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Nordkreis Die letzte Ruhestätte für treue Freunde
Landkreis Nordkreis Die letzte Ruhestätte für treue Freunde
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11:58 19.06.2020
Der 24-jährige Kevin Hellwig hat sich in Unterrosphe ein Büro eingerichtet, wo er Menschen empfängt, die Abschied von ihren lieben Haustieren nehmen mussten. Er bietet von der Fahrt zum Krematorium bis zur Bestattung ein Rund-Um-Service an. Quelle: Götz Schaub
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Unterrosphe

Die Tierbestattung bei Unterrosphe wird in den kommenden Jahrzehnten weiterhin möglich sein. Nicht mehr dort, wo die Haustiere bisher bestattet wurden, aber auf einem neuen Feld direkt in der Nachbarschaft. Tierbestatter Kevin Hellwig hat mit der Stadt Wetter, der das Grundstück gehört, einen Pachtvertrag geschlossen, der zunächst bis zum 31. Dezember 2040 läuft. Wird er ab dann nicht rechtzeitig gekündigt, verlängert er sich automatisch stets um ein weiteres Jahr.

Die ersten zehn Tiere haben bereits auf dem neuen Friedhof ihren Platz gefunden.

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Grundsätzlich kümmert sich Hellwig darum, die verstorbenen Haustiere seiner Kunden vom Sterbeort zum Krematorium in Homberg/Ohm zu überführen. Nachdem die sterblichen Überreste eingeäschert wurden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei einer anonymen Kremierung werden mehrere Tiere zusammen eingeäschert und die Asche verbleibt beim Krematorium, wird später im Wald ausgestreut. Bei der Einzelkremierung, die dann aufgrund des Extra-Aufwandes teurer ist, bekommen die Besitzer gezielt die Asche ihres Tieres in einer Urne wieder ausgehändigt. Nun gibt es drei Möglichkeiten: Der oder die Besitzer entscheiden sich für eine Bestattung im eigenen heimischen Garten oder für eine Platzierung der Urne, irgendwo bei ihnen zu Hause. Die dritte Möglichkeit ist, eine Bestattung auf dem neuen Tierfriedhof in Unterrosphe vornehmen zu lassen.

Nachdem der Anbieter des alten Haustierfriedhofs verstorben war, war längere Zeit nicht klar, wie es dort weitergehen würde. Hellwig nahm Kontakt mit der Stadt auf und fand in Bürgermeister Kai-Uwe Spanka einen interessierten Gesprächspartner für eine Fortsetzung dieses Angebots. Vor sechs Wochen kam dann die Genehmigung und Hellwig konnte sein Angebot publik machen. Auf dem Gelände werden Einzel- und Gemeinschaftsbäume angeboten, diese Erhalten dann eine kleine Plakette mit dem Namen des Tieres. Hellwigs Angebot: Alle Tiere werden bis 2040 ihre Grabstätte behalten.

Hellwig richtet sich übrigens ganz nach seinen Kunden, was die als Haustier ansehen. In erster Linie sind es natürlich Hunde, Katzen und Nager. Aber es können durchaus auch Amphibien und Reptilien darunter sein. „Bei der Beisetzung können die Besitzer natürlich dabei sein“, sagt Hellwig. Auch könne die Zeremonie ausgeschmückt werden, so dass es ein würdevoller Abschied wird. Für viele Menschen sind Haustiere wie Familienmitglieder und der Schmerz über ihren Verlust trifft viele sehr tief, so dass es ihnen einfach ein Anliegen ist, sie an einer Ruhestätte zu wissen.

Der Einzugsbereich ist ganz schön groß. Neben den Kommunen des hiesigen Landkreises kommen viele Kunden auch aus dem nördlichen Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg, offenbar weil es dort diese Möglichkeit mit einem Friedhof nicht gibt. Das Grab wird von Hellwig selbst in Handarbeit ausgehoben. Zwischen Urne und Erdoberfläche müssen nur 50 Zentimeter Erde sein. Sollte es dann tatsächlich irgendwann einmal eine neue Belegung geben, werden die Urnen der Erstbeisetzung tiefer vergraben und die neuen darüber. Aber darüber muss sich Hellwig jetzt noch keine Gedanken machen. Das neue Grundstück ist fast ein Hektar groß und bietet also viel Platz. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka freut sich, dass Hellwig, der über viele Jahre auch auf dem bisherigen Tierfriedhof mitgearbeitet hatte, das Angebot nun in Hauptverantwortung aufrecht erhalten möchte. „Wir haben das im Magistrat besprochen und für gut empfunden. Es gibt viele Menschen, denen es ein echtes Bedürfnis ist, eine Gedenkstätte für ihr Haustier zu haben.“ Für die Stadt Wetter sei das besondere Angebot sicherlich auch ein Gewinn. „Der Tierfriedhof wurde in der Vergangenheit gut angenommen und wird es jetzt sicherlich auch“, so der Bürgermeister.

Derweil hat Hellwig noch andere Gespräche zu führen. Verschiedene Menschen, deren Tiere auf dem alten Friedhof begraben sind, hatten angefragt, ob diese auf den neuen umgebettet werden können. Da steht noch eine Entscheidung aus, sagt Hellwig. Der alte Friedhof soll jedenfalls in absehbarer Zeit aufgegeben und zurückgebaut werden.

Wer mit Hellwig in Kontakt treten will, kann sich im Internet informieren unter www.tierbestattung-hellwig.de oder ihn anrufen unter 0 64 23 / 52 08 8 oder Mobil unter 01 72 / 70 07 12 0.

Von Götz Schaub

17.06.2020
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