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Nordkreis Für ein Europa ohne Grenzen – auch im Kopf
Landkreis Nordkreis Für ein Europa ohne Grenzen – auch im Kopf
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15:28 17.08.2021
Das Graffiti-Wandbild am Hochbehälter in Cölbe ist ein weiteres Werk des polnischen Künstlers Pawel Bruski. Dieses Mal halfen zehn Jugendliche aus Cölbe mit. Und wieder ist das Thema die Einigkeit Europas.
Das Graffiti-Wandbild am Hochbehälter in Cölbe ist ein weiteres Werk des polnischen Künstlers Pawel Bruski. Dieses Mal halfen zehn Jugendliche aus Cölbe mit. Und wieder ist das Thema die Einigkeit Europas. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Cölbe

„Misch mit“. Eine klare Aufforderung, der in Cölbe zehn Jugendliche mit polnischen Wurzeln in der Familie gleich zweifach nachkamen. Zum einen unterstützten sie den polnischen Graffiti-Künstler Pawel Bruski aus der Cölber Partnergemeinde Koscierzyna beim Anfertigen eines weiteren Wandbildes am Wasserhochbehälter, zum anderen engagierten sie sich in einem politischen Workshop, um zu erfahren, wie Kommunalpolitik vor Ort funktioniert, was sie selbst machen können, um Dinge in ihrem Wohnumfeld aktiv mitgestalten zu können.

Unter dem Titel „Gemeinsam für Europa“ wurde das Vorhaben des Partnerschaftsvereins Cölbe-Koscierzyna von der Gemeinde Cölbe unterstützt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert.

Mit Begeisterung beim politischen Workshop

Aga Sauerwald, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, und Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried zogen eine überaus positive Bilanz. Dass die Jugendlichen sich freuten, dem Graffiti-Künstler bei seinem Großvorhaben helfen zu dürfen, hat sie nicht so sehr überrascht. Dass sie aber auch im Workshop so intensiv und aktiv mitarbeiten würden, freute sie dann umso mehr.

„Politik ist für Jugendliche doch erst einmal nicht das wichtigste Thema, aber wenn sie sehen, was man in der Kommunalpolitik für Möglichkeiten hat, sein Wohnumfeld mitzugestalten, dann weckt das Interesse“, sagt Aga Sauerwald. Ried war es wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, wie Bürgerbeteiligung funktioniert, wie Jugendliche selbst ihre Bedürfnisse zur Kenntnis bringen können. Ein konkreter Wunsch nach einem Basketballfeld wurde da dann auch geäußert.

So ging das Vorhaben, den Jugendlichen die Teilhabe, die politische Partizipation zu ermöglichen, voll auf. Unter dem Titel „Misch mit“ sollten die Jugendlichen, die familiär zwischen zwei Ländern stehen, lernen, dass sie in ihrem Wohnort genauso mitreden können wie alle anderen auch. Dass sie keine Angst haben müssen, sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Geschehen zu beteiligen.

Das Kunstwerk mitgestalten zu dürfen, war natürlich der Hit für die Jugendlichen. Dabei stellten sie sehr schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, „richtig“ zu sprühen. Wie schon beim Wandbild an der Sporthalle in Cölbe ist auch am Wasserhochbehälter kein Pinsel zum Einsatz gekommen.

Künstler Bruski, der mit den Jugendlichen polnisch sprach, weckte schnell deren Ehrgeiz, und so gelang es ihnen nach eifriger Übung, die Gräser und die Blätter der Bäume so hinzubekommen, wie es sich der Künstler vorstellte. Der Lohn: Ihre Vornamen sind auf dem Bild verewigt.

Das Motiv sollte zwei Aspekte erfüllen, sich einmal in die reale Gegend einpassen, zum anderen aber auch eine klare Botschaft transportieren, die Idee von einem geeinten Europa präsentieren. Dafür gibt es in Cölbe aufgrund der 30-jährigen Partnerschaft mit Koscierzyna ausreichend Ansatzpunkte. Und so entstand die Idee des deutsch-polnischen Liebespaares, vereint unter dem Regenschirm, der die Flagge der Europäischen Union symbolisiert. Gerne dürfen in die beiden Graffiti-Menschen real lebende Personen aus Cölbe hineininterpretiert werden.

Aga Sauerwald, selbst gebürtige Polin, engagiert sich übrigens nun auch aktiv in der Kommunalpolitik als Fraktionsmitglied der Bürgerliste im Cölber Parlament und im Ortsbeirat Cölbe. Sie dankt Bürgermeister Ried für die viele Zeit, die er den Jugendlichen widmete, sowie auch dem Ehepaar Glänzer aus Cölbe, das den polnischen Künstler immer wieder liebevoll mit diversen kulinarischen Aufmerksamkeiten versorgte, während er an seinem Bild arbeitete. Auch solche Gesten zeigen, wie Zusammenleben gestaltet werden kann, sagt Sauerwald.

Von Götz Schaub

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