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Nordkreis Die Burg bröckelt
Landkreis Nordkreis Die Burg bröckelt
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12:58 10.01.2021
Die Burg Mellnau ist gesperrt - ein Gutachten bestätigt eine mangende Verkehrssicherheit.
Die Burg Mellnau ist gesperrt - ein Gutachten bestätigt eine mangende Verkehrssicherheit. Quelle: Fotos: Ina Tannert
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Mellnau

Sie ist das weithin bekannte Wahrzeichen des Stadtteils, stolzes Relikt aus mittelalterlicher Zeit, beliebtes Ausflugsziel, Touristenmagnet oder Ort für Hochzeiten auf dem Plateau mit Panoramablick. Nun darf die Burg Mellnau noch nicht einmal betreten werden.

Der Grund: Das Mauerwerk ist an mehreren Stellen lose, hat Risse, der Mörtel bröckelt, Feuchtigkeit dringt ein. Steine könnten von Turm und Mauer herab fallen, ein aktuelles Gutachten sieht eine zu hohe Gefahr für Besucher. Somit hat der Heimat- und Verkehrsverein gemeinsam mit der Stadt Wetter die Burg sperren lassen. Der Verein ist Pächter der Burgruine, die sich in Privatbesitz befindet, setzt sich für deren Erhalt ein und steht nun vor einer ganzen Reihe an Problemen. „Vieles ist kaputt, alles Dinge, die sich nicht auf die akute Standfestigkeit beziehen, aber die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben“, erklärt Christian Diehl, vom Vorstand.

Wechselt die Burg Mellnau den Besitzer?

Der Verein hat schon viel mit der Burg erlebt, deren Turm früher mal höher war, bevor Teile einbrachen und Bewohner die Reste als Steinbruch nutzten legten auch mal einen Gemüsegarten im alten Burghof anlegten. Der Wiederaufbau war immer Thema, Verein und Bewohner stemmten mehrfach schon Renovierungsaktionen, auch über das Dorferneuerungsprogramm konnte die Burg aufgemöbelt werden. Seit 2016 läuft eine weitere Renovierungsphase. Das in dem Zuge beauftragte Gutachten hatte aber nun keine positiven Ergebnisse: Das Osttor und auch der Turm mussten gesperrt werden, ebenso das Südtor, „das fällt schon aus allen Nähten“ verdeutlicht Diehl. Auch das Gewölbe ist angegriffen.

In den nächsten Jahren müsse die Burg auf Vordermann gebracht und erhalten werden, „sie hat für Mellnau und ganz Wetter einen symbolischen Wert, viele Mellnauer verbinden viele schöne Stunden mit der Burg“. Regelmäßig besuchen Menschen von nah und fern die idyllisch gelegene Ruine oder heiraten dort, alleine im letzten Jahr fanden 15 Hochzeiten statt, viele Anmeldungen für dieses Jahr gingen bereits ein. Wann die Burg wieder freigegeben werden kann, ist aber noch offen.

In den nächsten Jahren wären diverse Reparaturen fällig, insgesamt müsste wohl mindestens eine Million Euro investiert werden, schätzt Diehl: „Und die können wir uns nicht leisten“. Das Geld habe der Verein nicht, zudem sei noch nicht geklärt, wer eigentlich für welche Kosten oder die Sicherungspflicht und andere Maßnahmen zuständig ist. Eigentümer oder Pächter? Da sich die Burg in Privatbesitz befindet, sei es zudem deutlich schwerer, an Fördergelder zu kommenl. Für denkmalgeschützte Bauten in öffentlicher Hand sehe das anders aus, dafür gibt es Fördertöpfe, mit bis zu 80 Prozent Kostenübernahme. Darauf könne man bei den momentanen Besitzverhältnissen nicht zugreifen, für private Vorhaben läge die Förderquote eher bei 30 Prozent.

Das ist auch ein Punkt, den die Stadt Wetter interessiert, die sich ebenfalls mit der Burg und der nötigen Sanierung befasst, „das ist ein vielschichtiges Thema, viele Akteure sind betroffen“, wie Bürgermeister Kai-Uwe Spanka auf Nachfrage berichtet. Neben dem Verein als Pächter und dem Eigentümer gibt es noch das Denkmalamt oder eben die Stadt.

Kurzfristig habe die im Rahmen der Gefahrenabwehr erst einmal die Sicherheit im Auge, es müsse eine Notsicherung eingerichtet werden, dazu stehe die Stadt in Kontakt mit einer Fachfirma. Dann wäre zu klären, wer für was zuständig ist: Die Unterhaltung der Anlage ist eigentlich Pflicht des Pächter-Vereins, doch fraglich sei, ob darunter auch die grundlegende, substanzielle Erneuerung fällt – Spanka schätzt, dass das nicht der Fall ist und will Kontakt zum Burg-Eigentümer aufnehmen. Zudem wolle die Stadt den Pachtvertrag rechtlich prüfen lassen – den hatte der Verein 1957 für die Dauer von 99 Jahre abgeschlossen.

Angesichts der noch ungeklärten Fragen könne es durchaus auch um die künftigen Besitzverhältnisse gehen. Könnte die Stadt neuer Eigentümer der Burgruine werden? Es liegt nicht am Bürgermeister, das zu entscheiden, er wolle diese Frage aber in die Ausschüsse und die Stadtverordnetenversammlung bringen. „Ich glaube, es wäre der bessere Weg, die Burg als Kommune zu übernehmen“, sagt Spanka. Sollte es dazu kommen, wäre die sanierungsbedürftige Anlage ein möglicher neuer Kostenfaktor – er glaube dabei nicht, dass die Stadtkasse davon besonders belastet würde und rechnet mit Zuschüssen. „Es gibt genügend Fördertöpfe dafür und wer soll es denn sonst machen?“ Die Burg einfach so wie sie ist und damit verfallen zu lassen sei für ihn „keine Option“.

Von Ina Tannert

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