Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Görzhäuser Hof: Lahntal meldet Bedenken an
Landkreis Nordkreis Görzhäuser Hof: Lahntal meldet Bedenken an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 23.02.2022
Ein brisantes Thema: der Regionalplan.
Ein brisantes Thema: der Regionalplan.. Quelle: Foto: Thorsten Richter
Anzeige
Goßfelden

Die künftige Gebietsaufteilung, wie sie im neuen Regionalplan Mittelhessen festgehalten wird, ist ein brisantes Thema in manchen Kommunen und stand nun auch im Parlament Lahntal auf der Tagesordnung.

Die Gemeinde möchte darin zwei weitere Flächen unterbringen, sorgt sich außerdem um die Marburger Pläne für die Erweiterung des Görzhäuser Hofs und lehnt diese ohne ausführlichen Verkehrswegeplan ab.

Problem: Anstieg der Verkehrsströme

Lahntal meldet offiziell Bedenken gegen die Ausweitung des Gewerbegebiets bei Michelbach an, konkret die neue Gewerbefläche „G 311“ der Stadt Marburg. Auf 33,8 Hektar werde dort die Möglichkeit geschaffen, das Gewerbe- und Industriegebiet zu erweitern, vorrangig gedacht für die Pharmafirmen. Damit einher dürfte ein Anstieg bei den Verkehrsströmen gehen, „bereits das vorhandene Gewerbegebiet ,Görzhäuser Hof’ ist verkehrlich nur unzureichend erschlossen“, heißt es im Antrag.

Als Anbindung nach Marburg gibt es nur die Landesstraße 3092, die aber schon jetzt „nur sehr begrenzt“ den aktuellen Verkehr aufnehmen könne, gerade was die Innenstadt und die Marbach betrifft. Die Breite der Strecke wie die örtlichen Verhältnisse stünden zudem einem Ausbau der Landesstraße, sofern das überhaupt gewollt wäre, entgegen, geeignete Alternativen gebe es keine, außerdem ist ein Radweg geplant. Grundsätzlich sei das Wachstum der pharmazeutischen Betriebe erfreulich, auch Lahntal profitiere davon, „wir sind nicht ausdrücklich gegen das Gewerbegebiet“, betonte Bürgermeister Manfred Apell. Aber beim Verkehr betrachte man eben die „mangelhafte Erschließung“ dieses Bereichs sehr kritisch.

Der Verkehr verlagere sich schon jetzt in Richtung der Bundesstraßen 62 und 252 und damit nach Lahntal. „Mit der großflächigen Erweiterung des Gewerbegebietes wird sich diese Entwicklung weiter verstärken“, so die Bedenken der Gemeinde, welche die Ausweisung der Gewerbegebietserweiterung G 311 „entschieden“ ablehnt, „solange keine umfassende Verkehrsplanung für die Verkehrsströme zu den pharmazeutischen Standorten damit einhergeht“.

Was das angeht, sei man sehr bereit, gemeinsam mit Marburg an einer überregionalen Verkehrsplanung mitzuwirken, um eine Lösung zu finden. Zweiter Punkt in Sachen Regionalplan: Die Gemeinde möchte in Sterzhausen ein neues Wohngebiet schaffen und dazu ein zusätzliches „Vorranggebiet Siedlung – Planung“ im Bereich „Oberm Dorf“ am nördlichen Ortsrand im Regionalplan anmelden. Ein Teil dieser Fläche wurde früher schon einmal wegen angrenzender Großviehhaltung als Wohngebiet aufgegeben, inzwischen habe sich die Gemeinde mit dem benachbarten Landwirt aber geeinigt. Auf der Fläche könnte künftig Raum für Wohnhäuser und auch die neue Grundschule entstehen.

Wie Bürgermeister Manfred Apell betonte, werden mit der Ausweisung der Flächen noch keine Fakten geschaffen, es sei „nur eine Möglichkeit“. Bevor es keinen Bebauungsplan gibt, werde dort auch noch nichts anderes gebaut.

Drittens: Lahntal möchte eine Photovoltaik-Fläche bei Goßfelden ausweisen lassen. Neben der Ortsumgehung B252 neu soll ein zusätzliches Vorbehaltsgebiet für Photovoltaik (PH)-Freiflächenanlagen in dem Bereich „Auf’m Sand“ entstehen.

Bereich Energie unberücksichtigt

Allerdings ist dieses Ziel nichts für den regionalen Raumordnungsplan – denn in der aktuellen Anhörung wird der Bereich Energie gar nicht berücksichtigt.

Dafür gibt es den Teilregionalplan Energie. Um das Thema dennoch beizubehalten, entschied das Parlament, diesen Punkt über eine Regionalplan-Anfrage beim Regierungspräsidium anzuregen, um das Gebiet künftig als Vorrangfläche für PH-Anlagen umzuwandeln.

Dafür wolle man sich auf diesem Weg einsetzen, so Bürgermeister Manfred Apell, der aber auch betonte, dass auch in dieser Sache noch nichts endgültig entschieden sei: „Hier wird keine Photovoltaikfläche umgesetzt, es wird nur die grundsätzliche Möglichkeit dafür geschaffen.“

Erst wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Bebauungsplan zu dem Gebiet eingebracht wird, könne das Thema wieder zur Sprache kommen.

Alle drei Tagesordnungspunkte zum Regionalplan gingen ohne Aussprache durch das Parlament – darauf hatte sich der Ältestenrat im Vorfeld verständig – und wurden alle beschlossen.

Von Ina Tannert