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13:29 04.04.2022
Menschen aus Reddehausen formen ein Peace-Zeichen und setzen damit ein sichtbares Symbol der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.
Menschen aus Reddehausen formen ein Peace-Zeichen und setzen damit ein sichtbares Symbol der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Quelle: Privat
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Reddehausen

Eine links, einer rechts, die anderen an die Ränder und in die Mitte, und das alles in rund. Hin und her, austauschen, umstellen, zusammendrängen. So in etwa dürfte es zugehen, wenn sich rund 100 Reddehäuser zusammenraufen, um ein ganz besonderes Zeichen zu formen. So geschehen vor wenigen Tagen. Das wird doch höchstens ein unschönes „O“, mutmaßen da schon einige in der Menge. Weit gefehlt – am Ende steht das perfekte Peace-Zeichen im wahrsten Sinne auf der Wiese vor dem Dorf-Panorama.

Ein Zeichen, das jeder sofort erkennt, der sich nur ein kleines bisschen mit Geschichte befasst hat. Ein starkes Symbol, das Menschen aus Reddehausen hier setzen wollen, um ihre Solidarität mit der Ukraine auszudrücken. In ihren Reihen stehen auch Geflüchtete. Rund ein Dutzend, die vor dem Krieg geflohen sind, haben in Reddehausen Zuflucht gefunden. Allen geht es um den Wunsch nach Frieden, um das, was es in der Ukraine seit über einem Monat nicht mehr gibt. Das Peace-Zeichen erlebt gerade eine traurige Renaissance und ist in Europa gerade so aktuell wie seit Jahrzehnten nicht.

N und D für den Frieden

Die Wurzeln dieses visuellen Idols, das die Friedensbewegung weltweit übernommen hat, liegen im Jahr 1958 in London: Der britische Künstler Gerald Holtom entwarf das Symbol für die Kampagne zur nuklearen Abrüstung (Campaign for Nuclear Disarmament, kurz CND). Darstellen soll es die Kombination zweier Zeichen aus dem Winkeralphabet, nämlich N für „nuclear“ und D für „disarmament“.

Das Winkelalphabet

Das Winkeralphabet ist ein altes Buchstabiersignal-System, bei dem Buchstaben mit dem Körper, einer bestimmten Armstellung und/oder mithilfe von Flaggen geformt werden, auch Flaggenalphabet. Es wird heute nur noch selten, etwa in der US-Navy genutzt. Der Ursprung des Peace-Zeichens liegt damit in einer militärischen Zeichensprache. Die Form entstand aus einer Kombination aus N und D für „nuclear“ und „disarmament“, um die Forderung nach nuklearer Abrüstung zu verdeutlichen. Um ein D anzuzeigen, zeigt je eine Flagge nach oben und nach unten. Das N wiederum wird durch zwei schräg nach unten gekippte Fahnen angezeigt. Fertig ist das berühmte Friedenszeichen.

Das Zeichen wurde beim ersten Ostermarsch für die nukleare Abrüstung getragen und erlangte weltweit Berühmtheit. Unter anderem in der Hippie-Bewegung und immer wieder unter Kernkraft- oder Kriegsgegnern. Dieser Tradition folgen derzeit viele Menschen, die gemeinsam Peace-Zeichen formen und ihre Solidarität mit der Ukraine demonstrieren.

Ein spontanes Bild

In Reddehausen entstand dieses Bild dabei ganz spontan, und zwar bei einer Versammlung mit Fototermin per Drohne für die anstehende 725-Jahr-Feier, verrät Ortsvorsteherin Hildegard Otto. Die Gelegenheit wurde direkt genutzt, um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen. In Reddehausen leben rund ein Dutzend Geflüchtete. Etwa bei Bewohnern, die aus der Ukraine stammen oder in einem Haus, das gerade verkauft wurde und bei dem nun die Kellerwohnung hergerichtet werden soll, um weitere Menschen aufnehmen zu können.

Die Reddehäuser sind gut vernetzt, Hilfsangebote für den Umbau sind schnell bei der Hand, alles, was so gebraucht wird, geht via Chat-Gruppe herum: „Das geht durch das ganze Dorf, die Hilfsbereitschaft ist riesig und auch die Flüchtlinge haben sofort mitgemacht, es ist wirklich schön“, freut sich Otto.

Auch Kirchensaal stand zur Verfügung

Selbst der Kirchsaal wurde zur Verfügung gestellt, um Sachspenden zu lagern und die Verteilung zu organisieren. Mit der Aktion wolle der Ort deutlich machen, dass sich die Bewohner mit Ukrainerinnen und Ukrainern solidarisch zeige, ebenso mit den Menschen in Russland, die sich öffentlich und trotz drohender Strafen gegen den Krieg stellen.

Von Ina Tannert

30.03.2022
30.03.2022