Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Gottesdienst befasst sich mit Gewalt
Landkreis Nordkreis Gottesdienst befasst sich mit Gewalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 05.11.2021
Den Krimi-Gottesdienst organisiert haben Petra Braun (von links), Symone Kaiser, Gertraud Lenz, Ingrid Dönges und Martina Gücker mit den Kolleginnen vom Ausschuss für Frauenarbeit.
Den Krimi-Gottesdienst organisiert haben Petra Braun (von links), Symone Kaiser, Gertraud Lenz, Ingrid Dönges und Martina Gücker mit den Kolleginnen vom Ausschuss für Frauenarbeit. Quelle: Foto: Ina Tannert
Anzeige
Wetter

Mord, Totschlag, Verbrechen – darum geht es in jedem Krimi. Bestes Beispiel: Tatort. Doch nicht nur die TV-Klassiker sind voll von krimineller Energie und Gewalttätern. Auch in der Realität sind brutale Auseinandersetzungen in der Welt an der Tagesordnung. Selbst das Alte Testament strotzt vor Geschichten über Macht und Gewalt. Das war, ist und bleibt aktuell – und das steht am Sonntag in einem Krimi-Frauengottesdienst in der Stiftskirche in Wetter im Fokus.

Es ist ein schweres Thema, das sich der Ausschuss für Frauenarbeit im Kirchenkreis Kirchhain für ihren Gottesdienst gewählt hat. Die Gruppe koordiniert die Frauenarbeit im Kirchenkreis und organisiert jedes Jahr einen eigenen Frauengottesdienst zu wechselnden Themen. Dieses Mal legen die Frauen das Augenmerk auf Gewalt, auf Krieg und auf Macht, die von Frauen ausgeübt wird.

Der Titel des Gottesdienstes lautet „In den Tagen Jaels“. Dies bezieht sich auf die biblische Erzählung aus dem Buch der Richter des Alten Testaments um die Richterin Deborah, die Frau Jael und den Feldherrn Sisera in der Frühzeit Israels. Eine Geschichte voller Brutalität, Macht und Rache.

Der Militärführer Sisera gilt als Feind des Volkes Israels, der Geschichte nach flieht er nach verlorener Schlacht in das Zelt von Jael, die ihn erst aufnimmt, dann jedoch tötet. Deborah, sowohl Richterin von Israel wie Prophetin, besingt danach ihre Tat: „Gesegnet ist Jael, vor allen Frauen sei sie gesegnet! Sie […] hat die Macht der Unterdrücker zerstört!“

Grund für Jaels Tat ist der erhoffte Frieden. Sie dachte wohl an jene Menschen, die wegen Sisera grausam starben, an die vielen Frauen, die von seinem Heer während der Plünderung israelitischer Siedlungen vergewaltigt wurden. Sie wollte etwas verändern, dabei nicht auf den militärischen Gegenspieler Barak warten, dessen Sieg wohl ebenfalls in Plündern und Morden gipfeln würde. Also nahm sie die Sache selber in die Hand.

Und sie geht als Heldin aus der Geschichte hervor, in der heißt es weiter: „Und Israel konnte sich vierzig Jahre lang erholen.“ Der endgültige Sieg über den grausamen Militärführer wurde also von einer Frau vollführt. Auf die gewaltsame Tat folgt der Frieden.

Aber ist diese damit gerechtfertigt? „Es stellt sich hier die Frage, ob Gewalt mit Gewalt beendet werden kann“, stellt Symone Kaiser vom Ausschuss eines der zentralen Themen in den Raum. Ist auf diesem Weg überhaupt Frieden möglich? Und wie gehen Frauen mit Macht um? Auch das wird im Krimi-Gottesdienst thematisiert.

Tatort-Film im Gottesdienst

Zudem wird der Gemeinde eine kirchliche Tatort-Produktion gezeigt, welche die Geschichte der Deborah aufgreift, über die Kriminalgeschichte die Motive der Jael beleuchtet und im Wechsel mit Passagen aus dem Text der Richter Parallelen zur heutigen Zeit zieht. Etwa dem Krieg in Afghanistan.

Das Ziel der Ausschussmitglieder ist die Auseinandersetzung mit dem sensiblen Thema. Sie wollen nicht nur Gewalttaten, sondern auch Hintergründe beleuchten. „Natürlich kann Gewalt nicht mit Gewalt beendet werden, diese entsteht aber oft aus bestimmten Gründen“, sagt Martina Gücker, die gemeinsam mit Ingrid Dönges den Vorsitz im Ausschuss inne hat. Etwa durch eigene Gewalterfahrungen oder weil die Täterin keinen anderen Ausweg sieht.

So wie in der Geschichte der Jael. Wie viele Erzählungen im Alten Testament. Die Frauen erinnern in dem Zusammenhang daher auch an das Neue Testament, an die Botschaft von Liebe und Vergebung, die im krassen Kontrast dazu steht. Die Predigt an dem Abend hält Pfarrerin Wilma Ruppert-Golin. Die Kollekte geht an die Jugendkonflikthilfe Marburg, die Jugendlichen Strategien aufzeigt, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.

Der Ausschuss für Frauenarbeit ist ein Synodalausschuss, in dem zehn Frauen aus verschiedenen Kirchengemeinden, darunter drei Pfarrerinnen, in haupt- und ehrenamtlicher Mischung mitarbeiten. Sie sind Teil eines weiten Netzwerks der Kirchenkreise und bringen sich, unterstützt vom Dekanat, in die Arbeit des Kirchenkreises Kirchhain mit ein.

Der Krimi-Frauengottesdienst mit dem Titel „In den Tagen Jaels“ findet am Sonntag ab 17 Uhr in der Stiftskirche in Wetter statt. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln, es gilt die Abstandspflicht, bis zum Platz und auch beim Singen herrscht außerdem Maskenpflicht. Kontakt zum Frauenausschuss gibt es per E-Mail über Frauenarbeit.Kirchhain@ekkw.de.

Von Ina Tannert