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Nordkreis Die Bundeswehr in Schwarzenborn?
Landkreis Nordkreis Die Bundeswehr in Schwarzenborn?
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12:00 14.09.2020
Cölbes Ortsteil Schwarzenborn. Kommt bald die Panzerspur auf der B 3? Quelle: Ina Tannert
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Schwarzenborn

Große Aufregung im lauschigen Schwarzenborn, Bewohner sind völlig aus dem Häuschen, denn die Bundeswehr kommt. Die Heeresführung teilt begeistert mit: „Am Standort Schwarzenborn beginnen die Arbeiten an sechs Unterkunftsgebäuden für rund 400 Soldaten des Jägerbataillons 1“. Die gute, wenn auch äußerst überraschende Nachricht geht im 120-Seelen-Örtchen um wie ein Lauffeuer. Hoffnungen werden geweckt, schließlich werden 35 Millionen Euro in den Standort gepumpt. Dort machen sofort Gerüchte zum künftigen Aufschwung die Runde: Unterkünfte, Ausstattung, Infrastruktur, neue Straßen, Restaurants, Cafés, Kaufhäuser, Boutiquen? „Die Soldaten wollen doch auch mal ausgehen und bummeln“, spekuliert ein Bewohner frohlockend. Und davon profitieren ja dann auch die Schwarzenborner, lautet der Konsens im Ort.

Jetzt ist auch klar, warum das Bürgerhaus bald so aufwendig saniert und technisch hochgepäppelt wird. Wird das der neue Begegnungsort zwischen Bürgerschaft und Bundeswehr? Ein multimedialer Treffpunkt mit Kino und exklusivem Barbereich? Fragt man ihn danach, lacht Bürgermeister Dr. Jens Ried nur verschmitzt: „Ja, es stimmt, es sollte eben eine Überraschung für die Schwarzenborner werden.“ Ob der umgehenden Nachfrage der örtlichen Presse zum Standortausbau des künftigen Kasernen-Idylls zeigt sich Cölbes Kämmerer anfangs noch irritiert, einfach zu neu ist die Nachricht über den willkommenen Geldsegen: Das unvorhergesehene Bauvorhaben des Kompetenzzentrums Baumanagement Wiesbaden des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr überrascht selbst den gestandenen Politiker.

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Wirklich? Fest steht, dass sich längst einiges tut im Ort. Stichwort: B-3-Linksabbiegestreifen. Wird der gleich zur Panzerspur ausgebaut? Und: Wie es der „Zufall“ so will, befindet sich auch die Sanierung der Alten Kirche in den letzten Zügen. Im historischen Kleinod und kulturellen Mittelpunkt des Ortes, weit über Kreisgrenzen hinaus bekannt, kann demnächst sogar wieder geheiratet werden. Das dürfte auch bei Soldaten im besten heiratsfähigen Alter gut ankommen. Ein Geschenk der Gemeinde an die neuen Nachbarn? Wer weiß.

„Ein echter Knüller“

Die Zukunft hat schon begonnen. Die Ausbaupläne in Richtung Vorzeigekaserne lassen alle Kritiker ob des angeblichen Stillstands in der Bundeswehr verstummen: Der Tiefbau soll bereits gestartet sein, die „feierliche Grundsteinlegung“ noch für dieses Jahr geplant, heißt es frohlockend in einer Pressemitteilung der stolzen Baufirma. Geplant ist der Bau von Unterkünften nach Baukastensystem – das kennen selbst die kleinen Schwarzenborner aus dem eigenen Kinderzimmer, die sicher ihre Freude daran haben werden. Und schnell soll es gehen, die gute Anbindung an die B 3 macht es möglich. Dass sich das Hessische Finanzministerium da schon im Herbst zügig mit dem Bundesverteidigungsministerium geeinigt hat, war da ja absehbar.

Und die guten Nachrichten hören nicht auf: Hessenweit entstehen insgesamt 1.300 dieser Unterkünfte für die Soldaten. In Kassel, Pfungstadt, Fritzlar, Stadtallendorf – und Schwarzenborn reiht sich ein in diese elitäre Reihe an handverlesenen Standorten. Der Stolz ist den Bewohnern ins Gesicht geschrieben. „Das wurde ja auch mal Zeit, dass der Herr Oberst endlich bemerkt, wie gut das hierher und zu uns passt“, kommentiert eine Bewohnerin freudig.

Auch die politische Elite des Schwalm-Eder-Kreises schickt ihre Glückwünsche gen Schwarzenborn. „Ein Knüller für Knüll“ lautet die einhellige Meinung. Hoppla. Ähm. Knüll? Knüllgebirge? Knüllwald? Da ist wohl geografisch etwas ganz schief gelaufen. Das lauschige Schwarzenborn (Knüll) in Nordhessen – Kasernenstandort und als Hessens kleinste Stadt bekannt – war eigentlich gemeint. Huch. Kann ja mal passieren. Pardon dafür an dieser Stelle. Man verbuche den geistigen Erguss gerne als Schwarzenbörner Streich – immerhin das stolze Schilda von Hessen. Also: Kommando zurück.

von Ina Tannert