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Nordkreis Ein Hilferuf nach Klopapier
Landkreis Nordkreis Ein Hilferuf nach Klopapier
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15:00 07.04.2020
Ein Teil des Teams im Pflegeheim Rosenthal: Dort herrscht große Freude über das gespendete Toilettenpapier. Foto: privat Quelle: privat
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Wetter

Alle Welt redet in Corona-Zeiten über Mundschutzmasken, über Desinfektionsmittel, Kittel, über Schutzausrüstung generell für den medizinischen und pflegerischen Gebrauch. Dringend benötigte Utensilien in Kliniken und Pflegeheimen.

Auch über Klopapier redet die Welt, nur eher selten in eben diesem Zusammenhang. Wohl nie zuvor gab es dermaßen viele Witze, Bilder, Videos und – zugegeben, viele wirklich komische – Sprüche rund um die flauschigen Rollen, über Klopapier hortende Menschen und leer gehamsterte Supermarktregale.

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Das kann aber auch zum Teufelskreis werden: Die einen horten aus einer gewissen Panik heraus, die anderen ärgern sich darüber, horten aber mit, aus Sorge vor einem durch die Panik-Käufer entstehenden Mangel. Beides kommt aufs Gleiche raus – gähnende Leere in Regalen. Privatleute, Einzelhändler, aber auch Großhändler sind davon betroffen. Das kann zu einem Mangel im professionellen Betrieb – etwa in Pflegeeinrichtungen – führen, die auf Nachschub in großen Mengen angewiesen sind.

Kritisch wurde das mit dem Nachschub nun langsam auch für die vier Pflegeeinrichtungen des St. Elisabeth-Vereins Marburg, der eine kuriose Hilfsaktion initiierte und kurzerhand am Freitag bei Facebook einen Aufruf startete:

Der Aufruf auf Facebook:

 „Unsere Ressourcen an Toilettenpapier in den Einrichtungen reichen noch für eine Woche. Alle Unternehmen, die wir bisher kontaktiert haben, können uns keinen Nachschub liefern“, berichtet der Verein und ruft um Hilfe für die Versorgung seiner 160 Bewohner in den vier Altenpflege-Einrichtungen, darunter die in Wetter und Sterzhausen.

Besitzer von Klopapier werden gesucht und gebeten, die „Spenden“ in bereitgestellte Behälter vor den Pflegeheimen zu stellen. Wegen des Coronavirus herrscht dort ja ein Betretungsverbot. Für die flauschige Unterstützung würde man auch zahlen, teilt Oliver Pappert, Geschäftsbereichsleiter Stationäre Altenhilfe des Vereins, über Facebook mit.

Wenn der Großhändler also gerade nicht kann, hilft die Netz-Community spontan aus? In diesem Fall durchaus – denn der Hilferuf der Pflegeleitung stieß auf große Resonanz, zahlreiche Menschen reagierten, spendeten unzählige Packungen an Klopapier für die Senioren in den stationären Einrichtungen, die Spendenkisten füllten sich innerhalb von Stunden. „Wir haben so viele Angebote bekommen, dass damit unser Lieferengpass über Ostern behoben werden konnte“, teilt der Verein schon am nächsten Tag mit Dank über die sozialen Netzwerke mit.

Einen Tag nach dem Aufruf: 

Auf OP-Nachfrage zeigt sich auch Pappert „völlig überrascht“ über die „tolle Resonanz“: Damit habe ich auch tatsächlich nicht gerechnet, „es war ein voller Erfolg, man kann sich wirklich auf die Leute verlassen“, lobt er. Rund 20 Leute hatten sich umgehend gemeldet und Klopapier vorbeigebracht, „von vier Rollen bis zu einem Päckchen auf einmal“. Weitere Unterstützung soll in dieser Woche folgen. Auch Bürgermeister Kai-Uwe Spanka habe sich eingeschaltet und Kontakt mit einem Supermarkt in Wetter aufgenommen, der sagte weitere 240 Rollen als Spende zu.

„Wir sind wirklich froh, nach Ostern sollte die nächste große Lieferung kommen, bis dahin sind wir dann versorgt“, sagt Pappert. Auf den Hinweis eines Nutzers, weshalb der Verein sich nicht sowieso in dem Supermarkt versorgt, weist er auf eine Konkurrenzsituation mit Privatkunden hin: „Wenn wir unsere benötigten Mengen lediglich in einem Einzelhandel kaufen würden, bliebe für die Menschen, welche zu Hause den Bedarf haben, nicht mehr viel übrig.“ Davon abgesehen sind die Kunden aufgefordert, nur handelsübliche Mengen zu kaufen. Für den Bedarf von so vielen Pflegebedürftigen keine Option. Er hat nachgerechnet: In etwa verbrauchten die vier Einrichtungen des Vereins zusammen rund 950 Rollen Toilettenpapier im Monat. Den Bedarf könne in heutiger Zeit vor allem der Großhändler bedienen, auch wenn selbst der zeitweise mit Lieferengpässen zu kämpfen habe.

von Ina Tannert

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