Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Fischdiebe räumen Teiche leer
Landkreis Nordkreis Fischdiebe räumen Teiche leer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:25 30.07.2021
Hans-Werner Marahrens steht an einem seiner Teiche in Münchhausen, aus dem Diebe rund 100 Fische stahlen.
Hans-Werner Marahrens steht an einem seiner Teiche in Münchhausen, aus dem Diebe rund 100 Fische stahlen. Quelle: Foto: Ina Tannert
Anzeige
Münchhausen

Kopfschüttelnd steht Hans-Werner Marahrens an einem seiner Fischteiche, in dem kaum noch Leben ist. Dort schwammen bis vor Kurzem noch Dutzende junge Forellen, die eigentlich bei ihm aufwachsen sollten. Doch vor zwei Wochen brachen dreiste Diebe auf sein Grundstück ein und stahlen rund 100 Tiere.

Das Gelände an der Bundesstraße 252 ist eigentlich mit einem hohen Maschendrahtzaun gesichert, samt Stacheldraht-Krone. Die drückten die Täter laut Polizeibericht herunter, zerstörten den Zaun, indem sie das Metall durchknipsten, um an die Teiche zu gelangen, wo sie ebenfalls Umzäunung und Netze kappten und rund 100 Forellen aus dem Wasser fischten. Darunter junge Tiere, aber auch ausgewachsene mit entsprechender Größe, fast den gesamten noch verbliebenen Bestand.

„Es ist nur noch ein kleiner Rest da, das war es dann wieder für dieses Jahr“, ärgert sich Hans-Werner Marahrens. Der Fisch-Diebstahl war nicht der erste, den er verkraften musste. Ende Juni wurde schon einmal bei ihm eingebrochen, da stahlen die Diebe einige Saiblinge und Forellen. Drei Wochen danach dann der nächste Einbruch. Insgesamt fünf Mal seien bei ihm in den vergangenen Jahren Fische gestohlen worden.

Diebstahlschutz bei Züchtern zieht an

Das macht ihm und seiner Ehefrau schwer zu schaffen. Das Paar aus Lahntal hat die Teiche seit sieben Jahren gepachtet, zieht dort jedes Jahr einige Fische auf und verkauft sie, jedoch nicht im großen Stil, sondern eher aus Freude am Hobby. Jedes Mal reparieren sie die Schäden – ob sie das noch lange mitmachen, sei offen, „man ist einfach unglaublich wütend, das waren meine Lieblinge“, ärgert sich Angelika Marahrens.

Sie befürchtet, dass die Tiere auch nicht fachgerecht getötet wurden, das mache ihr am meisten Sorge. Wie genau die Diebe sie aus dem Teich holten und abtransportierten, steht nicht genau fest. Hans-Werner Marahrens vermutet anhand von Spuren, dass es zuletzt mehrere Täter waren, die über die Gleise kamen und an einer schwer einsehbaren Stelle zuschlugen. Der jüngste Vorfall wiege dabei deutlich schwerer, „beim ersten Mal waren das dumme Jungs, beim zweiten Mal sind die brachialer vorgegangen“. Er werde nun Konsequenzen ziehen und die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Grundstück erhöhen. Noch einmal will das Paar einen Einbruch nicht erleben müssen.

Seine Teiche sind nicht die einzigen in Münchhausen, wo es auch noch eine richtige Fischzucht gibt. Die größte besitzt Thomas Bösser, der Forellen hält. So viele, dass es wohl nicht sofort auffallen würde, wenn einige Dutzend fehlen würden. Doch von größeren Raubzügen sei er bisher verschont geblieben, berichtet er auf OP-Nachfrage. Dass es solche aber im ganzen Land immer wieder gibt, das sei unter Züchtern bekannt.

Es gebe durchaus professionelle Banden, „die klauen große Mengen, das kommt immer wieder vor und ist katastrophal“, ärgert sich Bösser. Die Vorsicht und Abwehrmaßnahmen der Züchter hätten in den letzten Jahren zugenommen, „ich passe sehr auf bei meinen Teichen, das muss man heute auch“. Nicht nur die Nachbarn, auch seine Hunde sorgen für Schutz, außerdem hängen Kameras auf dem Gelände.

Von einem Raubzug betroffen war vor einigen Jahren auch Rudolf Heck, der die Forellenzucht Münchhausen betreibt. Fischdiebe stahlen ihm damals einen Teil des Bestandes, „das war eine professionelle Bande, die haben auch den Zaun kaputt gemacht“, erinnert sich Heck noch. Das war, bevor er und seine Familie direkt an der Teichanlage wohnten. Das schreckt ab, seitdem werden sie verschont.

Diebe schlagen auch in Weimar zu

Ein weiterer Fall ereignete sich erst vor wenigen Tagen auch im Südkreis, an den Fischteichen an der Hauptstraße zwischen Oberweimar und Kehna. Dort klauten unbekannte Täter mindestens 70 Forellen. Das Vorgehen war ähnlich – ein eineinhalb Meter hoher Maschendrahtzaun wurde heruntergedrückt, so kamen die Diebe auf das Gelände. Dann lockten sie die Fische wohl mit Futter aus dem Gartenhaus an und holten sie aus dem Wasser.

Dass es in nur wenigen Wochen zu mehreren Fisch-Diebstählen im Kreis kam, ist auch für die Polizei auffällig: „Wir haben schon immer mal Fischdiebe gehabt, aber tatsächlich ist es ungewöhnlich, dass die letzten beiden Fälle so kurz hintereinander stattgefunden haben“, teilt Martin Ahlich, Pressesprecher der Polizei Marburg, mit. Auch die große Entfernung zwischen beiden Orten sei untypisch. Ob ein Zusammenhang besteht, ist Teil der laufenden Ermittlungen.

Der Diebstahl in Münchhausen fand zwischen dem 17. und 19. Juli statt, der in Weimar am 25. oder 26. Juli. Die Polizei sucht Zeugen und nimmt Hinweise unter 0 64 21 / 40 60 entgegen.

Von Ina Tannert

Nordkreis OP-Serie „Sagen, Märchen und Legenden“ - Ubbelohde-Zeichnungen regen Fantasie an
12.08.2021
30.07.2021