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Nordkreis Der schwere Weg zum Waldumbau
Landkreis Nordkreis Der schwere Weg zum Waldumbau
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17:58 17.08.2020
Tote Fichten stehen im Herrenwald bei Stadtallendorf. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Landkreis

Dem Deutschen Forst geht es schlecht, seit Jahren wird darüber diskutiert, wie sich der durch Klimawandel, Trockenheit, Schädlinge oder Monokulturen geschwächte Wald zukunftsträchtig umgestalten lässt. Das Aus für der anfällige Fichte, mehr robuste Arten und mehr Mischwälder – mit dem sogenannten „Wald der Zukunft“ befassen sich landauf und landab die deutschen Forstämter, die stellenweise längst Testläufe durchführen, welche Baumart sich wo am besten dauerhaft anpflanzen lässt.

Den Deutschen Wald klimagerecht umzugestalten dürfte die Herausforderung für die kommenden Jahrzehnte sein. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt fordert dafür nun mehr Personal in den Forstämtern, auch denen im Landkreis, und warnt vor einem „Klimanotstand im Wald“, dem immer mehr heimische Bäume zum Opfer fallen könnten. Laut des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürften in Hessen 2018 bis 2020 insgesamt 19,9 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Extreme Wetterlagen und Schädlinge wie der Borkenkäfer würden demnach bis Jahresende eine Waldfläche von gut 26 000 Hektar vernichtet haben.

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Um dagegen vorzugehen, brauche es eine umfangreiche Umgestaltung des Forsts. „Das aber ist eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen“, sagt Doris Hammes, Bezirksvorsitzende der IG BAU Mittelhessen. Sie sieht einen „enormen“ Nachholbedarf beim Waldumbau und beruft sich auf die letzte Bundeswaldinventur: Demnach machen Nadelbäume – ein Großteil davon in Monokulturen – 39 Prozent der rund 890 000 Hektar des hessischen Waldes aus. Die Gewerkschaft kritisiert zudem einen „Personalabbau im hessischen Forst in den letzten Jahren“. Seitens der Landesregierung gebe es bislang „nur Absichtserklärungen, aber keine belastbaren Fakten“, so Hammes.

Das sieht das Land Hessen mit dem Landesbetrieb Hessen Forst anders und argumentiert ebenfalls mit Zahlen zur Personaldecke: Demnach gab es personell in den drei Forstämtern des Landkreises (Biedenkopf, Kirchhain und Burgwald) „in den vergangenen fünf Jahren keine Veränderungen. Im Schnitt waren dort 133 Personen bei Hessen Forst beschäftigt“, teilt Landesbetriebsleiter Michael Gerst mit. In allen Beschäftigtengruppen gebe es bei Hessen Forst rund 1900 Stellen – „das sind circa 100 Stellen weniger als vor fünf Jahren“. Um mehr Personal zu gewinnen, sei zudem die Zahl der Ausbildungsplätze für Förster und Forstwirte erhöht worden, ebenso die Übernahmequote nach Abschluss der Ausbildung.

Zudem werde auf den seit 2018 entstandenen Freiflächen an der Wiederbewaldung gearbeitet, mit dem „wesentlichen Ziel“, Mischbestände mit „mindestens drei, möglichst vier bis fünf standortgerechten und klimaangepassten Baumarten je Waldbestand zu entwickeln“. Zwischen November 2019 und Mai 2020 seien im hessischen Staatswald etwa 1000 Hektar mit mehr als 4 Millionen kleiner Bäume aufgeforstet worden. Hessen Forst setzte dabei vorwiegend auf heimische Baumarten mit positiver Zukunftsprognose, etwa Eichen, Ahornarten oder Edellaubbäume wie etwa Kirschen. In geringem Umfang auch Lärche und Weißtanne. Auf kleineren Flächen und in Mischung mit heimischen Baumarten auch eingeführte Arten, wie Douglasie, Küstentanne oder Roteiche.

Wie Bernd Wegener, Leiter des Forstamts Kirchhain berichtet, heiße auch im heimischen Forstamt die Klimawandel-Devise „Risiken streuen durch gezielte Anlage und Pflege von Mischwäldern“. Heißt: Bei der Umgestaltung des Waldes werden mindestens vier verschiedene Baumarten beteiligt. Zudem werde der jeweilige Standort mit in die Planungen einbezogen, um zu sehen, welche Arten sich als tauglich erweisen. Unter wissenschaftlicher Begleitung werde ebenso geprüft, ob das „Baumartenportfolio“ ausgeweitet werden kann, etwa durch die Esskastanie.

Von Ina Tannert

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