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Nordkreis Gott preisen mit viel Gesang und Musik
Landkreis Nordkreis Gott preisen mit viel Gesang und Musik
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22:06 24.08.2020
Bezirkskantorin Christiane Kessler in der Stiftskirche in Wetter.
Bezirkskantorin Christiane Kessler in der Stiftskirche in Wetter. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Wetter

Die bisherige Bezirkskantorin Christiane Kessler geht. In den Ruhestand und nach Frankfurt. Das bedeutet, sie arbeitet nicht mehr hier und wird wohl auch ehrenamtlich hier nichts mehr regelmäßig unterstützen mit ihrer Präsenz, ihrem Wissen, ihrem Können. Sie ist weg. Das ist ein herber Verlust für die Musizierenden in den Kirchenkreisen Marburg und natürlich Kirchhain.

Sicher, niemand ist unersetzbar, es geht immer weiter, aber jetzt, am Ende einer Ära, dürfen die Betroffenen auch mal traurig sein und Christiane Kessler vermissen. Immerhin seit 2003 wirkte sie, gestaltete sie, brachte sie sich ein. Dass sie ihre Aufgaben gut, ja besonders gut, ach sagen wir ruhig brillant meisterte, wurde ihr zum offiziellen Abschied, der am Sonntag in der Stiftskirche in Wetter stattfand, nicht nur vielfach versichert. Es waren die Gesten, die Herzlichkeit, die erfrischende Ehrlichkeit, wie sich die Gruß-Rednerinnen und -redner, die meist für viele andere sprachen, bei Christiane Kessler bedankten.

Zunächst wurde ihre Arbeit, wie hätte es auch anders sein können, mit einem musiklastigen Gottesdienst gewürdigt, dann gab es außerhalb der Kirche die Grußworte zum Abschied zu hören, immer wieder unterbrochen von Einlagen eines Bläserchores.

Letztendlich, so fasste es Dekan Hermann Köhler vom Kirchenkreis Kirchhain zusammen, war man angesichts der Corona-Pandemie schon sehr dankbar, Christiane Kessler die Verabschiedung in der Stiftskirche in Wetter bieten zu können, wo sie vor mehr als sechseinhalb Jahren die Kantorei als Chorleiterin übernommen hatte.

Corona-Pandemie vereitelt „Gloria“ zum Abschied

Eigentlich wollte Christiane Kessler noch einmal etwas Großes zu Gehör bringen: Vivaldis „Gloria“. Doch kaum dass in diesem Jahr die Proben dafür angelaufen waren, musste das Singen, das Beisammensein wegen Corona ausgesetzt werden. „Das Einzige, was vom geplanten musikalischen Teil übrig geblieben ist, war das Orgelstück zu Beginn des Gottesdienstes“, verriet Christiane Kessler.

So wurde also massiv umgeplant und natürlich darauf geachtet, was unter Corona-Bedingungen verantwortbar ist und was nicht. Sicher hätte Kessler eine volle Kirche verdient gehabt, aber so wurden eben nur wenige Plätze auf Anfrage vergeben. Doch niemand musste passen, der Gottesdienst wurde auch nach außen gebracht.

Und was soll man sagen, wer nicht wusste, dass eigentlich Vivaldis „Gloria“ auf dem Programm gestanden hätte, der wurde mit einem Teil des Marburger Oktetts mehr als entschädigt, das selbstverständlich von Kessler dirigiert wurde: Miriam Jerabeck, Dorith Neumeyer, Regina Kuhl, Birgit Küllmar, Michael Brauer, Marc Müllenhoff und Hartmut Raatz brachten Johann Sebastian Bachs Motette (BWV 230) zu Gehör.

Martin Kaiser und Kesslers Bezirkskantor-Kollege Peter Groß an der Orgel sowie Trompeter Philip Schütz gestalteten den Gottesdienst zudem musikalisch aus. Neben Dekan Hermann Köhler waren gleich zwei Pfarrer aktiv dabei, der Wetteraner Dr. Matthias Franz praktisch als Gastgeber und Dr. Alexander Warnemann aus Cölbe als „Heimpfarrer“ von Christina Kessler. Kurz sprach dann auch Dekan Burkhard zur Nieden vom Kirchenkreis Marburg, der wie Köhler noch ein persönliches Abschiedsgeschenk überreichte.

Den Beruf stets wie eine

Berufung gelebt

Also, es wurde alles gegeben, um den Abschiedsgottesdienst schön und würdig zu gestalten. Vor der Stiftskirche dann die Grußworte, oder eher Dankesworte. Dabei zeigte sich noch einmal sehr deutlich, was Christiane Kessler den Menschen, mit denen sie zu tun hatte, bedeutet. Denn es waren längst nicht nur Menschen gekommen, die aktuell mit ihr gearbeitet haben, sondern auch Menschen, die früher mit ihr zusammengearbeitet haben, heute woanders wohnen oder bereits länger im Ruhestand sind. Auch Menschen aus ihrem Leben vor dem im Kreis Marburg-Biedenkopf waren gekommen.

Sie bleibt in Erinnerung als eine Frau, die ihren Beruf wie eine Berufung lebte. Die immer für Fragen zur Verfügung stand, die sich einbrachte, die förderte und forderte. Chöre wie Organisten und zahlreiche Orgelschülerinnen und -schüler. Die Lust auf Musik drückte sie auch darin aus, große und schwierige Werke mit den Kantoreien einzustudieren, um sie dann aufzuführen. Auch ihr Mann Rainer wurde des Öfteren erwähnt. Auch er habe sich eingebracht, Chöre mit seiner Stimme unterstützt und seiner Frau stets den Rücken freigehalten.

Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum lobte ihr vielfältiges Engagement und ihre Kunst, immer auch einen Blick auf die „Breite“ zu werfen, die sie gewinnbringend „auf dem Land“ animierte. Mareike Hilbrig bedankte sich im Namen aller nebenamtlichen Chorleiter, denen sie zur Seite stand.

Für den verhinderten Nils Kuppe vom Kirchenkreis Marburg sprach Helmut Hering, der sehr deutlich machte, dass Christiane Kessler immer ein kompetente Ratgeberin und Fachfrau war, die stets auf alles eine Antwort hatte oder wenigstens eine Idee, wie etwas weitergehen könnte. Dorothee Schneider und Gertraud Lenz dankten ihr im Namen der Kantorei Wetter und des Kirchenvorstandes. Pfarrer i. R. Christoph Steinhäuser erinnerte an ihre Zeit in Dreieichenhain und schenkte ihr eine Patenschaft über eine Steinplatte in der dortigen Burgkirche, die saniert wird.

Die vielen freundlichen Worte haben sie verlegen gemacht, sagte Christiane Kessler bewegt am Ende. Ein schönes Feedback. Sie liebte es, mit Menschen zusammenzukommen, mit ihnen zu diskutieren, mit ihnen zu arbeiten, mit ihnen zu singen, mit ihnen Musik zu machen. Ihr gefiel es sehr, sich viele Freiheiten herausnehmen zu können, Gott mit ganz unterschiedlicher Musik und unterschiedlichem Gesang zu lobpreisen. Sie blicke auf ein erfülltes Berufsleben zurück, hinter dem auch die Familie mal zurückstehen musste. Und so galt ihr abschließender Dank Ehemann und beiden Töchtern, dass sie ihr das alles so ermöglicht haben.

Von Götz Schaub