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Nordkreis Ein Bahnübergang auch für Pferde
Landkreis Nordkreis Ein Bahnübergang auch für Pferde
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17:58 28.11.2019
Ende einer Lokalposse: Über die neue Umlaufsperre freuen sich Bauamtsleiter Thomas Wagner (von links), Bürgermeister Dr. Jens Ried, Michael Schmidt vom Reitverein und Roland Moucka von der Gemeinde. Quelle: Ina Tannert
Cölbe

Der Bahnübergang „Im Espen“ hat schon etwas von einer unendlichen ­Geschichte, die nun nach dem Willen der Gemeinde endgültig beendet sein soll. Ein Rückblick.

In den letzten Jahren war es ruhig geworden um den idyllisch gelegenen Bahnübergang im Cölber Norden – und das lag nicht nur am fehlenden Hupkonzert der Züge.

Davon wurde so mancher Anwohner bis zum Jahr 2012 täglich in den Wahnsinn getrieben. Jeder einfahrende Zug auf der eingleisigen, dennoch gut befahrenen Strecke, machte mit einem lauten Hupen auf sich aufmerksam.

Geschichte begann vor elf Jahren

Lange Zeit, jeden Tag ging das so, „bis zu acht Mal in der Stunde“, erinnert sich Roland Moucka von der Gemeinde. Der Grund war der frei passierbare Bahnübergang, der die Gleise quert und auf dem früher noch der landwirtschaftliche Verkehr zugelassen war. Ein Hupen für die Sicherheit, ein Graus für die Anwohner der bebauten Hanglage im Nordosten von Cölbe.

Die entnervten Bürger im Rücken wandte sich die Gemeinde bereits 2008 an die Bahn Netz AG, um den Wirtschaftsweg für den Verkehr sperren zu lassen. Nur noch Radfahrer und Fußgänger sollten die Überquerung nutzen und zur Sicherheit mit einer Umlaufsperre auf beiden Seiten der Gleise ausgebremst werden. Erst dann würde die Huperei enden. So der Konsens beider Parteien nach einigem hin und her, Ortsterminen und Gesprächen.

Entgegenkommen für Reitverein

Der Plan beinhaltete aber auch, dass die Gemeinde zuvor Geld in die Hand nimmt und die Bankette des Zufahrtsweges am Kornhaus ausbaut, inklusive einer Grabenverrohrung. Die Strecke musste für die Landwirtschaft verbreitert werden, sodass auch zwei Schlepper aneinander vorbeikommen.

So weit so gediehen war der Deal, bis dann ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Bahnübergangs aufgeschlagen werden musste. Eines mit Pferden. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft zur Querung hat der Reitverein seinen Standort. Um den Reitern einen großen Umweg zu ersparen, sollte die angedachte Umlaufsperre auch für Pferde passierbar sein. Nun wusste die Bahn jedoch ad hoc auch nicht, wie breit so ein genormter Durchlass für ein standardisiertes Ross sein muss.

Bahnübergang in 
Wetter wird zum Testlauf

Somit herrschte erst einmal Stillstand in der Sache, bis sich die Möglichkeit ergab, eine vergleichbare Umlaufstelle in Wetter als Testgebiet zu nutzen. Also wurde geritten, gemessen und für gut befunden. Das Ergebnis war die Fußgängerfurt, die dann endlich 2012 fertig wurde. Gesichert erst einmal mit Leitplanken, ein Provisorium, das für sieben Jahre dann so blieb, berichtet Bürgermeister Dr. Jens Ried.

Doch das Thema war nicht totzukriegen, erneut regte sich Kritik: So ganz passten alle Passanten – ob zu Fuß, zu Rad oder zu Huf – dann doch nicht durch die Konstruktion. Die wurde zum Hindernis für so manchen Radfahrer und vor allem für Reiter, die durch das Nadelöhr hindurch mussten. Für geübte Reiter weniger ein Problem, schwieriger jedoch für Anfänger, „gerade für Kinder, die kamen da mit Pferden nicht so gut durch“, erklärt Michael Schmidt, Vorsitzender des Reitvereins.

Kopfschütteln beim Bürgermeister

Also kam das Thema wieder auf den Tisch und konnte nun auch abgeschlossen werden. Kurz gesagt: Die ehemals 1,20 Meter breite Öffnung zwischen den alten Leitplanken wurde auf 1,50 Meter verbreitert. Alle passen hindurch, die Landwirte haben eine andere Zufahrt und die Leitplanken wurden von der Bahn durch eine richtige Umlaufsperre ersetzt.

Am Ende stehen knapp 30.000 Euro, diese Summe musste alleine die Gemeinde investieren, „letztlich alles dafür, damit das Hupen aufhört“, zieht der Bürgermeister kopfschüttelnd Bilanz. Dennoch ging die kleine Lokalposse am Ende gut aus: „Hauptsache die Lärmbelästigung fällt weg und alle kommen gut über die Gleise – dann sind elf Jahre Warten auch okay.“

von Ina Tannert