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Nordkreis „Hätte Wasser gerne in Gemeindehand“
Landkreis Nordkreis „Hätte Wasser gerne in Gemeindehand“
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17:31 09.02.2017
In Sachen Trinkwasser plädiert Cölbes Bürgermeister Volker Carle für eine dezentrale Versorgung. Quelle: Archivfoto
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Cölbe

Es gibt für Volker Carle gute Gründe, laut darüber nachzudenken, über die Wasserversorgung der Gemeinde wieder ganz souverän entscheiden zu können. Derzeit gehört Cölbe dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke an. Diese Entscheidung fiel 2005, als Carle beim Versuch, die Wasserversorgung der Großgemeinde zu vereinheitlichen, politisch dazu gebracht wurde, sie komplett in den ZMW einzubringen.

Jetzt in 2017 sieht er die Zeit gekommen, die Ziele neu zu definieren. Ein Auslöser ist die Tatsache, dass nun Wasser aus dem Burgwald herangezogen wird und über eine „ellenlange Leitung“ in das Rhein-Main-Gebiet gepumpt wird, um die dortige Wasserversorgung zu verbessern. Eine solche Entscheidung widerstandslos hinzunehmen, ist für Carle (Archivfoto) im Grunde genommen eine Entscheidung gegen die Entwicklungsmöglichkeiten der eigenen Gemeinde. Wenn das Wasser von hier in das Ballungsgebiet gehe, habe man dort auch wieder Argumente für neues Gewerbe und neue Wohnhäuser. So trage man selbst dazu bei, die ländliche Region auszudünnen.

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„Mit welchen Argumenten wollen wir denn dann noch Gewerbe hierher holen?“, fragt Carle. Und dann trägt er einen weiteren Gedanken in die Diskussion, die er zu diesem Thema anleiern möchte: „Die Tendenz, alles miteinander zu vernetzen, lässt auch die Gefahr steigen, im Falle eines Anschlags auf die Trinkwasserversorgung, großen Schaden zu nehmen.“ Carle weiter: „Machen wir uns nichts vor, die politische Lage in der Welt hat sich nicht so entwickelt, wie wir uns das gewünscht haben. Diesbezüglich stellen kleinere Einheiten sicher, dass die Gesellschaft wehrhaft bleibt.“ Und das sagt ein Bürgermeister, der durchaus die interkommunale Zusammenarbeit zu schätzen weiß. Nun ist Carle natürlich nicht ein Donald Trump und verfügt mal locker per Dekret, dass das Frischwasser wieder in Gemeindehand übergeht.

Bürger sollen ihre Meinungen einbringen

Nein, dazu braucht es einen langen Atem, den politischen Willen und ganz wichtig: „Unsere Bürger müssen sich damit beschäftigen und sich eine Meinung bilden, was sie haben wollen.“ Carle stellt sich vor, dass sich die Ortsbeiräte des Themas annehmen und darüber diskutieren lassen. „Natürlich müssen wir damit rechnen, dass dann die Gebühren teurer werden“, sagt Carle. Aber es lohne sich auch, danach zu fragen, was die Gemeinde, was die Bürger dafür bekommen. Carle: „Wir haben im ZMW einen Stimmanteil von 1,46 Prozent. Damit können wir für uns nichts bewirken.“ Bevor es tatsächlich in einen aktiven Prozess münden kann, muss das Parlament einen Grundsatzbeschluss fassen und prüfen lassen, was alles nötig ist, um die Wasserversorgung wieder in Gemeindehand zu bekommen.

Der Brunnen in Schönstadt liefert jedenfalls schon ein gutes Argument: gutes und ausreichend viel Frischwasser. 

von Götz Schaub