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Nordkreis Strom, Wärme und Wunderdünger
Landkreis Nordkreis Strom, Wärme und Wunderdünger
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17:56 20.08.2021
Im Holzvergaser der Holzverstromungsanlage in Diemelstadt wird aus Holz Gas und Strom und zugleich Pflanzenkohle als Dünger gewonnen.
Im Holzvergaser der Holzverstromungsanlage in Diemelstadt wird aus Holz Gas und Strom und zugleich Pflanzenkohle als Dünger gewonnen. Quelle: Privatfoto
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Mellnau

Wie lässt sich nachwachsender Rohstoff in Energie umwandeln, CO2 einsparen und zugleich der Boden verbessern? Diesen Fragen ging kürzlich eine Besuchergruppe aus dem Landkreis bei einem Rundgang durch die Holzverstromungsanlage in Diemelstadt auf den Grund.

Dazu aufgerufen, sich mit dem Thema zu befassen, hatte Gerlinde Lamberty, Kirchenvorsteherin der Kirchengemeinde Rosphetal-Mellnau, die sich seit Jahren mit dem Thema Gemeinwohlökonomie beschäftigt und neue Wege für ein klimagerechtes Wirtschaften sucht.

Nicht nur CO2-neutral, sondern CO2-negativ

Einen wichtigen Baustein dafür sieht sie in der Verbreitung von Anlagen zur Holzvergasung, in denen über einen geschlossenen Kreislauf Strom, Wärme und Pflanzenkohle in einem erzeugt wird: Das zu Hackschnitzeln verarbeitete Restholz wird nicht verbrannt, sondern bei sehr hohen Temperaturen erst in Gas, dieses wiederum zu Strom umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist. Am Ende des Prozesses bleibt Pflanzenkohle übrig – weit mehr als nur ein Abfallprodukt, sondern wertvoller Rohstoff, der zur Bodenverbesserung eingesetzt werden kann.

Das Wissen um Herstellung und Nutzung der auch unter dem Begriff „Terra Preta“ bekannten Kohle ist Jahrtausende alt und sie gilt bis heute als Wunderdünger. Die große Oberflächenstruktur der Kohle speichert sowohl Wasser wie Nährstoffe, fördert die Bodenfruchtbarkeit. Da bei dem Prozess der Holzvergasung reine Holzkohle, im Fachjargon „Pflanzenkohle“ genannt, übrig bleibt, erfolge die Produktion von Strom und Wärme in diesen Anlagen nicht nur CO2-neutral, sondern CO2-negativ, „eine innovative Idee“, sagt Lamberty.

Denn ein Kilogramm Pflanzenkohle könne umgerechnet etwa 3,7 Kilogramm CO2 dauerhaft binden, den das eingesetzte Holz zu Lebzeiten der Atmosphäre entnommen hat. Zudem könne die Wärme, die beim Herstellungsprozess entsteht, ebenfalls genutzt werden, etwa für Schwimmbäder, Seniorenanlagen, Gewächshäuser und andere Gebäude.

Über den Nutzen der Holzvergasungsanlage informierten sich bei Inhaber Hubertus Wiemers, der durch die Anlage führte, Vertreter verschiedener Organisationen und Behörden: Neben Gerlinde Lamberty auch Kirchenvorsteher Harald Volke, Christoph Feist vom Marburger Ernährungsrat und Koordinator Landwirtschaft bei den Fleckenbühlern, Margot Schneider, ebenfalls vom Ernährungsrat und vom Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landkreises. Hintergrund des Besuchs war auch der Blick auf das Jahr 2024, in dem die Kirchengemeinde ihr Land neu verpachtet. Da stelle sich die Frage, welche Alternativen es für die konventionelle Landwirtschaft gibt und was die Kirche mit ihrem Land zum Klimaschutz beitragen könne, so die Vorsteherin.

Die Kirche als einer der größten Landbesitzer der Republik beschäftige sich schon historisch mit Fragen zum Erhalt der Schöpfung, der Klimaschutz spiele bei Entscheidungen eine immer größere Rolle, „spätestens mit den Überflutungen und Hitzerekorden dieses Jahres kann es kein ‚Weiter so wie bisher‘ mehr geben“. Das Thema wolle die Kirchengemeinde verstärkt mit den Pächtern besprechen, „wir müssen uns damit befassen, wie wir mit Land und Fläche künftig umgehen“.

Sie würde es befürworten, auch hierzulande die Holzverstromung zu verbreiten, um praktisch aus biologischem Abfall, von Altholz bis Strauchschnitt, einen neuen, klimagerechten Nutzen zu ziehen.

Von Ina Tannert

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