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Nordkreis Hoffnung für das Burgwald-Wasser
Landkreis Nordkreis Hoffnung für das Burgwald-Wasser
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10:00 19.04.2021
Ein besonderes Fleckchen im Moor im Burgwald mit Torfmoos und Wollgras.
Ein besonderes Fleckchen im Moor im Burgwald mit Torfmoos und Wollgras. Quelle: Nadine Weigel
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Die Reaktivierung des Wasserwerks Hattersheim in Südhessen bringt Hoffnung für die Wasserprobleme im Burgwald. Darauf weist die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ und die Schutzgemeinschaft Vogelsberg hin, beide loben einen „entscheidenden Durchbruch“.

Worum geht es? Das Wasserwerk Hattersheim ist schon vor Jahren stillgelegt worden, werde nun aber ertüchtigt und technisch fit gemacht werden – ein wichtiger Baustein für eine stärkere Eigenversorgung der Stadt Frankfurt am Main.

Das könne Einfluss auf den Export von Wasser, etwa aus dem Burgwald, für den hohen Frankfurter Bedarf haben. Die Aktionsgemeinschaft kritisiert seit Jahren, dass zu viel Wasser aus der Region verkauft und abgeführt werde, der Burgwald darunter zunehmend leide. „Das Wasserwerk Hattersheim fährt seine Produktion hoch, das ist das, was wir bereits vor dem Leitungsbau nach Frankfurt gefordert haben“, freut sich Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der AG „Rettet den Burgwald“.

6 bis Millionen Kubikmeter pro Jahr

Für den Regelbetrieb solle in Hattersheim allerdings nur die Sauganlage des ehemaligen Großwasserwerks mit einer Leistung von 6 bis 7 Millionen Kubikmeter pro Jahr wieder ans Netz gehen. Als ein Grund hierfür sehen die Wasserschützer den recht hohen Grundwasserspiegel, wie er in Frankfurt oft anzutreffen sei. In Hattersheim stehe das Grundwasser schon zehn Meter unter der Oberfläche an. Außerdem seien diese technischen Anlagen seit 2002 „im Stand-by“ gehalten worden.

Nun folge die Reaktivierung. Aber: „Es wäre noch weitaus mehr möglich: Denn in Hattersheim stand früher mit einer Förderung von 16 bis 17 Millionen Kubikmeter pro Jahr eines der größten Wasserwerke des Ballungsraums Rhein-Main“, heißt es in einer Mitteilung der Schutzgemeinschaft.

Diese Menge entspreche in etwa dem gesamten Wasser, das die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) gegenwärtig aus all ihren Fernwasserwerken jährlich nach Rhein-Main verkaufe. Die Schutzgemeinschaft, die sich seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Verringerung des Wasserexports in das Rhein-Main-Gebiet einsetzt, freut sich ebenso wie die Aktionsgemeinschaft über „diesen ersten Schritt“.

Klimagestresste Fernwasserbrunnen werden entlastet

In Zeiten des Klimawandels könne es ein „Weiter so“ nicht mehr geben: Immerhin würde durch die Eigenförderung mit dem Brunnen Hattersheim nun auch die klimagestressten Fernwasserbrunnen im Vogelsberg und im Burgwald erheblich entlastet, was ein erster „Meilenstein auf dem Weg in eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft“ sei.

„Betrachtet man sich den ‚Regionalen Wasserbedarfsnachweis 2011’ des Ballungsraums allerdings genauer, wird schnell klar, dass Frankfurt noch viel größere Reserven in seinen Wasserwerken aktivieren könnte“, heißt es weiter in der Mitteilung. Neben angepassten Fördermengen bestünde auch die Möglichkeit, dass weitere stillgelegte Wasserwerke wieder in Betrieb gehen, davon gebe es mehrere, die geprüft werden sollten.

„Weitere ruhende Wasserwerke in Rhein-Main müssten folgen, dann kann mehr Wasser im Naturraum Burgwald bleiben, und die Versorgung unserer Region muss erstmal nicht mehr infrage gestellt werden“, betont Archinal.

Mit weiteren „Aktivierungspotenzialen“ könne Frankfurt seine Eigenversorgung stufenweise weiter aufstocken. Beide Vereine betonen: „In Zeiten unsicherer Grundwasserneubildung wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Absicherung der Frankfurter Daseinsvorsorge.“ Jetzt sei die künftige Frankfurter Stadtregierung gefordert, „konsequent ein Versorgungskonzept“ umzusetzen“.

Von Ina Tannert