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Nordkreis Tote Bäume werden zur Gefahr
Landkreis Nordkreis Tote Bäume werden zur Gefahr
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14:35 09.09.2019
Jörg Reinl (links) und Arno Süssmann inmitten einer frisch geschlagenen Lichtung. Hier hatte der Borkenkäfer sich über Fichten hergemacht. Quelle: Dominic Heitz
Sterzhausen

Manche Bäume sterben von oben nach unten. Zuerst werden die Wipfel welk. Wenige Monate später sind sie verdurstet und kahl. Hat das Sterben erst begonnen, ist es zu spät. „Dann können Sie soviel Wasser kippen, wie Sie wollen, es nutzt nichts mehr“, sagt Jörg Reinl. Es hätte einfach mehr regnen müssen.

Der Revierleiter im Forstrevier Lahntal kennt sich aus mit toten Bäumen. Er betreut für das Land Hessen nicht nur Flora und Fauna in seinem Revier, sondern ­arbeitet als Sonderbeauftragter für Verkehrssicherung. Reinl wird beispielsweise gerufen, wenn ein Försterkollege sich nicht sicher ist, wie er mit einem kranken Baum umgehen soll. So manch alter Bursche ist ein Naturdenkmal. Geht es einem solchen Baum schlecht, ist die Motor­säge die letzte Lösung.

Deshalb klingelt derzeit bei Jörg Reinl im Sterzhäuser Forsthaus häufig das Telefon. Buchen vertrocknen. Fichten und Lärchen sind zu schwach, um sich gegen den Borkenkäfer zu wehren. Kiefern sterben an Pilz­befall. Für eine starke Kiefer ist der Pilz ungefährlich. Aber weil die vergangenen Sommer sehr trocken waren, sind viele Bäume nicht mehr stark genug.

Maschinen zerquetschen die Larven der Käfer

Wenn Förster wie Jörg Reinl ihre Reviere durchstreifen, schauen sie mit Sorge in die Kronen. Viel machen können sie nicht. Beim Borkenkäfer versuchen sie, früh die Bäume zu erkennen, in die das Insekt seine Larven gelegt hat. Solche Bäume werden schnellstmöglich gefällt, mit sogenannten Harvestern. Diese riesigen Maschinen zerquetschen mit Rollen die Larven der Käfer unter der Rinde. Gegen Pilz und Durst helfen die Ernter aber nicht.

Die Waldarbeiter haben derzeit alle Hände voll zu tun. Das Holz muss aufgearbeitet werden, sobald der Baum tot ist. Der Markt sei überschwemmt, sagt Arno Süssmann, stellvertretender Leiter des Forstamtes Burgwald. Die Preise seien im Keller. Wie hoch der Wertverlust in den Wälder ist, kann er nicht beziffern. Doch ihm ist klar, dass es sich um enorme Summen handelt. Geld, dass der öffentlichen Hand verlorengeht, wie zum Beispiel auf dem Wollenberg.

Jüngst mussten die Holzfäller dort Fichten fällen, die von Borkenkäfern befallen waren. 1.300 Kubikmeter Holz liegen auf der Anhöhe. Die Bäume waren noch jung. In einigen Jahrzehnten hätten sie viel mehr Holz gegeben. Auch das ist eine Form des Wertverlustes, den Reinl und Süssmann beklagen.

Weil derzeit soviel Holz schnell aus dem Wald muss, ist den Förstern ein neues Problem erwachsen: Mangels Arbeitskraft können sie nicht überall gleichzeitig ihrer Pflicht zur Verkehrssicherung nachkommen. Spaziergänger, Pilzsucher und andere Waldbesucher könnten von herabstürzenden Ästen ­verletzt werden, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort unterwegs sind.

Hessenforst warnt die Kommunen

Und dann sind da ja auch noch die Kinder. In so mancher Gemeinde gibt es einen Waldkindergarten oder gehört der Waldausflug zum festen Kita-Programm. Dass die Mädchen und Jungen unter abgebrochenen Ästen spielen, die nur noch locker im Baum hängen und beim kleinsten Windstoß herunterzufallen drohen, bereitet den Forstämtern Kopfzerbrechen.

Arno Süssmann hat deshalb die Träger solcher Einrichtungen angeschrieben, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Die waldtypischen Gefahren, schreibt er, seien größer geworden. Besonders auf sterbende Buchen solle man achten. Trockene Äste oder Teile der gesamten Krone könnten abbrechen. Dazu müsse es nicht mal windig sein. Deshalb sollen Kinder nur abseits von kranken oder toten Bäumen spielen.

Derzeit konzentriere sich Hessenforst auf die Gefahren entlang von Straßen, auf Parkplätzen und an Erholungseinrichtungen im Wald, schreibt Süssmann den Kommunen. Aber im Wald und an den Waldwegen könne und müsse das Forstamt die Gefahren nicht beseitigen.

von Dominic Heitz