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Nordkreis Es geht um 200 Quadratmeter
Landkreis Nordkreis Es geht um 200 Quadratmeter
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15:58 28.05.2021
Die brach liegende Baustelle am Haus am Wollenberg im Juli 2020.
Die brach liegende Baustelle am Haus am Wollenberg im Juli 2020. Quelle: Ina Tannert
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Goßfelden

Eine außergewöhnliche, schon denkwürdige Mammutsitzung haben die Parlamentarier der Lahntaler Gemeindevertretung am Mittwoch hinter sich gebracht. Es brauchte so einige emotionale Debatten, mehrere Sitzungsunterbrechungen und die maximal erlaubte Sitzungszeit, um wichtige Entscheidungen für die nächsten Jahrzehnte treffen zu können. Für alle Tagesordnungspunkte reichten drei Stunden dennoch nicht, der ungewohnt turbulente Ablauf war schon fast ein Novum für Lahntal, wie sowohl neue Mitglieder wie „alte Hasen“ überrascht feststellten.

Dabei durchaus angebracht, waren es doch gleich mehrere maßgebliche Beschlüsse, die zu fassen waren. Allen voran zur Zukunft des Hauses am Wollenberg in Sterzhausen. Untrennbar damit verbunden ist die Bundesförderung einer Drei-Felder-Halle, die ebenfalls auf der Tagesordnung stand.

Bürgerhaus-Variante und Platz für Schulsport

Die Reibungspunkte sind bekannt: Wenn Lahntal eine neue Kultur- und Sporthalle in Goßfelden baut und dafür drei Millionen Fördergelder erhalten sollte – noch ist der Förderbescheid nicht gesichert –, dann müssten beide Sporthallen in Goßfelden wie Sterzhausen in ihrer jetzigen Funktion weichen. Wie genau nun speziell für Sterzhausen ein Rückbau erreicht und dennoch ein möglichst vielseitig nutzbares „erweitertes Bürgerhaus“ entstehen kann, daran scheiden sich die Geister.

Der Gemeindevorstand setzt in der aktuellen Planung auf die Bürgerhaus-Variante plus 200 Quadratmeter für den Schulsport. Dann gibt es noch den Vorschlag des Elternbeirats, der unter anderem eine größere Fläche vorsieht und bei vielen Sterzhäusern auf Zustimmung stößt.

Krippe in Modulbauweise soll kommen

Bei dieser Alternative schätzt die Gemeinde, dass die Pläne sich nicht mit den Förderrichtlinien vertragen. Wie viel Spielraum für Kompromisse es gibt, ist mit absoluter Sicherheit noch nicht zu sagen. Die CDU kritisierte im Parlament erneut, dass die Gemeinde andere Sanierungsvarianten nicht mehr in Betracht ziehen würde, zudem fehle der Fraktion eine klare Kostenaufstellung, so Fraktionsvorsitzender Michael Nies.

Auch die Grünen schauen auf die Kosten und sehen noch andere „offene Fragen“, wie Michael Meinel hervor hob. Diese gelte es zu klären, die Fraktion sprach sich dabei für den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters aus. Ebenso die Bürgerliste, die bei der anderen Bau-Variante ein „zu großes Risiko“ befürchtet, teilte Carsten Laukel mit, der sich für die Stellungnahme als Vorsitzender der Gemeindevertretung vertreten ließ. Zumal der aktuelle Vorschlag noch Raum für Ideen aus dem Elternbeirat lasse.

Geißler: „Zwei Orte müssen bedacht werden“

Das sieht Dirk Geißler nicht so, der sich als Einzelperson - nicht für die SPD-Fraktion, aus der er mittlerweile ausgetreten ist - mit einem Änderungsantrag dafür einsetzte, den Beschlussvorschlag durch eine Prüfung der Variante des Elternbeirats zu ergänzen: Zwischen beiden liegt die Hallengröße, „zwischen 200 und 400 Quadratmeter, darum geht es – diese Frage ist noch immer nicht beantwortet“, so Geißler. Er betonte, dass beide Orte bedacht werden müssten, „wir können hier (in Goßfelden) keinen Palast errichten und in Sterzhausen eine Ruine hinterlassen“.

Andere widersprachen diesem Bild vehement, ebenso der Bürgermeister, der hervorhob, dass es bei dem geplanten Umbau um eine Aufwertung des Bürgerhauses gehe, der Vorschlag bereits „ein guter Kompromiss“ sei. Seiner Meinung nach seien die Förderrichtlinien „relativ eindeutig“. Manfred Apell betonte erneut, dass der mit dem Beschluss angestrebte Auftrag für die Planungsfirma nicht der letzte zu dem Thema sein werde – sobald eine detailliertere Kostenkalkulation aufgestellt sei, werde die dem Parlament erneut vorgelegt.

Es bleibt der Vorschlag des Bürgermeisters

Der Änderungsantrag wurde mehrheitlich abgelehnt, nur die CDU und manche Vertreter der Fraktion der Grünen stimmten dafür. Somit bleibt es beim bisherigen Vorschlag des Bürgermeisters: Dieser wurde bei 19 Jastimmen, fünf Neinstimmen und fünf Enthaltungen angenommen.

Daran angeschlossen entschied sich das Parlament dann auch einstimmig dazu, das Angebot zur Förderung der neuen Halle durch die Bundesregierung offiziell anzunehmen. Auch der nächste Schritt, neben dem Haus am Wollenberg eine neue Krippe in Modulbauweise zu errichten, wurde einstimmig beschlossen. Diese könnte bereits bis August 2022 fertig sein.

Die Gemeindevertretersitzung wird am Montag (31. Mai) um 20 Uhr in der Lahnfelshalle fortgesetzt, um die restlichen Tagesordnungspunkte zu besprechen.

Von Ina Tannert

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