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Nordkreis „Der Kopf soll zum Denken kommen“
Landkreis Nordkreis „Der Kopf soll zum Denken kommen“
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10:00 21.10.2021
Bürgermeister Manfred Apell (links) und Künstler Udo Achenbach testen die Sonnenliege an einer besonders idyllisch gelegenen Station des neuen Lahntaler Landwirtschaftspfades. Passend dazu gibt es Besuch einer Schafherde
Bürgermeister Manfred Apell (links) und Künstler Udo Achenbach testen die Sonnenliege an einer besonders idyllisch gelegenen Station des neuen Lahntaler Landwirtschaftspfades. Passend dazu gibt es Besuch einer Schafherde Quelle: Foto: Ina Tannert
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Goßfelden

Die Geschichte der Landwirtschaft ist geprägt von viel Plackerei und großen Erfindungen, von Muskelkraft und technischem Know-how. Die Errungenschaften der landwirtschaftlichen Entwicklung können Besucher nun rund um Goßfelden auf dem neuen Lahntaler Landwirtschaftspfad ein Stück weit nachverfolgen. Entlang des bereits bestehenden Naturlehrpfades, weit in die Felder hinaus, sind entlang des Weges fünf neue Stationen entstanden, die für Spaziergänger einige Informationen und zugleich originelle Sitzgelegenheiten bereithalten.

Die wurden zur Einweihung des 2,3 Kilometer langen Pfades ausgiebig von vielen Goßfeldenern und Mitarbeitern der Gemeinde erkundet und erprobt. Grundlage für die Entstehung des neuen Info-Pfades war auch eine dieser besonderen Sitzbänke, die Tischler-Künstler Udo Achenbach entworfen hat und die in der Verwaltung direkt für Begeisterung sorgte, berichtet Bürgermeister Manfred Apell. Diese und weitere Werke sollten noch mehr zur Geltung gebracht, zugleich mit der Geschichte der einst stark von der Landwirtschaft geprägten Region verknüpft werden. Die Idee für einen Landwirtschaftspfad war geboren.

Region fördert den Landwirtschaftspfad

Die Gemeinde erstellte dann gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Biodiversität – Nachhaltiges Leben in Lahntal“ in den letzten drei Monaten ein Konzept für den neuen Lehrpfad: Die Ehrenamtlichen planten mithilfe einiger Verwaltungsmitarbeiter Infotafeln und die Gestaltung der einzelnen Stationen, und es wurden Fördergelder beschafft – die Region Burgwald-Ederbergland fördert den Landwirtschaftspfad zu 80 Prozent.

Davon gibt es fünf und mit insgesamt acht Schautafeln eine Fülle an Informationen zur Landwirtschaft. Von der Herstellung von Lebensmitteln, über Biodiversität bis zu technischen Errungenschaften.

Hier und da kommen auch einige historische Exemplare neu zur Geltung, in dem ausgemusterte Maschinen einen neuen Zweck erhalten: So entstehen aus alten Stücken wie Pflug, Grubber oder Egge ausgefallene Sitzbänke. Auch eine alte Sämaschine etwa aus dem Jahr 1920 hat hier einen neuen Zweck erhalten.

Die Idee dazu kam Udo Achenbach ganz spontan. Der Schlosser aus Breidenbach arbeitet privat gerne auch mit Holz, befasste sich für das Projekt mit der Geschichte der historischen Gerätschaften und baute sie dann zu Bänken um, jedes Stück ein Unikat. „Das hat wirklich Spaß gemacht und es kommt viel positives Feedback“, freut sich der Tischler-Künstler.

Die originellen Konstruktionen sollen einen zusätzlichen Anreiz bieten, den Pfad zu besuchen. Die Kombination aus Bank und Themenschwerpunkten ist zugleich eine Anregung für Gespräche rund um das Kernthema, soll den gegenseitigen Austausch der Passanten anspornen, „der Kopf soll zum Denken kommen“, betont Apell.

Das ganze Konzept mache den Pfad zu etwas Besonderem, zudem sei er das erste Projekt dieser Art im Landkreis, „er steigert nicht nur die Lebensqualität in der Gemeinde, sondern er ist eine Bereicherung für Lahntal, für unsere ganze Region“. Auch wenn der Pfad noch ein paar Lücken aufweist, die eventuell über weitere Landwirtschaftspfade in anderen Ortsteilen noch geschlossen werden könnten.

Das freut besonders Landwirt Bernhard Groß, eigentlich „bis zuletzt der größte Kritiker“ des Projekts, der sich mehr Themenvielfalt gewünscht hätte.

Etwa, dass entlang des Weges darüber informiert wird, was auf eben diesem Feld am Wegesrand gerade angepflanzt wurde. „Aber das kann sich ja weiterentwickeln“, hofft Groß.

Der Landwirtschaftspfad beginnt etwa am Ende des Straße „Am Bornrain“, an der Abzweigung Michelbacher Weg, und führt über eine befestigte Strecke zwischen den Feldern, er ist auch für Rollstühle und Kinderwagen geeignet.

Nabu und Kirchengemeinde laden zum Spaziergang

Auch beim Goßfeldener Naturlehrpfad hat sich einiges getan. Die Nabu-Ortsgruppe und die Kirchengemeinde Goßfelden-Sarnau veranstalten daher am 31. Oktober einen Spaziergang entlang des mit größtenteils neuen Tafeln bestückten Naturlehrpfades und laden alle Naturinteressierten zur Teilnahme ein. Zu den Tafeln werden einige Details erklärt, parallel können die fantasievollen Sitzgelegenheiten des Landwirtschaftspfades in Augenschein genommen werden.

Der erste Teil der Strecke geht leicht bergan, sodass zwischendurch eine kleine Kaffeepause eingelegt wird. Beginn ist um 10 Uhr an der alten Brücke in Goßfelden. Die Dauer beträgt etwa zwei Stunden. Im Anschluss daran findet gegen 12 Uhr eine Kurzandacht in der Goßfeldener Kirche statt. Und nicht vergessen – in der Nacht zuvor werden die Uhren umgestellt.

Von Ina Tannert