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Nordkreis Genderstern-Antrag scheitert
Landkreis Nordkreis Genderstern-Antrag scheitert
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15:55 20.09.2021
Männlich, weiblich, divers: Stellenanzeigen müssen grundsätzlich diskriminierungsfrei formuliert sein.
Männlich, weiblich, divers: Stellenanzeigen müssen grundsätzlich diskriminierungsfrei formuliert sein. Quelle: Sven Hoppe
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Goßfelden

Sorgt Gendern für sprachliche Gleichberechtigung oder für Barrieren? Daran scheiden sich in der öffentlichen Debatte die Geister. Eine geschlechtersensible Sprache ist gerade in den letzten Jahren präsentes Thema, auch in diversen Amtsstuben von Städten und Gemeinden. Im Zuge der Gender-Debatte haben Behörden ihren öffentlichen Schriftverkehr teils angepasst und durch sensible Formulierungen ergänzt, müssen entscheiden, welche Anrede, welche Stilform sie als passend erachten: Ausschreiben, Paarschreibweise oder Sonderzeichen wie Unterstrich und Gender-Sternchen.

Die CDU-Fraktion von Lahntal sieht gerade in der Nutzung von Sonderzeichen eher eine Barriere und brachte während der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag einen Antrag zum Gendern ein. Mit der Bitte, dass die Gemeinde im offiziellen Schriftverkehr auf das sogenannte sprachliche Gendern weitestgehend verzichtet. Insbesondere Zeichen wie Gender-Stern, Binnen-I, Gender-Doppelpunkt, -Unterstrich oder Ähnliches.

Derlei Zeichen würden eher zur Verwirrung beitragen, „mehr, als wenn man es ausschreibt“, betonte Doris Hilberger, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende, die als einzige Frau in der Fraktion den Antrag im Parlament vorstellte. Sie würde bei Schreiben der Gemeinde stattdessen Formulierungen über die Paarform oder geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen bevorzugen.

Das ungeliebte Thema: Sonderzeichen

Viel Resonanz erhielt sie nicht aus dem Saal der Lahnfelshalle. Es sei auch ein ungeliebtes Thema, die Sonderzeichen, „die nerven und wenn ich in Ihre Gesichter schaue, nerve ich Sie auch“, so Hilberger. Ihr gehe es dabei nicht um eine Ausgrenzung von Menschen, nicht um den Unterschied zwischen männlich, weiblich oder divers. Sondern nur um Mittel wie den Gender-Stern, der führe in geschriebenen Texten „bei sehr vielen Menschen allerdings dazu, dass sie sich über die Schreibweise aufgrund der erschwerten Lesbarkeit ärgern und gegebenenfalls dadurch eher ein Groll gegen die Gleichstellung ausgelöst wird, die durch das Sonderzeichen hätte erreicht werden sollen“, heißt es in der Begründung.

Nun gibt es auch offizielle Schriftstücke, in denen ausdrücklich alle denkbaren Personengruppen angesprochen werden müssen – etwa bei Stellenausschreibungen. Eine Ausschreibung muss geschlechtsneutral sein, das regelt das Bundesgleichstellungsgesetz. Hierbei möchte die Fraktion, dass die vollständige Paarform (etwa „Bewerber und Bewerberinnen jeglichen Geschlechts“) bevorzugt vor der Beschreibung „männlich, weiblich, divers“ genutzt werden solle.

Gender-Zeichen nur in Ausnahmefällen

Dieser Teil, im zweiten Absatz des Antrages formuliert, machte Bürgermeister Manfred Apell durchaus Sorgen. Er schlug vor, auf diesen Teil zu verzichten, denn dabei gehe es vor allem darum, wie Stellenausschreibungen den Vorgaben nach durchgeführt beziehungsweise formuliert werden müssen. Er selber bemühe sich bereits, Texte ohne Sonderzeichen zu verfassen, möglichst alles auszuschreiben. „Nur in Ausnahmen“ nutze er Gender-Zeichen als Mittel der Abkürzung, betonte Apell.

Mit Zustimmung der CDU-Fraktion wurde der zweite Absatz wieder gestrichen. Redebeiträge aus anderen Fraktionen gab es indes nicht, Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Claus Opper ergriff kurz das Wort und zeigte sich verwundert, dass der Antrag „als Bitte formuliert“ sei. Somit eigentlich kein tatsächlicher Antrag wäre, „über Bitten stimmt das Parlament nicht ab“.

Das tat es dann aber doch und wies die Beschlussvorlage mehrheitlich zurück: Der Antrag wurde mit zwölf Nein-Stimmen, sechs Ja-Stimmen und bei sieben Enthaltungen abgelehnt.

Von Ina Tannert

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