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Nordkreis Wetter: Kinder ziehen nach Unterrosphe um
Landkreis Nordkreis Wetter: Kinder ziehen nach Unterrosphe um
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11:59 25.10.2019
Eltern von Krabbelkindern müssen diese für voraussichtlich rund zwei Jahre von Wetter nach Unterrosphe fahren – hier lässt sich Neele von ihrer Großmutter chauffieren.  Quelle: Tobias Hirsch
Wetter

„Wir Eltern fühlen uns im Stich gelassen“, beklagt Larissa Kleem, Mutter einer Einjährigen, die in eine der beiden Krabbelgruppen unter der Trägerschaft des Elisabeth-Vereins in der Schulstraße geht – also ein „Wetterfrosch“ ist. Sie moniert, es sei seit Jahren bekannt, dass ein Neubau vonnöten sei – nun aber ganz plötzlich die Info­ gekommen sei, dass die „Wetterfrösche“ ab November nach Unterrosphe müssen.

„Das ist etwas sehr eng. Ich halte das für schlechte Planung und habe den Eindruck, dass es auf einmal heißt: schnell, schnell, alle raus“,kritisiert Kleem. Das Ausweichquartier im etwas mehr als sechs Kilometer entfernten Dorf sei ein Problem: Einige Eltern, die entweder ­keinen Führerschein oder auch schlicht kein zweites Auto ­haben, wüssten nicht, wie sie ihre Kinder künftig dorthin bringen sollen. Noch dazu sei auf der Strecke oftmals Stau. Vom zusätzlichen CO2-Ausstoß der Autos ganz zu schweigen. „Viele Eltern wohnen in einer Kernstadt, weil dort die ­Infrastruktur besser ist“ und vieles fußläufig erreichbar sei.

„Es entstehen durch diesen plötzlichen Umzug immense Existenzängste, denn auch Mütter arbeiten heutzutage zu festen Zeiten. Man gibt schließlich seine Kinder nicht umsonst in Kitas ab“, sagt Kleem und ergänzt, dass sie eine ursprünglich – inoffiziell mitgeteilte – Variante bevorzugen würde: Es sei angedacht gewesen, vor der Einrichtung in der Amönauer Straße „Container“ aufzustellen, damit eine Betreuung innerhalb der Stadt gewährleistet werden könne. Die neue Variante sei indes untragbar – und aufgrund der Kurzfristigkeit könnten Eltern auch die Kündigungsfrist nicht mehr einhalten, so sie ­einen Wechsel der Einrichtung bevorzugen würden.

Kosten für Container sind der Stadt zu hoch

Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka hat kein Verständnis für die Kritik: Die Eltern wollten eine gute Versorgung – diese werde durch den Neubau noch verbessert. Dass Eltern nun voraussichtlich rund zwei Jahre lang ihre Krabbelkinder nach Unterrosphe bringen müssten, hält er für ein „Luxusproblem“. Der Weg dorthin sei schließlich nicht besonders weit.

Eine Zwischenlösung in ­„Modellbauweise“ – den Begriff „Container“ scheut er wie der Teufel das Weihwasser – sei zu teuer. Kosten in Höhe von 200.000 Euro nur für die Miete seien nicht vertretbar: „Ich weiß nicht, wie ich das hätte finanzieren sollen.“ Eine Ansicht, die die Mitglieder des Bauausschusses am Montagabend auch geteilt hätten.

Stattdessen habe es sich angeboten, die einstige Kindertagesstätte in Unterrosphe wieder zu reaktivieren. Dort gebe es einen großen Spielplatz, zudem seien das Dorfgemeinschaftshaus und die „Kita für die Großen“ ganz in der Nähe.
„Wir machen es uns keinesfalls leicht“, kommentiert er Richtung Eltern: „Wir wissen, dass es Eltern mit Transportproblemen gibt – aber erkundigen Sie sich doch mal bei Eltern in Großstädten, ob sie jemand fragt, wie sie ihre Kinder in Einrichtungen am anderen Ende der Stadt bringen...“

Einen Bus werde die Stadt ­jedenfalls nicht einsetzen: „Wir transportieren ja schon die Ü-3-Kinder – wovon uns die Unfallkasse aus versicherungstechnischen Gründen eigentlich dringend abrät. Das machen wir mit und hoffen eben, dass nichts passiert. Aber bei Krabbelkindern will ich das nicht verantworten.“

Eltern sollen mehr Zeit für Umstellung bekommen

Eine Aussage, der sich Manfred Günther, der Sprecher des Elisabeth-Vereins anschließt. Er teilt mit, dass intern noch geprüft werde, ob sich der Umzug noch etwas verschieben lasse, damit die Eltern mehr Zeit ­bekommen, sich auf die neue Situation einzurichten.

Der Verein will das ehemalige­ Kreisseniorenheim abreißen und ein neues Gebäude errichten, um dort zusätzliche Plätze für Kurzzeit- und ­Tagespflege sowie betreutes Wohnen anzubieten. Dort hinein kommen dann auch die beiden Krabbelgruppen – sowie die beiden U-3-Gruppen aus der Amönauer Straße.

Dort wird aber auch noch eine zusätzliche Gruppe geschaffen – noch dazu soll die künftige Unterrospher Einrichtung nicht nur als Ausweichmöglichkeit genutzt werden. Dort kommen dann auch zwei Krabbelgruppen mit 40 neuen Plätzen hinein, sodass in ­Zukunft für die Kernstadt Wetter 160 Ü-3-Plätze und 85 U-3-Plätze bestehen.

von Florian Lerchbacher