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Nordkreis „Habe das kalte Wasser gar nicht bemerkt“
Landkreis Nordkreis „Habe das kalte Wasser gar nicht bemerkt“
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11:00 12.12.2021
Arno Braun zeigt die Figur, die er auf den Rasen warf, um besser über die Grundstücksmauer zu kommen, um seinem Nachbarn, der ohne Bewusstsein im Pool lag, zur Hilfe zu eilen.
Arno Braun zeigt die Figur, die er auf den Rasen warf, um besser über die Grundstücksmauer zu kommen, um seinem Nachbarn, der ohne Bewusstsein im Pool lag, zur Hilfe zu eilen. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Schönstadt

Hinterher, zumal nach einem glücklichen Ausgang, kann man immer locker über eine Rettungstat reden. So auch im Fall des Schönstädters Arno Braun, der seinen Nachbarn vor dem Ertrinken gerettet hat. Seine Geschichte könnte überschrieben sein mit „Die Zigarette, die ein Leben rettete“. Warum? „Zum Rauchen gehen wir zu Hause immer raus“, sagt Arno Braun. Und das offenbar auch bei niedrigen Außentemperaturen.

So stand der 68-Jährige auch am Mittwoch, 30. Dezember 2020, morgens gegen 9.30 Uhr auf seiner Terrasse, um eine Zigarette zu rauchen. Dabei sah er seinen Nachbarn auf dessen Grundstück neben dem Pool gehen. Das Wasser war aufgrund der Jahreszeit zum Teil abgelassen. Kurz darauf sah Braun, wie sein Nachbar einfach so in den Pool fiel. „Da war sofort der Punkt erreicht, an dem ich nur noch funktionierte“, sagt Braun.

Nachbar hatte das

Bewusstsein verloren

Er überlegte nicht lange, sondern rannte sofort zur Grundstücksgrenze, warf eine auf der Mauer stehende Figur ins Gras und kletterte rüber auf das Nachbargrundstück. Dabei zog er sich ein paar Schürfwunden zu, denen er aber keine Beachtung schenkte.

Ohne weitere Umstände sprang er in den Pool, der noch mit mehr als einem Meter Wasser gefüllt war. „Zum Glück“, wie Braun anmerkt. „Wäre der Pool leer gewesen, hätte sich mein Nachbar sicher schwer verletzen können oder Schlimmeres.“ Das Wasser wäre aber ohne Brauns Eingreifen nicht minder gefährlich geworden, weil sein Nachbar offensichtlich das Bewusstsein verloren hatte und regungslos mit dem Gesicht nach unten im Wasser lag. Braun zog seinen Nachbarn zur Einstiegstreppe und hielt ihn dort fest, weil er ihn nicht alleine aus dem Becken hieven konnte. Bei seiner Aktion rief er auch laut nach der Lebensgefährtin seines Nachbarn, die gerade geduscht hatte. Dann ging alles sehr schnell, der Rettungsdienst wurde alarmiert und übernahm. Wie eingangs gesagt, die Sache ging gut aus, dem Nachbarn geht es wieder sehr gut. Arno Braun ging dann triefend nass nach Hause und gönnte sich eine heiße Dusche. Er trug noch nicht einmal eine Erkältung davon. „Ich glaube, ich habe das kalte Wasser lange Zeit gar nicht bemerkt“, sagt er.

Walter Fürstenberg aus Schönstadt fand schließlich, dass Braun irgendwie offiziell für seinen selbstlosen Einsatz geehrt werden sollte. Als ehemaliger Aktiver der Feuerwehr weiß Fürstenberg, wie wertvoll es ist, dass Menschen Notsituationen erkennen und dann auch handeln. Er setzte die entsprechende Stelle beim Land Hessen davon in Kenntnis, die schließlich entschied, Arno Braun eine öffentliche Belobigung auszusprechen. Diesen Part übernahm dann stellvertretend für Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier am vergangenen Mittwoch Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried, der zudem von Schönstadts Ortsvorsteher Micha Kiefer sowie Christian Schwarz, Wehrführer der Schönstädter Feuerwehr, Johannes Schwarz, stellvertretender Wehrführer, und Walter Fürstenberg begleitet wurde. Nun, so im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht wirklich sein Ding, gab Arno Braun zu. Doch stimmte er Fürstenberg zu, dass das Erzählen einer solchen Geschichte durchaus auch andere Menschen anregen kann, in vergleichbaren Situationen nicht wegzuschauen, sondern aktiv zu werden.

Für Braun war es körperlich schon anstrengend, aber er würde es immer wieder machen. Er freut sich sehr für seinen Nachbarn, dass dieser wieder in Form ist und ohne Einschränkung weiterleben kann. Erst gefragt, ob er schon mal in einer solchen Situation gewesen sei, kommt Arno Braun mit einer lang zurückliegenden Geschichte: Als 18-Jähriger habe er mal ein Kind aus der Lahn gezogen, sagt er. Den Impuls zu helfen, habe er offensichtlich über die Jahre nicht verloren, fügt er lachend an. Bürgermeister Ried verlas die Belobigung und zollte Braun auch ganz persönlich Respekt. Hier sei eine Tragödie verhindert worden. Braun habe sich hervorragend und vorbildlich verhalten.

Von Götz Schaub