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Nordkreis Die Sorgen eines Corona-Infizierten
Landkreis Nordkreis Die Sorgen eines Corona-Infizierten
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08:00 12.11.2020
Während seiner Corona-Infektion blieb Michael Meinel zwei Wochen lang in häuslicher Quarantäne. Quelle: Symbolfoto: Thorsten Richter
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Lahntal

Glück gehabt! Ein milder Verlauf. Die Quarantäne ist für Michael Meinel nach der Mindestdauer vorbei. Der 62-Jährige durchlebte, was die meisten Menschen derzeit wohl fürchten: eine Infektion mit dem Corona-Virus. Doch was geht in jemanden vor, den das Virus erwischt? Den Agraringenieur befällt an einem Samstagnachmittag große Müdigkeit und ein leichter Hustenreiz. Erst am Sonntag, als weitere Krankheitssymptome wie Schweißausbrüche und Druckschmerz in der Brust hinzukommen, keimt in ihm der Gedanke, es könnte eine Infektion mit dem Sars-CoV2 sein.

Als ihn am Montagnachmittag die Nachricht erreicht, dass ein Familienangehöriger eines Büro-Kollegen infiziert ist, lässt sich der Lahntaler bei seinem Hausarzt am Dienstagvormittag testen. Am Folgetag erhält er online das positive Ergebnis. Was tun? Auf den Anruf aus dem Gesundheitsamt und deren Anweisungen warten oder selbst die Kontaktpersonen informieren? Für Meinel ist klar, sofort zu handeln, um die Infektionskette zu unterbrechen. Innerhalb einer halben Stunde informiert er das Gesundheitsamt, die Angehörigen seines Haushalts und die Kontaktpersonen der vergangenen Tage.

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Denn bis zum Aktivieren in der Corona-App dauert es nach einer telefonischen Plausibilitätsprüfung bis zu zwei Stunden, bis zum Anruf des Gesundheitsamtes aufgrund der hohen Fallzahlen im Landkreis 19 Stunden.

Doch was ist mit Personen, die rein formal vorgehen? Ohne Quarantäne-Anordnung schnell noch einkaufen gehen? Das kommt für den 62-Jährigen nicht in Frage. Er richtet sich auf seine hausinterne Isolation im Gästezimmer ein und listet die weiteren Kontakte auf. Er erinnert sich noch an neun Menschen, mit denen er bis zu zwei Tage vor den ersten Symptomen Kontakt hatte. Oder sollen es besser zwei, drei oder mehr Tage sein? Irgendeiner der Kontakte muss der Weitergeber des Virus sein. Lassen sich diese testen, um die Infektionskette zu unterbrechen?

Seine Angehörigen, die durchaus in sensiblen Berufen arbeiten, tun dies. Bis zu Meinels Quarantäne-Verfügung benachrichtigen Mitarbeiter des Gesundheitsamts seine meisten Kontakte, schicken sie in berechtigten Fällen ebenfalls in Quarantäne, je nachdem, ob Meinels Hinweise dies nötig erscheinen lassen oder nicht.

Doch wie streng sollte seine Isolation sein? Die Quarantäne beginnt ab den ersten Symptomen, die Infektiosität wird ab zwei Tage vor den ersten Symptomen angenommen. Die Angehörigen sind Kontakte der ersten Kategorie, müssen also ebenfalls in Quarantäne. Der Agraringenieur hält sich von ihnen fern, obwohl seine Virenzahl laut Test nicht sehr hoch ist. Er bleibt also in seinem Bereich, verbunden mit den Angehörigen, die negative Test aufweisen, durch eine kontaktfreie Übergabestation im Flur.

Bei Meinel schwächen sich die Symptome ab. Keine Müdigkeit mehr, keine Schweißausbrüche. Der Brustschmerz wird leicht brennend. Weniger Hustenreiz, dafür ein Kratzen im Hals mit leichten Schluckbeschwerden. Aber die Unsicherheit bleibt. In seiner Altersgruppe stirbt einer von 20 Infizierten, heißt es. Doch wie hoch ist die Dunkelziffer? Was bewirken Vorerkrankungen? Was ist mit einer möglichen Zweitinfektion? Oder mit einer der berichteten Spätfolgen selbst bei mildem Verlauf?

Bisher fällt ihm nur das Wegbleiben der Stimme und Halsschmerzen bei längeren Gesprächen auf.

Für ihn gibt es noch mehr Fragen: Muss er von seinen Angehörigen isoliert bleiben, weil zwar seine, aber nicht ihre Quarantäne abgelaufen ist? Angeblich erhalten Verdachtsfälle, die in Quarantäne kommen, einen Verdienstausfall oder wird man als Infizierter einfach nur krankgeschrieben? Und dann gibt es noch die eine Frage: War er bei aller Vorsicht doch irgendwann nachlässig? Hat er, ohne es zu merken, das Virus an jemanden weitergeben, hat Menschen gefährdet? Jemanden, der dann keinen milden Verlauf erfährt? Die persönliche Verantwortung ist hoch. Reduzierte Kontakte und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfindet er daher als vergleichsweise kleinen Beitrag zum gesundheitlichen Schutz seiner Nächsten.

Von Gianfranco Fain

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