Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Der Baum als letzte Ruhestätte
Landkreis Nordkreis Der Baum als letzte Ruhestätte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 07.12.2020
Mitarbeiter der Firma Quercus Grüngestaltung pflanzten die neuen Grabbäume auf den Friedhof von Cölbe.
Mitarbeiter der Firma Quercus Grüngestaltung pflanzten die neuen Grabbäume auf den Friedhof von Cölbe. Quelle: Foto: Ina Tannert
Anzeige
Cölbe

Elf neue Bäume stehen seit kurzem auf dem Friedhof in Cölbe – allerdings nicht als reine Natur-Deko, sondern als Ausgangspunkt für eine neue Bestattungsform. Mit den Neupflanzungen gibt die Gemeinde den Startschuss für Beerdigungen im Baumgrab. Die Bäume – Ahorn, Linde oder Rubinie – stehen in einem eigenen Bereich auf dem Friedhofsgelände.

Um sie herum finden jeweils bis zu zwölf Urnengräber Platz. Grabsteine oder Kreuze wird es am Baumgrab nicht geben, ganz anonym ist es aber nicht, auf die Verstorbenen werden einmal kleine Gedenkplaketten an den Bäumen hinweisen.

„Bestattungsform der Zukunft“

Bisher wurde dort noch niemand beerdigt, aber der Bedarf nach pflegeleichten Gräbern steigt seit Jahren, „das Interesse ist groß“, sagt Bürgermeister Dr. Jens Ried. Schon bevor die Bäume in Cölbe standen, habe es bereits Anfragen aus anderen Ortsteilen gegeben, auch dort welche zu pflanzen. „Das gibt uns darin Recht, dass dies eine Bestattungsform der Zukunft ist“, sagt Ried.

Das klassische Grab werde immer weniger als früher nachgefragt, eine Entwicklung, die schon seit vielen Jahren erkennbar ist und viele Gründe hat. Etwa eine andere Begegnung mit dem Tod im Alltag: Wo früher Kirchen und Gräber eine Einheit bildeten, wo man auf dem Weg ins Gotteshaus automatisch über den Friedhof ging, sieht das heute anders aus. Die Bedeutung des klassischen Grabes geht zurück.

„Das ist schon ein steter Prozess, seit Kirchen und Friedhöfe getrennt wurden“, erklärt der Pfarrer. Zudem in schnelllebigen Zeiten, wo eine ganz andere Form der Mobilität herrscht, wo nicht mehr viele Generationen unter einem Dach leben und auch nicht mehr alle am selben Ort bleiben. Wenn die Kinder verstorbener Eltern hunderte Kilometer weit weg leben, können sie kaum über Jahrzehnte regelmäßig die Grabpflege übernehmen. Die Konsequenz: „Man muss heute flexibler sein.“

Bestattungen in der platzsparenden Urne nehmen weiter zu, „immer mehr setzen heute auf das Verbrennen, weil das viele für hygienischer halten und es weniger Pflegeaufwand bedeutet“, schätzt Ried. In das neue Grabbaum-Feld investierte die Gemeinde rund 11 000 Euro. Perspektivisch lasse sich das auch noch ausweiten, vielleicht auch andernorts weitere aufbauen.

Von Ina Tannert