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Nordkreis Wetter will, Lahntal und Münchhausen nicht
Landkreis Nordkreis Wetter will, Lahntal und Münchhausen nicht
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22:33 26.09.2021
Nach Auszählung der Stimmen trafen sich die drei Bürgermeister mit Helfern in Wetter, um das Ergebnis zu diskutieren und öffentlich Stellung zu nehmen, unter anderem schaltete der HR kurz vor 21 Uhr live nach Wetter.
Nach Auszählung der Stimmen trafen sich die drei Bürgermeister mit Helfern in Wetter, um das Ergebnis zu diskutieren und öffentlich Stellung zu nehmen, unter anderem schaltete der HR kurz vor 21 Uhr live nach Wetter. Quelle: Götz Schaub
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Nordkreis

1974 hat etwas mit den Menschen im Landkreis gemacht. Sehr oft widerwillig, manchmal willig. Jedenfalls hat die damalige vom Land Hessen „aufgedrückte“ Gebietsreform mittlerweile stolze Kommunen hervorgebracht, deren Dörfer weitgehend zueinander gefunden haben und eine nach außen starke Einheit bilden. Das trifft auf Münchhausen mit seinen fünf überschaubaren Ortsteilen sehr stark zu, aber auch auf Lahntal, auch wenn sich dort der Prozess etwas länger hinzog, bis sich die Platzhirsche Caldern, Sterzhausen und Goßfelden miteinander arrangiert hatten. Die Stadt Wetter hingegen lernte früh, mit Ortschaften umzugehen, die sehr weit voneinander entfernt liegen. Und so stellt es auch jetzt für die Wetteraner nicht das große Problem dar, sich noch einmal zu vergrößern. Mehr als 52 Prozent können sich eine Fusion vorstellen.

Doch die positive Haltung aus Wetter wurde wohl sehr oft auch als Bedrohung aufgefasst. Lahntaler und Münchhäuser artikulierten immer wieder, dass sie fürchten, von Wetter geschluckt zu werden, nur damit „die“ in Wetter ihren Schuldenberg reduzieren können. Und sie fürchteten, dass Wetter aufgrund der Einwohnerzahl auch sonst so das Sagen übernimmt. Die Absage an die Fusion fällt in beiden Kommunen deutlich aus.

Die drei Bürgermeister Peter Funk (Münchhausen), Kai-Uwe Spanka (Wetter) und Manfred Apell (Lahntal) kennen sich sehr gut, gehen offen miteinander um, wissen um die Situationen der Kommunen. Sie sind überzeugt, dass kleinere und mittlere Kommunen nur über eine Fusion langfristig ihren Aufgaben gerecht werden können. Sie hielten es jetzt für eine gute Möglichkeit, diesen Prozess einzuleiten, weil sie alle drei nicht mehr als Bürgermeister kandidieren wollen und so die neue Kommune mit einem neuen Bürgermeister oder einer neuen Bürgermeisterin hätte anfangen können. Es wäre ein sauberer Schnitt gewesen. „Natürlich sind wir enttäuscht, dass unsere Argumente für eine Fusion so wenig Anklang fanden“, sagte am Sonntagabend (26. September) Lahntals Bürgermeister Manfred Apell. Doch er werde das Votum der Bürgerinnen und Bürger akzeptieren, denn genau um dieses Votum ging es ja.

So sehen das auch Spanka und Funk. Und doch mahnen sie auch. Ihre Nachfolger werden zu kämpfen haben, auf die Kommunen kämen viele Aufgaben zu, die zum Teil auch nur über zusätzliches Personal zu stemmen seien, finanziell werde es hingegen immer enger werden, was sich auf den Gestaltungsspielraum massiv auswirken werde.

Kommunalberaterin Carmen Möller, die die Machbarkeitsstudie erstellt hat, freut sich, dass die Bürger so schon einen Einblick gewonnen haben, was auf die Kommunen in den nächsten Jahren zukommt.

Und je nachdem darf in drei Jahren ein erneuter Versuch unternommen werden, eine Fusion voranzutreiben, wenn man es dann will. Bis dahin oder auch länger bleibt es bei Wetter, Münchhausen und Lahntal.

Von Götz Schaub

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