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Nordkreis Der nächste Schritt zum Vollausbau
Landkreis Nordkreis Der nächste Schritt zum Vollausbau
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16:00 29.03.2022
Die Gemeinde Lahntal arbeitet am Ausbau der Glasfaser-Anschlüsse. Beim eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Deutsche Glasfaser werden nur Sterzhausen, Goßfelden und Sarnau bedient, Göttingen steht noch auf der Kippe.
Die Gemeinde Lahntal arbeitet am Ausbau der Glasfaser-Anschlüsse. Beim eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Deutsche Glasfaser werden nur Sterzhausen, Goßfelden und Sarnau bedient, Göttingen steht noch auf der Kippe. Quelle: Ina Tannert
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Lahntal

Das Thema Glasfaserausbau kommt bei vielen Kreis-Kommunen und auch in der Gemeinde Lahntal gerade richtig in Schwung. Vor allem nach der letzten Gesellschafterversammlung der Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH, in der sich alle Kommunen von Marburg-Biedenkopf (außer Marburg) und der Landkreis für den Internet-Ausbau zusammengetan haben.

Der flächendeckende Netzausbau im Kreis geht seit Jahren zwei Wege. Erstens: Den eigenwirtschaftlichen Ausbau über private Unternehmen, die auf eigene Kosten Glasfaser verlegen, dafür mit den neuen Kunden Verträge abschließen. Zweitens: Der solidarische Weg über die Breitband-Gesellschaft, um mit Fördergeldern und eigenen Mitteln auch jene Bereiche abzudecken, die von privaten Unternehmen als nicht wirtschaftlich genug eingestuft werden.

Rückblick: Gegründet wurde die kommunale Gesellschaft in der jetzigen Form im Jahr 2012, nachdem die Debatte um eine notwendige Glasfaserversorgung einen Höhepunkt erreichte und die Deutsche Telekom als Versorgungspartner einen Kurswechsel anpeilte. Es drohten Versorgungslücken, welche die Gesellschaft auffangen musste.

Ziel: flächendeckende Versorgung

Das große Ziel damals: Eine flächendeckende Breitbandversorgung des gesamten Landkreises (ohne die Stadt Marburg, die ein eigenes Projekt aufbaute) mit 50 Mbit/s im Download im FTTC Ausbau (Fibre to the Curb = Glasfaser bis zum Technikgehäuse) mindestens jedoch 25 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) für mehr als 95 Prozent aller Haushalte.

In 2015 wurde der Breitband-Erstausbau im Kreis mit einer Versorgung von 95 Prozent für Haushalte und Unternehmen abgeschlossen. Danach startete dann das Erweiterungsprojekt zum Ausbau der noch unterversorgten Gebiete – jene mit Bandbreiten von unter 30 Mbit/s. Es wurden Hunderte Kilometer Glasfaser verlegt, außerdem alle Unternehmensstandorte und Schulen im Kreisgebiet versorgt.

In den letzten Jahren stand dann der Glasfaservollausbau im Fokus, um flächendeckend für Anschlüsse bis ins Haus per FTTH-Anschluss (Fibre to the Home) zu sorgen, also weg von den Kupferleitungen zu kommen und schnellere Bandbreiten zu erhalten.

Zu diesem Zweck wurde im Dezember 2019 ein Ideenwettbewerb gestartet, bei dem sich die Deutsche Glasfaser durchsetzte. Das „Graue-Flecken-Projekt“ der Gesellschaft soll nun umgesetzt werden (ein weiterer Bericht dazu folgt).

Nur drei Ortsteile werden bevorzugt

Was bedeutet das nun konkret für den Netzausbau in Lahntal? Dazu nimmt Bürgermeister Manfred Apell in seinem Bericht während der letzten Sitzung des Parlaments Stellung. Für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau – also jener durch Privatunternehmen finanzierte Teil – steht der Gemeinde nur die Deutsche Glasfaser AG zur Verfügung. Das aber nur für die Ortsteile Sarnau, Goßfelden und Sterzhausen. Die Akquise von Deutsche Glasfaser solle dort im dritten Quartal dieses Jahres beginnen. Laut Unternehmen könnte der Ausbau im ganzen Landkreis bis Ende 2025 abgeschlossen sein.

Für Göttingen sehe das Unternehmen noch „Zusatzpotenzial“, Caldern, Kernbach und Brungershausen werden allerdings als „graue Flecken“ eingestuft. Dort wird das Unternehmen den Anschluss nicht selber finanzieren, die Breitband GmbH müsste einspringen.

Für Lahntal lohne es sich, weiter auf die Gesellschaft zu setzen, „das ist immer noch sehr interessant, auch wenn der Preis hoch ist“, betont Apell. Außerdem sei der Markt weiter in Bewegung, er setze auf weitere Anbieter, wie eventuelle die Telekom-Tochter Glasfaser Plus, die ebenfalls in das Kooperationsgeschäft mit den Kommunen einsteigen und damit die Angebotsvielfalt und Preislage vorteilhafter gestalten könnte. Ob alle Städte und Gemeinden bei dem Programm mitmachen, den Kooperationsvertrag unterschreiben und einen zugewiesenen Eigenanteil zahlen, entscheiden im Moment die Parlamente. Einige haben das Thema bereits behandelt, bei anderen wie Lahntal steht die endgültige Entscheidung noch an.

In der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung – am 5. April um 20 Uhr in der Lahnfelshalle – entscheiden die Lahntaler Parlamentarier sowohl über einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser wie über das „Graue-Flecken-Projekt“ der Breitband-Gesellschaft und die Beteiligung der Gemeinde in Höhe von etwa 320.000 Euro. Dieser Eigenanteil wäre bis zu den Jahren 2026/27 zu erbringen.

Von Ina Tannert