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Nordkreis Geklaute Motorsäge im Kinderwagen
Landkreis Nordkreis Geklaute Motorsäge im Kinderwagen
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09:45 22.06.2020
Eine Motorsäge im Kinderwagen – in etwa auf diese Weise versteckte das angeklagte Elternpaar eine gestohlene Motorsäge, um sie zu Geld zu machen.
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Marburg

Seit mehr als 20 Jahren ist das Leben eines Familienvaters aus dem Nordkreis geprägt von Straftaten, Gerichtsverhandlungen, Drogen und immer wieder Aufenthalten im Gefängnis.

Wegen verschiedenster Straftaten hatte sich der 38-Jährige gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin nun auch vor dem Marburger Amtsgericht zu verantworten.

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Der arbeitslose Mann, der mit seiner 25-jährigen Freundin und den gemeinsamen beiden Kleinkindern zusammen lebt, ging auch innerhalb der letzten beiden Jahre mehrfach auf Diebestour, teils auch mithilfe der Frau oder weiterer Mittäter.

So brach der Mann gemeinsam mit einem Bekannten etwa Ende 2018 in ein Wohn- und Geschäftshaus in Wetter ein, hebelte dafür mit einem Schraubenzieher ein Fenster auf und durchsuchte das Gebäude, ohne jedoch Beute zu machen. Darüber hinaus stahl der Mann aus einem Lebensmittelgeschäft verschiedene Waren sowie Geld aus einem Portemonnaie, insgesamt im Wert von 1.500 Euro.

Falsches Autokennzeichen mit falsche Plakette

Einige Zeit später klaute er zusammen mit der Lebensgefährtin eine Motorsäge aus dem Transporter eines Baumpflegers. Um das Diebesgut unauffällig wegzuschaffen, nutzten die Eltern einen Kinderwagen, versteckten die Säge darin und brachten sie weg, um das Stück im Wert von rund 1.400 Euro zu Geld zu machen.

Darüber hinaus wurde der Mann mehrfach beim Autofahren erwischt, obwohl er keinen Führerschein hat. Um nicht aufzufallen, montierte er zudem falsche Kennzeichen an den Wagen und klebte eigenständig Tüv-Plaketten an, womit er sich zusätzlich der Urkundenfälschung strafbar machte.

„Alles, was er macht, hängt mit Drogen zusammen“

Vor Gericht räumte das angeklagte Paar die Vorwürfe in knappen Worten weitestgehend ein. Der Einbruch wurde indes nicht zum Thema, war zwar noch Bestandteil der Anklage, wurde aber mittlerweile eingestellt. Im Mittelpunkt standen die Diebstähle und diese seien Resultat einer jahrelangen Drogenproblematik seines Mandanten, wie Verteidiger Sascha Marks mitteilte.

Seit Jahren nimmt der Angeklagte Heroin, stiehlt, um sich die Sucht zu finanzieren. „Alles, was er macht, hängt mit Drogen zusammen“, betonte der Anwalt. „Ich will jeden Tag aufhören, aber das geht nicht ohne Hilfe“, ergänzte der Angeklagte.

Mehrere Anläufe in Therapieeinrichtungen habe er schon versucht, alle schlugen fehl, stets habe er die Suchttherapie abgebrochen. Auslöser für einen übermäßigen Drogenkonsum sei seine Scheidung im Jahr 2011 gewesen, „da hat es angefangen, ich habe das nicht verkraftet“, so der 38-Jährige.

Vorstrafenregister beginnt 1996

Allerdings trat er bereits Jahre zuvor und seit seiner Jugendzeit strafrechtlich in Erscheinung, sein langes Vorstrafenregister reicht bis ins Jahr 1996 zurück, als er sich als Minderjähriger wegen zahlreicher Diebstahlsdelikte, Betrug sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verantworten hatte.

Er hat bereits mehrere Jugend-, Bewährungs- und Haftstrafen hinter sich, dennoch folgten bis heute mehr als ein Dutzend weiterer Urteile, unter anderem wegen Bandendiebstahl, Körperverletzung, Falschaussage, Geldfälschung oder räuberischer Erpressung.

Im Bundeszentralregister angesammelt haben sich „erhebliche Vorstrafen“, weswegen man bei dem Mehrfachtäter nicht von einer positiven Sozialprognose ausgehen könne, betonte Staatsanwalt Timo Ide in seinem Plädoyer. Zumal die aktuellen Taten innerhalb einer weiteren, zu dem Zeitpunkt noch laufenden Bewährungsfrist begangen wurden. Eine Bewährungsstrafe komme daher für den Mann nicht infrage.

Keine Chance mehr auf Bewährung

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Auch die Verteidigung brachte eine mögliche Bewährung gar nicht erst ins Gespräch und beantragte eine Freiheitsstrafe unter einem Jahr.

Der Vorsitzende Richter Thomas Rohner verurteilte den Mann wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und Urkundenfälschung in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis zu einer Haftstrafe von 13 Monaten ohne Bewährung.

Er riet dem 38-Jährigen dringend zu einer weiteren Suchttherapie. „Solange die Drogenabhängigkeit besteht, wird es wieder zu Straftaten kommen“, schätzte der Richter. Dauerhaft von der Sucht loszukommen sei für den Familienvater „der einzig richtige Weg“.

Dessen bislang einmal vorbestrafte Lebensgefährtin wurde wegen Diebstahl zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen zu je 12 Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Ina Tannert

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