Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Im Archiv verbirgt sich konkrete Dorfgeschichte
Landkreis Nordkreis Im Archiv verbirgt sich konkrete Dorfgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 23.11.2021
Doris Felix (von links), Andreas Kahler, Laurens Naumann, Christiane Müller-Funk und Matthias Naumann, hier im Ausstellungsraum, bilden gemeinsam mit Elisabeth Schäfer (fehlt auf dem Foto) den harten Kern der Archivgruppe in Todenhausen.
Doris Felix (von links), Andreas Kahler, Laurens Naumann, Christiane Müller-Funk und Matthias Naumann, hier im Ausstellungsraum, bilden gemeinsam mit Elisabeth Schäfer (fehlt auf dem Foto) den harten Kern der Archivgruppe in Todenhausen. Quelle: Foto: Götz Schaub
Anzeige
Todenhausen

Wenige Monate vor seinem Tod im April dieses Jahres stellte Hans-Werner Müller im vergangenen Jahr im Kirchspiel Wetter, dem er immer sehr verbunden war, noch ein besonderes Buch über die Hugenotten und Waldenser vor. Ein Teil von ihnen durfte bekanntermaßen nach der Flucht aus Frankreich 1720 an verschiedenen Orten in Hessen, so auch in Todenhausen siedeln. Die, die nach Todenhausen kamen, fanden dort tatsächlich ihre neue Heimat. Noch immer gibt es Nachfahren im Ort. In seinem Werk „300 Jahre Colonie“ geht es nicht nur um 300 Jahre Dorf-Geschichte und die Menschen, die diese Geschichte prägten, sondern auch um persönliche Erinnerungen an Nachfahren der Waldenser und Hugenotten, die Müller in jungen Jahren noch kennenlernen durfte, sowie um eine Spurensuche in der ursprünglichen Heimat der Glaubensflüchtlinge von 1720.

Dieses Buch wird für spätere Chronisten sicherlich ein unbezahlbarer Schatz darstellen, aber tatsächlich wird es „nur“ ein Schatz von ganz vielen Schätzen sein, denn Todenhausen verfügt über ein eigenes „Archiv“ in der Alten Schule. Darum hatte sich Hans-Werner Müller auch mit Hingabe gekümmert und viele Dinge, Unterlagen und Schriftstücke zusammengetragen, Ausstellungsfläche geschaffen und organisiert. Nun, nach seinem Tod haben sich Menschen in Todenhausen gefunden, die das Archiv weiter betreuen wollen und dafür sorgen möchten, dass die Schätze nicht in Vergessenheit geraten, sondern immer wieder an besonderen Tagen interessierten Menschen zugänglich gemacht werden. Zu nennen sind da Müllers Tochter Christiane Müller-Funk sowie Matthias Naumann, Doris Felix und Elisabeth Schäfer und dann noch – und das finden die genannten vier besonders toll – die Jugendlichen Andreas Kahler und Laurens Naumann.

Rückblick auf den Tag des offenen Denkmals

Am Tag des offenen Denkmals im September ist das Team „nicht ins kalte, aber doch für uns eher nur lauwarme Wasser gesprungen“, sagt Christiane Müller-Funk, weil zwar die Materialen und „Besuchsorte“, also Archiv, Kirche und Gedenkstein, vorhanden waren, aber sie selbst kaum Erfahrung mit einer Gesamtorganisation hatten und auch die Besucherresonanz nicht einschätzen konnten. Sie ließen sich aber drauf ein und bereiteten sich vor. „Nun, es wurde ein richtig schöner Aktionstag, der uns Mut gemacht und bestätigt hat, das Richtige zu tun“, meint Matthias Naumann. Über den Tag verteilt kamen 80 Menschen, so dass auch schon „Logistik“ gefragt war, denn mehr als vier Besucher sollten sich nicht gleichzeitig im Archiv befinden. So gab es draußen vor der Alten Schule dank weiterer Helfer aus dem Ort noch Angebote sowie Kirchen- und Gedenkstein-Besuche. Die Gruppe arbeitet daran, das Hugenotten- und Waldenser-Erlebnis möglichst lebendig und spannend zu gestalten, damit die Menschen, die sich dafür interessieren, auch wirklich etwas mitnehmen.

Christiane Müller-Funk und Doris Felix können sich vorstellen, die Öffnungstage mit besonderen Aktionen zu flankieren wie etwa am Tag des offenen Denkmals“. Die Gruppe steht auch privaten Anfragen aufgeschlossen gegenüber. Die bereits gemachten Erfahrungen und die Vorhaben, die angedacht sind, haben die Mitglieder der Archivgruppe veranlasst, einen weiteren Schritt zu gehen und einen Verein zu gründen.

„So können wir die Arbeit beziehungsweise Organisation sicher auf eine breitere Basis stellen und haben darüber hinaus als Verein noch andere Möglichkeiten, etwa um verschiedene Dinge zu finanzieren. „Den Raum gibt es seit 1998 und er ist natürlich begrenzt. Also müssen wir uns für Aktionstage auch Besonderes überlegen“, sagt Christiane Müller-Funk.

Ganz toll finden es die Erwachsenen, dass sie die beiden Jugendlichen schon mit Gäste-Führungen beauftragen können, denn die beiden Jungs haben sich sehr in die Geschichte eingearbeitet und können nicht nur fundiertes Wissen weitergeben, sie müssen auch keine Nachfragen scheuen.

Im Archivraum lassen sich auch für andere Chronisten Anregungen finden. Genial beispielsweise ist die Auflistung sämtlicher Häuser mit den Namen der Familien die dort einst wohnten.

Auf der Homepage von Todenhausen kann man unter dem Reiter Hugenotten und Waldenser Archiv noch einmal nachlesen und dabei auch Fotos anschauen, wie es am Tag des offenen Denkmal gelaufen ist. Zudem gibt es dort weitere Infos zum Archiv.

Wer sonstigen Kontakt wünscht, hat zwei Möglichkeiten: Telefon: 0 64 23 / 54 10 03; E-mail: mailtdh@arcor.de

Von Götz Schaub