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Nordkreis Der Ärger mit dem Abfall
Landkreis Nordkreis Der Ärger mit dem Abfall
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17:55 27.07.2020
Mitte Juli zündeten Unbekannte im Feld bei Wollmar Abfall an. Die Feuerwehr musste ausrücken und löschen. Quelle: Feuerwehr Münchhausen
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Münchhausen

Grünschnitt, Hausmüll, Hundekotbeutel, Kippen, Bauschutt, Altholz oder Autoreifen – es gibt vieles, was Menschen gedankenlos in freier Wildbahn entsorgen. Ob aus Unachtsamkeit, Bequemlichkeit, Geiz oder weil ihnen die Konsequenzen schlicht egal sind. Für viele andere bleibt es ein Ärgernis, das nicht nur unschön und schlecht für die Umwelt ist, sondern auch zur Gefahr werden kann. Erst recht, wenn die „Entsorger“ ihren Abfall widerrechtlich abfackeln.

Das passiert immer wieder an entlegenen Orten, zuletzt etwa im Nordkreis, wo es Mitte Juli gleich zwei Mal zwischen Münchhausen und Wollmar brannte, so dass die Feuerwehr alarmiert wurde: Erst fing ein Stück Rain in der Feldgemarkung „Langer Grund“ Feuer und musste gelöscht werden. Nur zwei Tage später brannte es dort wieder an anderer Stelle in der Gemarkung. Wie die Feuerwehr berichtet, hatten dort Unbekannte illegal Holzabfälle, Kartons und anderen Verpackungsmüll entsorgt und in Brand gesteckt.

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In dem Bereich komme es anscheinend öfter zu ähnlichen Vorfällen, schätzt die Wehr. Gerade weil die Stelle nur schlecht einsehbar, das illegale Abfackeln schwer auszumachen ist, „wenn es im Feld passiert, schaut ja keiner nach, man steckt es an und fährt wieder“, sagt Jens Dörscheln, Pressesprecher der Feuerwehr Münchhausen.

Er spricht von einem „grob fahrlässigen, leichtsinnigen Verhalten“, insbesondere an dieser Stelle neben noch nicht abgeernteten Feldern und bei großer Trockenheit. Wenn sich das Feuer nicht nur auf den Abfall, sondern auch die trockene Umgebung ausbreitet, könne das zu weitaus größeren Schäden führen. In der Gemeinde kämen derlei schwere Fälle zum Glück nicht häufig vor, „wir wurden von sowas bisher weitestgehend verschont“, sagt Dörscheln. Abraumfeuer seien indes nicht selten, auf den Dörfern werde immer mal etwas verbrannt. Das aber in der Regel im legalen Rahmen.

Gartenfeuer nur unter Auflagen

Unter strengen Voraussetzungen darf auf landwirtschaftlichen oder als Garten genutzten Flächen anfallender pflanzlicher Abfall dort verbrannt werden, solange dieser nicht anderweitig verwertet oder entsorgt, untergepflügt oder liegengelassen werden kann. „Man darf und sollte ein Feuer dabei nie alleine lassen und nicht unterschätzen, außerdem am Ende kontrollieren, dass keine Glut mehr übrig ist“, rät Dörscheln. Im Zweifel und bei sehr trockenem Boden sollte eher auf ein Feuer verzichtet und der Grünschnitt zu einer Sammelstelle gebracht werden.

Das Verbrennen von Grünschnitt auf dem eigenen Grundstück muss in der Regel bei der Kommune angezeigt werden. Alleine schon deshalb, damit die örtlichen Feuerwehren Bescheid wissen, sollte der Rauch durch Unbeteiligte gemeldet werden. In manchen Gemeinden fällt eine Gebühr an, in anderen, darunter Münchhausen, ist die Anzeige kostenlos. Einige Kommunen raten von einer Entsorgung per Gartenfeuer aber dringend ab. Ebenso Naturschutzorganisationen wie der Nabu – der Verein warnt dabei vor dem Freisetzen von in Pflanzenresten gespeichertem Kohlenstoffdioxid, das beim Verbrennen in die Atmosphäre gelangt.

Die meisten Gartenbesitzer, die ihre Reste verbrennen wollen, halten sich in Münchhausen an die Anzeigepflicht, „die meisten melden ihre Nutzfeuer an“, bestätigt Bettina Schneider vom Ordnungsamt der Gemeinde.

Was die Entsorgung von Abfällen generell angeht, gebe es immer mal wieder Verstöße. So werden Müll und Altreifen auf Äcker geworfen oder Grünschnitt am Wegesrand oder im Wald entsorgt. Wird der Verursacher nicht gefunden, ist für die Beseitigung in der Regel die Kommune zuständig, „das geht dann auf Kosten der Gemeinde und damit der Allgemeinheit“, sagt Schneider.

Entsorgung im Wald wird zum Ärgernis

Das kann auch passieren, wenn Grünschnitt gedankenlos in den Wald gekippt wird. Das komme zum Ärger der Förster häufiger vor, „es gibt überall so Stellen, gerade Waldränder sind beliebte Punkte, wo Leute etwas abladen“, berichtet Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald. Und das könne auch noch eine „Eigendynamik“ entwickeln, wenn einer anfängt und dann andere ihre Reste noch auf den Haufen werfen.

