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Nordkreis Gefahr von oben: Greifvogel
Landkreis Nordkreis Gefahr von oben: Greifvogel
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00:18 11.06.2019
Warnschilder zwischen Allna und Friebertshausen machen auf die Gefahr von oben aufmerksam. Quelle: Thorsten Richter
Allna

Der 68-jährige Marburger war am Dienstagnachmittag gemeinsam mit seiner Frau auf Fahrrädern unterwegs Richtung Fronhausen. Die Eheleute wollten dort Freunde besuchen. Der Marburger fuhr auf seinem Rad auf der Straße zwischen Allna und Friebertshausen. Seine Frau sei einige hundert Meter hinter ihm gewesen, erzählt er.

Aus dem Nichts bekommt der Mann plötzlich einen Schlag auf den Radhelm. „Mir war sofort klar, dass es der Greifvogel ist“, sagt der Marburger. Er sei dann schneller gefahren und habe versucht, die Gefahrenzone so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

"Ein Riesenteil"

Doch der Vogel greift den Mann ein zweites Mal an, lautlos, mit voller Wucht. Diesmal weicht der 68-Jährige aus, duckt sich unter dem Angriff weg. Jetzt sieht er das Tier. „Ein Riesenteil“, sagt er. Als der Vogel sich ein drittes Mal auf ihn stürzt, sieht der Mann rechtzeitig den Schatten des Raubtieres. Er weicht mit seinem Rad in den Graben aus und rollt sich dort ab. Jetzt will er seine Gattin warnen, die er einige Minuten hinter sich wähnt.

Er versucht sie anzurufen, doch ihr Mobiltelefon ist ausgeschaltet. Kurz darauf hört der 68-Jährige seine Frau in einiger Entfernung schreien. Auch sie hatte Bekanntschaft mit dem gefiederten Wüterich gemacht. Den beiden Marburger Radfahrern ist nichts weiter passiert, sie kommen mit einem Schrecken davon. Das hätte aber auch ganz anders ausgehen können, wie Professor Martin Kraft vom Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie erklärt.

Denn der Angriff eines Greifvogels könne gerade am Kopf erhebliche Verletzungen nach sich ziehen. Kraft vermutet, dass es sich bei dem aggressiven Vogel in der Nähe von Allna um einen Mäusebussard handelt. Er glaubt, dass ein Paar derzeit Nachwuchs in der Nähe der Straße aufzieht. Kommt dann ein Mensch in das Revier der Vögel, fühlen sich die Tiere manchmal bedroht.

Vor allem Radfahrer und Jogger werden laut Kraft von den Vögeln als gefährlich empfunden, weil die sich schnell bewegen. Das Ordnungsamt der Gemeinde Weimar hat Warnschilder aufgestellt, „Greifvogel attackiert“, steht darauf. Der 68-jährige Radfahrer fragt sich aber, wie er sich hätte verhalten können, um den Vogel nicht zu provozieren. Martin Kraft sagt, dass man zurzeit die Strecke zwischen den beiden Orten einfach meiden sollte.

Rat: Vom Rad steigen und langsam gehen

Wer aber dennoch dort entlang will, sollte am besten vom Rad steigen und langsam gehen. Je ruhiger sich der Mensch verhalte, desto weniger gefährlich wirke er auf den Greifvogel. Greift das Tier aber an, hebe man am besten einen Arm über den Kopf, so Kraft. „Der Vogel geht immer auf den höchsten Punkt.“ Auch einen Schirm oder einen Stock in die Höhe zu recken, könne Verletzungen am eigenen Kopf verhindern.

Mäusebussarde seien sehr standorttreu, sagt Kraft. Soll heißen, haben sie einmal erfolgreich Nachwuchs an einem Ort aufgezogen, werden sie es wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder dort versuchen. Männchen und Weibchen kümmern sich gemeinsam um die Brut.

Ob auch beide Geschlechter zu Angriffen auf Radfahrer neigen, sei nicht sicher, so Kraft. Es hänge vor allem vom Charakter des einzelnen Tieres ab. Der Greifvogel bei Allna scheint jedenfalls keine Angst davor zu haben, sich mit größeren Lebewesen anzulegen, wenn es um die Sicherheit des eigenen Nestes geht.

von Dominic Heitz