Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Fokus liegt auf den Ortskernen
Landkreis Nordkreis Fokus liegt auf den Ortskernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:57 13.08.2020
Münchhausens Bürgermeister Peter Funk (Mitte) nimmt gleich zwei Bescheide entgegen: einen Anerkennungsbescheid von Staatsministerin Priska Hinz für die Aufnahme ins hessische Dorfentwicklungsprogramm und vom Kreisbeigeordneten Manfred Hoim einen Förderbescheid über mehr als 18.000 Euro für die Sanierung der Fassade des Wollmarer Bürgerhauses. Quelle: Stefan Weisbrod
Anzeige
Wollmar

Noch rund drei Jahre lang rollen täglich tausende Fahrzeuge durch Münchhausen und Simtshausen. Stand jetzt soll die gesamte B252-Ortsumgehung im Jahr 2024 fertiggestellt sein, der Nordteil bereits 2023, die Kerngemeinde und der südliche Ortsteil dann vom Verkehr entlastet werden.

„Dann geht’s um die Innenentwicklung“, sagte Peter Funk am Mittwoch, 12. August, im Wollmarer Bürgerhaus. Münchhausens Bürgermeister hatte Priska Hinz zu Gast.

Anzeige

Die Hessische Staatsministerin hatte zwar kein Geld dabei, dafür aber einen Anerkennungsbescheid: Durch die Aufnahme ins hessische Dorfentwicklungsprogramm winken der Gemeinde künftig hohe Förderungen.

Der Bau der Ortsumgehung war die Hauptmotivation, sich für das Förderprogramm zu bewerben, erklärten Funk und Bauamtsleiter Holger Siemon, nachdem sie ihren Dank für die Aufnahme – als einzige Kommune im Landkreis Marburg-Biedenkopf – ausgedrückt hatten.

Mehr Verkehr durch B252-Anbindung

Ein Ziel sei es, das Umfeld der derzeitigen Durchgangsstraßen aufzuwerten. Der Rückbau der bisherigen Bundesstraße selbst ist Sache des Bundes. „Es geht darum, die Ortskerne attraktiver zu gestalten und wiederzubeleben“, machte Funk deutlich und sprach auch an, dass es in der Kerngemeinde keinen Lebensmittelladen mehr gibt.

Die neue Straße werde aber auch Auswirkungen auf die Ortsteile Nieder- und Oberasphe haben, in denen künftig durch die Anbindung an die neue Bundesstraße 252 mit mehr Verkehr zu rechnen sei: Dort gehe es vor allem darum, die Bereiche um die Straßen attraktiver und möglichst zugleich verkehrsberuhigend zu gestalten.

Maximal zwei Jahre Zeit

Wie das Geschehen soll, muss innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren in der Konzeptphase erarbeitet werden. Lokale Politik und Verwaltung müssen in diesem Zeitraum die Ausgangslage analysieren, eine kommunale Gesamtstrategie auf der Grundlage eines integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (Ikek) und schließlich konkrete Projekte entwickeln.

Dabei werden sie von einem Planungsbüro unterstützt. Für diese Projekte – die ausdrücklich nicht alle zwingend im Zusammenhang mit dem Straßenbau stehen müssen – kann die Gemeinde anschließend Förderanträge stellen, wie Stefanie Auer vom Fachteam Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises Marburg-Biedenkopf erläuterte.

Die geförderten Projekte sollen dann innerhalb von etwa sechs Jahren umgesetzt werden. Die Förderung könne bis zu 90 Prozent betragen – 15 Prozent mehr, als das Land ansonsten bei kommunalen Projekten der Daseinsvorsorge, Innenentwicklung und Infrastruktur übernimmt. Eine Deckelung, also eine maximale Gesamtsumme für die Förderung, gebe es nach aktuellem Stand nicht.

Ministerin will ländlichen Raum attraktiver machen

Aber auch Privatpersonen können Förderungen beantragen, wie Siemon erläuterte: „Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude hat, kann das sofort tun.“ Für andere Gebäude sei dies nach der Konzeptphase möglich. Im Gegensatz zum früheren Dorferneuerungsprogramm, das alle fünf Ortsteile der Gemeinde bereits durchlaufen haben, geht es dabei nicht nur um die Erhaltung und Erneuerung von älteren Gebäuden, wie Funk mitteilte: „Es kann auch gefördert werden, wenn etwas Altes durch etwas Neues ersetzt wird.“

„Der ländliche Raum ist für viele Menschen zum Leben und zum Arbeiten attraktiv“, sagte Ministerin Hinz im Rahmen der Übergabe einer Urkunde an Bürgermeister Funk. Ziel des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der gesamten Landesregierung sei es, „die Attraktivität noch weiter zu steigern“. Die Kommunen sollten sich fragen, „wie sie sich gemeinsam weiterentwickeln und wo sie in 20 bis 30 Jahren stehen wollen“, sagte sie. „Darauf sollten die Projekte im Rahmen der Dorfentwicklung ausgerichtet sein.“

Förderung für Bürgerhaus-Fassade

Einen Förderbescheid über 18.418 Euro hat Kreisbeigeordneter Manfred Hoim im Rahmen des Termins mit Staatsministerin Priska Hinz an Münchhausens Bürgermeister Peter Funk übergeben. Mit dem Geld unterstützt das Land Hessen die Neugestaltung des Wollmarer Bürgerhauses, das in den vergangenen Jahren schon für rund 900.000 Euro erneuert wurde.

„Wir sind als Landkreis in diesem Fall also nur Überbringer des Geldes“, sagte Hoim und freute sich, dass das Gemeinschaftshaus – in normalen Zeiten, nicht während der Corona-Pandemie – regelmäßig genutzt wird. Er sprach von einem „zentralen Punkt des Zusammenlebens im Dorf“.

Von Stefan Weisbrod

11.08.2020
11.08.2020
09.08.2020