanlage gibt es noch nicht. Die ist in der Kirche nicht vorgesehen, für Hochzeiten und andere Veranstaltungen aber obligatorisch.

Mit Zustimmung des Kreises werde daher eine Alternative geschaffen: Die benachbarte Grundschule soll Toiletten für Erwachsene erhalten, die dann auch von Besuchern der Alten Kirche mitgenutzt werden können. Klingt erst einmal nebensächlich, doch war das fehlende stille Örtchen tatsächlich ein echtes Manko bei dem Vorhaben, „das war eigentlich immer das größte Problem und ausschlaggebend“, berichtet Ried.

Geparkt wird an der Mehrzweckhalle

Das habe sich mit dem kommenden Toiletten-Bau erledigt. Als Parkraum bei Veranstaltungen soll der Parkplatz an der Mehrzweckhalle dienen und vermieden werden, dass Besucher die sowieso engen Straßen rund um die Kirche zuparken.

Der ersten Hochzeitsgesellschaft stehe somit nichts mehr im Wege. Durch Corona hatten sich die Bauarbeiten teils verzögert, liegen aber im Finanz- und Zeitplan, so dass das angestrebte Finale Ende des Jahres eingehalten werde, berichtet Bunke. Mittlerweile ist sogar der metallische Hahn, der im letzten Jahr vom Dach gefallen war, auf den Kirchturm zurückgekehrt.

Als Sahnehaube werden auch bald die alten Glocken folgen, die derzeit in Holland restauriert werden. Bei einer Hochzeit könnte dann wie früher wieder Glockengeläut erschallen.

Von Ina Tannert