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Nordkreis Verein blickt nach vorne
Landkreis Nordkreis Verein blickt nach vorne
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09:58 20.08.2021
Brandschutz in alten Zeiten: Michael und Elfriede Hahn packen im Dorfmuseum Oberrosphe mit an und arbeiten am Aufbau einer kleinen Feuerwehr-Ausstellung.
Brandschutz in alten Zeiten: Michael und Elfriede Hahn packen im Dorfmuseum Oberrosphe mit an und arbeiten am Aufbau einer kleinen Feuerwehr-Ausstellung. Quelle: Ina Tannert
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Oberrosphe

Dutzende historische Möbelstücke, Hausrat vergangener Zeiten, vom Waschzuber bis zum Schaukelpferd, historische Traktoren aus Vorkriegsjahren – das Inventar des Heimatmuseums von Oberrosphe ist enorm. Viele Kleinode finden sich dabei nicht einmal oder noch nicht in einer der liebevoll gepflegten Ausstellungen wieder, die verteilt auf den Alten Forsthof und Nachbargebäude zu finden sind.

Es ist einfach zu viel, was sich über Jahre angesammelt hat, wiederentdeckt oder dem Heimat- und Verschönerungsverein überlassen wurde. Um sich nun einen besseren Überblick zu verschaffen, haben sich viele Oberrospher zusammengetan und führen quasi einen späten Frühjahrsputz durch. Es wird geordnet, geprüft und repariert, was zeitlich möglich ist. Das macht der Verein schon lange, hatte jedoch sowohl mit der langen Corona-Pause wie dem Verlust des verstorbenen Vorsitzenden Hans Bertram zu kämpfen, der sich über Jahrzehnte für das Museum eingesetzt hatte. Diese Lücke in ihren Reihen muss der Vorstand ausgleichen, arbeitet nun am Neustart. Und viele Helfer packen mit an, „es geht voran, das Museum läuft langsam wieder an und der Verein kommt wieder auf die Beine“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Dr. Benno Splieth.

Im Inneren des Dorfmuseums Oberrosphe wandern Besucher durch sorgfältig gestaltete Räume der Vergangenheit auf dem Land. Quelle: Ina Tannert

Die Freiwilligen haben sich viel vorgenommen, nutzen die warmen Tage, um Ordnung in Scheunen und Fahrzeughallen bringen. Und erste Erfolge sind bereits geschafft: Mittlerweile sind drei der zehn Traktoren, teils noch aus der Vorkriegszeit, wieder fahrtüchtig und restauriert. Die alte Technik schweißt dabei Generationen zusammen: Landmaschinenmechaniker Heinrich Grün kennt sich mit den historischen Antrieben aus, arbeitet gemeinsam mit zwei Jugendlichen, die sich als talentierte Bastler entpuppt haben, an der Wiederbelebung der Schlepper.

Sie haben Spaß an der alten Technik aus Zeiten, als ein Trecker noch per Lötlampe angeheizt, das Lenkrad zugleich zum Ankurbeln genutzt wurde. „Die drei laufen schon, einer nach dem anderen muss jetzt repariert und restauriert werden“, sagt Grün.

Fundus besteht aus Tausenden Objekten

Während der Durchsicht des Museumsbestandes wurden viele alte Schätze regelrecht wiederentdeckt, etwa ein Flachsgerät aus dem 19. Jahrhundert, berichtet Elfriede Hahn. Selbst Tabakpackungen aus Russland fanden sich, die wohl in den Kriegsjahren von Soldaten in die Region gebracht wurden. Und auch einige Schmuckstücke der Feuerwehr sollen nun neu präsentiert werden – eine alte Feuerwehrspritze, früher im Einsatz bei der Feuerwehr Wetter, samt historischer Feuerlöscher, Löscheimer und Uniformen. Die könnten vielleicht einmal das Herz einer kleinen Brandschutz-Ausstellung werden.

Wäschewaschen in alten Zeiten – ein Einblick in die Waschmaschinen-Ausstellung im Dorfmuseum Oberrosphe. Quelle: Ina Tannert

Es ist viel Arbeit, die weiterhin ansteht. Ein langfristiges Ziel kommt noch dazu: das Aufstellen einer Inventarliste. Der Museumsverband riet dem Verein dazu, alle einzelnen Objekte der Übersicht halber genau zu erfassen, zu dokumentieren, Fotos zu schießen, praktisch eine umfangreiche Inventur durchzuführen. Das ist nicht so einfach, „das können wir so gar nicht leisten“, sagt Splieth. Denn über wie viele einzelne Stücke das Museum eigentlich verfügt, ist gar nicht bekannt. Grob geschätzt werden es wohl um die 10 000 Stücke sein.

Viel hat sich angesammelt, das an das Dorfleben der vergangenen 100 Jahre erinnert und entsprechend zur Geltung kommen soll. „Im Dorf selber gibt es eine riesige Identifikation mit dem Museum, aber uns fehlt der Nachwuchs“, sagt Splieth. Es herrscht zwar spürbar Aufbruchsstimmung, aber die ein oder andere helfende Hand dürfe sich gerne noch beteiligen, „wir sind über jeden, der mitmacht, dankbar, die Leute leisten tolle Arbeit, aber alles auf einmal geht auch nicht“.

Arbeitseinsätze finden mittwochs und samstags zwischen 9 und 12 Uhr statt. Wer Interesse hat, im Museum mitzuhelfen, kann sich bei Elfriede Hahn unter 0 64 23 / 23 45 melden.

An diesem Sonntag findet um 14 Uhr auf dem Museumshof ein Mundartgottesdienst statt. Im Anschluss lädt Dietrich Bertram, der Sohn des verstorbenen Vorsitzenden Hans Bertram, zu Kaffee und Kuchen ein.

Am 29. August öffnet das Museum zwischen 11 und 17 Uhr Uhr zum Museumstag des Landkreises zum Thema „Über Stock und Stein“. Ab 11 Uhr findet eine Wanderung in den Burgwald statt, auf dem Museumsgelände gibt es eine Bilderausstellung über Steine.

Von Ina Tannert

Nordkreis Dorfmuseum Oberrosphe - Museum startet durch
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