Eine häufige Falschannahme dabei sei, dass der Grünschnitt im Wald ja nicht störe, alles Pflanzen, alles Natur. Falsch, sagt Leicht, „das schadet dem Wald“. Vor allem, weil durch den Gartenabfall zusätzliches organisches Material in den Wald gelangt, das wiederum verrottet und damit zusätzlichen Stickstoff produziert. „Der Wald ist auch so schon stark mit Stickstoff belastet“, warnt Leicht.

Darüber hinaus können sich durch den Grünschnitt Pflanzen ansiedeln, die nicht in den Forst gehören. Dort wachsen dann Gartensträucher, Kirschlorbeer oder auch Schwertlilien, die offenbar als Zwiebel mit dem Abfall in den Wald gelangten. Besonders problematisch sind invasive Arten, vom drüsigen Springkraut bis zum Riesenbärenklau. Die stünden indes weniger mit dem illegalen Entsorgen von Gartenabfällen in Verbindung, auszuschließen sei das aber nicht.

Ebenfalls ein Störfaktor für den Wald seien landwirtschaftliche Abfälle, etwa Strohballen, die an Waldrändern abgeladen und vergessen werden und dort vor sich hin rotten, „das ist mindestens genauso schwerwiegend“. Die Verursacher werden selten gefunden, um die Entsorgung müssten sich dann ebenso Förster oder Gemeinde kümmern.

Entsorgen oder Verbrennen von pflanzlichen Abfällen

Pflanzliche Abfälle aus Haushalten sind über die Biotonne oder über kommunale Annahmestellen für Grünschnitt zu entsorgen, unter Einhaltung bestimmter Vorgaben auch auf anderem Wege: Rechtliche Grundlage ist die Hessische „Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen“ aus dem Jahr 1975, die nach wie vor gültig ist. Diese regelt, ob und wie Abfälle aus der Landwirtschaft, dem Forst, aus Gärten oder Obstanlagen außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen beseitigt werden dürfen.

Garten und Acker

Pflanzenabfälle, die auf gärtnerischen oder landwirtschaftlich genutzten Grundstücken anfallen, können vor Ort beseitigt werden, indem sie auf den Grundstücken liegen gelassen, vergraben, untergepflügt oder kompostiert werden. Hierbei darf keine Geruchsbelästigung entstehen. Die Reste können zudem außerhalb von im Zusammenhang bebauten Ortsteilen auf dem Grundstück, auf dem sie anfallen, verbrannt werden, soweit sie dem Boden aus landbautechnischen Gründen oder wegen ihrer Beschaffenheit nicht zugeführt werden können. Bei einer Verbrennung sind unter anderem Mindestabstände zu Gebäuden, zu Grundstücksgrenzen oder Wegen, Größe der Brennstelle, Zeitpunkt der Verbrennung oder Materialeigenschaften zu beachten.

Verbrannt werden dürfen die Abfälle unter anderem nur unter ständiger Aufsicht und bei trockenem Wetter von Montag bis Freitag (8 bis 16 Uhr) oder Samstag (8 bis 12 Uhr). Die Abfälle müssen so trocken sein, dass sie unter möglichst geringer Rauchentwicklung verbrennen. Bei aufkommendem starkem Wind oder, wenn durch starke Rauchentwicklung eine Verkehrsbehinderung oder eine erhebliche Belästigung der Allgemeinheit eintritt, ist das Feuer zu löschen. Verlässt man die Brennstelle, muss sichergestellt werden, dass Feuer und Glut erloschen sind. Die Verbrennungsrückstände sind unverzüglich in den Boden einzuarbeiten. Es gibt verschiedene Mindestabstände einzuhalten, unter anderem 100 Meter zum Aufenthalt von Menschen, bestimmten Gebäuden, Zelt- oder Lagerplätzen; 35 Meter zu sonstigen Gebäuden, fünf Meter zu Grundstücksgrenzen; 50 Meter zu sonstigen öffentlichen Verkehrswegen; 100 Meter zu Naturschutzgebieten oder Wäldern; 20 Meter zu Bäumen oder abgeernteten Getreidefeldern.

Das Verbrennen von Stroh auf abgeernteten Getreidefeldern und das Verbrennen von nicht nur unbedeutenden Mengen anderer pflanzlicher Abfälle ist der Ortspolizeibehörde mindestens zwei Werktage vor Beginn anzuzeigen. Gegebenenfalls bedarf es für die Verbrennung von pflanzlichen Abfällen aus privaten Haushalten auch einer Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang durch den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (Gemeinde, Stadt, Landkreis oder Abfallzweckverband). Teilweise ist das Verbrennen örtlich auch verboten.

Wald

Pflanzliche Abfälle, die bei der Bewirtschaftung des Waldes anfallen, beispielsweise Schlagabraum, Rinde und dergleichen, dürfen durch Verrotten, insbesondere durch Liegenlassen und Vergraben, Unterpflügen oder Kompostieren, im Wald beseitigt werden. Die Abfälle dürfen im Wald auch verbrannt werden (Montag bis Freitag zwischen 8 bis 16 Uhr), soweit dies aus forstwirtschaftlichen Gründen erforderlich ist. Zur Zeit erhöhter Waldbrandgefahr ist das Abbrennen unzulässig.

Bußgelder

Das illegale Entsorgen von Gartenabfällen kann – je nach Umfang – auch teuer werden. Laut des aktuellen hessischen Bußgeldkatalogs fallen für kleine Mengen, ab Eimer- bis Kofferraum-Größe zwischen zehn und 50 Euro an; für eine Lastwagenfuhre bis zu 200 Euro und darüber hinaus bis zu 1.000 Euro.

Von Ina Tannert

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