Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Helfer-Aufruf für die Altenhilfe
Landkreis Nordkreis Helfer-Aufruf für die Altenhilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:58 12.01.2021
Wer rein will, muss sich testen lassen. Claudia Erkel nimmt einen Abstrich für einen Corona-Antigentest. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Anzeige
Wetter

Lahntal, Münchhausen und Wetter bitten in einem gemeinsamen Aufruf um Unterstützung der Corona-gestressten Altenpflegeheime des Marburger St.-Elisabeth-Vereins. Über den von den Bürgermeistern Kai-Uwe Spanka (Wetter), Peter Funk (Münchhausen) und Manfred Apell (Lahntal) unterzeichneten Aufruf wenden sich die drei Nordkreis-Kommunen an Bürger mit Erfahrungen in medizinischen Pflegeberufen, um die angespannte Situation in den Altenheimen in Wetter und Lahntal abzumildern.

Im Nachgang des massiven Corona-Ausbruchs eines Altenheims in Moischt (die OP berichtete) hatte Spanka den Aufruf initiiert, zuvor den St.-Elisabeth-Verein als größter Träger der Altenhilfe im Nordkreis angesprochen. „Viele unserer Bürgerinnen und Bürger leben in dessen Einrichtungen. Die Mitarbeiter*innen stehen derzeit unter einem enormen persönlichen und beruflichen Druck“, heißt es im Appell. Zwar ist es seit Ausbruch der Pandemie zu keinerlei Infektionsausbrüchen in den Einrichtungen gekommen, was der Trägerverein ebenfalls bestätigt. „Wir wissen aber alle am Beispiel anderer Pflegeeinrichtungen, wie schnell und vor allem, mit welchen Auswirkungen dies passieren kann.“

Anzeige

Es geht um Prävention. Die Leitung der Altenhilfe freut sich über die angebotene Hilfe, die vor allem für die Bewältigung der regelmäßigen Corona-Schnelltests gebraucht wird: Um das Virus weiterhin aus den Heimen herauszuhalten, werden Bewohner und Personal regelmäßig getestet, auch jeder Besucher muss einen Schnelltest machen, bevor er ein Pflegeheim betritt. Die Koordination, Durchführung und Dokumentation ist ein Mehraufwand für das bereits stark belastete Personal. Alleine in Wetter werden im Monat rund 600 Schnelltests durchgeführt, in allen vier Einrichtungen – neben Wetter in Rosenthal, Romrod und Sterzhausen – waren das etwa 2500 Tests im letzten Monat, berichtet Oliver Pappert, Geschäftsbereichsleiter Stationäre Altenhilfe. Das kostet täglich Zeit und Kapazitäten, die für die Pflege der Bewohner gebraucht werden.

Acht neue Mitarbeiter nach Aufruf

Daher freue ihn die Eigeninitiative der Kommunen sehr und die habe bereits Erfolge gebracht: „Es haben sich einige Leute gemeldet, auch hochqualifizierte Kräfte, die die Tests durchführen können“, berichtet Pappert. Nicht alle brachten die nötigen Voraussetzungen mit, aber insgesamt hat der Verein acht neue Kräfte auf geringfügiger Basis eingestellt: Je zwei in Sterzhausen und Wetter, zudem ein Helfer für IT- und Telefondienste, um bei der Terminvereinbarung zu unterstützen. Weitere vier Menschen übernehmen nun mit die Auswertung der Tests.

„Das hat uns natürlich sehr weitergeholfen und viel Arbeit abgenommen – wir haben uns wirklich gefreut, diese gute Zusammenarbeit mit der Stadt Wetter hilft uns sehr“, lobt Pappert. Die Mitarbeiter, welche die Pflege übernehmen, werden entlastet und hätten mehr Luft, sich um das Kerngeschäft zu kümmern. Die neuen Kräfte sind befristet bis zum 31. März eingestellt, die Bezahlung refinanziert der Verein über die Pflegekassen, die für die Testverfahren samt Personalaufwand einen festen Satz zahlen. Eine Bezahlung für die Helfer sei von vornherein klar gewesen, rein auf ehrenamtliche Hilfe wolle er bei diesen Aufgaben nicht setzen, „wir brauchen eine gewisse Verbindlichkeit, bei Ehrenamtlichen möchte ich eigentlich keine klaren Arbeitszeiten vorgeben, das wollen diese auch nicht“, erzählt Pappert.

Die Kommunen suchen über den Aufruf kurzfristige, sofortige Unterstützung. Gesucht werden Personen für die Terminkoordination der Besucher und die Auswertung von Covid-19-Schnelltests samt anschließender Dokumentation. Darüber hinaus sollen alle Angebote und Kontaktdaten in einer Liste zusammengefasst werden, um dann, falls doch einmal ein Pflege-Notfall eintreten sollte, vorbereitet zu sein und schnell darauf zugreifen zu können. Schon vergangene Woche hatten sich bereits rund 30 Menschen gemeldet, die helfen wollten, berichtet Spanka von einer „sehr guten Resonanz“.

Der Aufruf richtet sich speziell an Menschen aus der Pflege und anderen medizinischen Berufen, jene, die Erfahrung in der Betreuung von Menschen haben – speziell an jene Fachkräfte, „die derzeit in anderen Berufen arbeiten, sich in Elternzeit oder im Ruhestand befinden und selbst nicht zu einer Risikogruppe gehören“, heißt es in dem Schreiben. Man sei „für jede Meldung dankbar, wir bedanken uns schon jetzt bei Ihnen für die Unterstützung und Bereitschaft“, betonen die Kommunen.

Auf den Aufruf melden kann man sich per Mail an info@wetter-hessen.de oder bei der Stadtverwaltung Wetter unter der Rufnummer 0160/931 34 353.

Von Ina Tannert

Nordkreis Mellnauer Burgruine - Die Burg bröckelt
10.01.2021
09.01.2021