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Nordkreis Lahntal prüft eigene Schwachstellen
Landkreis Nordkreis Lahntal prüft eigene Schwachstellen
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17:58 29.09.2021
Ein teils zerstörtes Dorf im Kreis Ahrweiler nach der Flutkatastrophe im Juli. Die Gemeinde Lahntal will das eigene Hochwasser-Risiko stärker überprüfen lassen.
Ein teils zerstörtes Dorf im Kreis Ahrweiler nach der Flutkatastrophe im Juli. Die Gemeinde Lahntal will das eigene Hochwasser-Risiko stärker überprüfen lassen. Quelle: Foto: Boris Roessler
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Lahntal

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat das Thema Hochwasserschutz wieder stärker in den Fokus gerückt, viele Kommunen befassen sich verstärkt mit dem eigenen Risikomanagement. Auch in Lahntal fragen sich Bürger, wie es damit in der eigenen Gemeinde an der Lahn im Falle von Starkregenereignissen bestellt ist.

Dazu nimmt der Gemeindevorstand in einem Hochwasserschutz-Bericht Stellung. Der war zuletzt auch Thema in der Gemeindevertretung, wo nicht nur die Fortschreibung des Aktionsplans Klimaschutz einstimmig beschlossen wurde, sondern vor dem Hintergrund der Klimakrise auch potenzielle künftige Gefahrenquellen im Fokus standen. Im Bericht zum Hochwasserschutz weist Bürgermeister Manfred Apell darauf hin, dass es zwar keinen absoluten Schutz vor Naturereignissen gibt, mögliche Gefahren aber begrenzt werden können und dazu neue Hilfsmittel genutzt werden sollten.

Ergänzend zu den Maßnahmen der letzten Jahre, etwa der Erneuerung der Lahndeiche sowie den regelmäßigen „Starkregenereignis-Begehungen“, plant die Gemeinde weitere Vorkehrungen, will etwa prüfen, ob weitere Regenrückhaltebecken oder stellenweise der Rückbau von Rohrleitungen angebracht sind. Denn: „Offene Gräben und Bäche können mehr Wasser aufnehmen als die meisten Verrohrungen“, heißt es im Bericht.

Wohin aber fließt das Wasser schlimmstenfalls? Um Starkregen-Schwachstellen auszuloten, gibt es die sogenannten Kommunalen Fließpfadkarten, die das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie gegen eine Aufwandsentschädigung anbietet. Lahntal hat diese für das Gemeindegebiet bereits angefordert.

Die Karten zeigen eine erste Übersicht der potenziellen Fließpfade, die das Regenwasser bei einem Starkregenereignis nehmen würde. Mit einbezogen werden dabei verschiedene Hangneigungen, Landnutzungen und Gebäudeinformationen. Die Fließpfade werden zudem mit einem Puffer von 20 Metern dargestellt, um die Gefährdung von Gebäuden oder anderer Infrastruktur besser sichtbar zu machen.

Gezeigt werde allerdings – anders als bei Starkregen-Gefahrenkarten – nur eine rein topografische Geländeanalyse: In der Regel nicht berücksichtigt sind die Wirkungen von Gräben, Durchlässen und der Kanalisation. Auch Senken, in denen sich Wasser sammeln könnte, oder kleinere Hindernisse wie Bordsteinkanten, Gartenmauern oder Einfahrten werden nicht beachtet.

Dennoch könnten Fließpfadkarten „eine gute Hilfe“ für eine erste Beurteilung des Status quo sein: Diese Überprüfung soll künftig möglichst gemeinsam mit den Ortsvorstehern erfolgen. Nach einer ersten Analyse könne dann entschieden werden, ob die Gemeinde auch die teureren, aber detaillierteren Starkregen-Gefahrenkarten benötige. Diese zeigen, welchen Weg das Wasser hin zu den Fließgewässern nehmen würde, bedeuten aber mehr Aufwand. Die Karten werden über ein Ingenieurbüro erstellt und würden voraussichtlich mehr als 10 000 Euro kosten.

Hohe Zuschüsse für Lahntal möglich

Allerdings fördert das Land Hessen eine Erstellung dieser Karten und die Umsetzung von Schutzmaßnahmen gegen Starkregenschäden mit bis zu 70 Prozent an Zuschüssen – für Mitgliedskommunen beim Bündnis „Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen“ winken sogar Fördersätze von bis zu 90 Prozent. Die Gemeinde Lahntal ist dort Gründungsmitglied, könnte sehr von der Mitgliedschaft profitieren, die Karten wären „fast geschenkt“, so Apell.

Sobald demnächst die Fließpfadkarten vorliegen, will der Gemeindevorstand das weitere Vorgehen planen und zu einer öffentlichen Besprechung mit den Gremien unter Einbeziehung der Ortsbeiräte einladen.

Im Parlament wurde das Thema ebenfalls diskutiert: Die SPD brachte dazu einen Antrag ein und spricht sich ebenfalls dafür aus, erst die Fließpfadkarten zu prüfen, dann die Starkregen-Gefahrenkarte für „kritische Gebiete“ in Lahntal zu beauftragen. Es gehe darum, gewappnet zu sein, Vorsorge zu betreiben, betonte Joachim Muth, der den Antrag vorstellte. Ein Konzept für Starkregenereignisse würde die bisherigen Präventiv-Maßnahmen abrunden: „So erfahren wir genau, wo sich das Wasser im Fall eines Starkregenereignisses in Lahntal sammelt und welche Gebäude und Infrastrukturen besonders gefährdet sind.“

Die Anschaffung der weiterführenden Übersicht für die Gemeinde stieß auf breite Zustimmung. Wie Holger Briel (CDU) ergänzte, sollten die Gefahrenkarten dann in Zukunft regelmäßig aktualisiert und an Veränderungen der Landschaft oder durch Bebauung angepasst werden. Laut Apell sei das für die Karten sowieso „die logische Konsequenz – alle paar Jahre muss man die schon mal wieder prüfen“.

Der Antrag wurde einstimmig vom Parlament angenommen, das damit auch den Auftrag erteilte, nötige finanzielle Mittel im Haushalt bereitzustellen und Landes- und Bundesförderungen zu nutzen. Die Ergebnisse sollen dann öffentlich vorgestellt werden.

Von Ina Tannert