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Nordkreis Das Testkit kommt ins Klassenzimmer
Landkreis Nordkreis Das Testkit kommt ins Klassenzimmer
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09:58 16.04.2021
Schülerin Zoé nimmt einen Nasenabstrich mit dem Tupfer vor.
Schülerin Zoé nimmt einen Nasenabstrich mit dem Tupfer vor. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Vorsichtig führt Zoé mit spitzen Fingern den langen Tupfer in Richtung Nase, sie kraust die Stirn, gerne macht sie das nicht, wartet schon auf das Kitzeln. Das kommt auch, „das kitzelt immer und ist unangenehm, es tut aber nicht weh“, lautet das Fazit der Siebtklässlerin beim Corona-Selbsttest am Mittwoch an der Wollenbergschule Wetter (WSW).
Noch sind Ferien, dennoch sitzen dort auf drei Klassenräume verteilt 33 Schülerinnen und Schüler des siebten und achten Jahrgangs und büffeln fleißig im Lerncamp. Die Schule ist eine der wenigen, die ein Lerncamp in der letzten Ferienwoche anbietet: Die Jugendlichen holen rund drei Stunden am Tag das nach, was im Fernunterricht vielleicht auf der Strecke geblieben ist, üben Mathe, Deutsch und Englisch.

Es ist eine kuriose Situation: Sie waren seit Monaten nicht da, sind seit Dezember im Distanzunterricht und sitzen nun in ihren Ferien in ihrer Schule, ab Montag dann wieder im Fernunterricht. Der gilt ab Klasse sieben hessenweit, ausgenommen sind die Abschlussklassen. Die Klassen eins bis sechs sollen hessenweit im Wechselmodell bleiben.
Gestern wurde allerdings bekannt, dass sich das für Landkreise ab einer Inzidenz von 200 – wie in Marburg-Biedenkopf der Fall – ändern könnte. Wie die Hessenschau und andere Medien berichten, sollen laut des hessischen Kultusministeriums alle Klassen, auch die Jahrgangsstufen eins bis sechs, wieder zum Distanzunterricht zurückkehren, wenn die Inzidenz in dem Kreis diesen Grenzwert überschreitet. Ausgenommen wären die Abschlussklassen. Das im Rahmen eines „Brücken-Eskalationskonzeptes“, zur Überbrückung, bis über die Änderung des bundesweiten Infektionsschutzgesetzes entschieden sei.

Das würde auch Marburg-Biedenkopf als eine von sieben hessischen Kommunen mit hoher Inzidenz betreffen. Auf OP-Nachfrage hieß es am Donnerstagabend seitens des Landkreises, man befinde sich noch in der Abstimmung. Unabhängig von der überraschenden möglichen Schließung, haben sich die Schulen über die Ferien auf den Schulstart bei gleichzeitigem Coronatest-Start eingestellt. An der WSW wurden die Lerncamp-Schüler von drei Vertretungslehrern unterrichtet, die zugleich – ebenso Schulleiter Andreas Irle – als Testhelfer für die Antigen-Schnelltests geschult wurden. Als Vorbereitung auf die Testpflicht.

Die sieht vor, dass Schüler wie Lehrkräfte zwei Mal in der Woche einen aktuellen negativen Test – höchstens 72 Stunden alt – vorweisen, der entweder mitgebracht wird oder für den an der Schule ein Schnelltest durchgeführt wird. 2 500 Testkits liegen dafür an der WSW bereit. Im Lerncamp wurden im Unterricht erste Erfahrungen damit gesammelt.

Test gibt Schülern mehr Sicherheit

Die Selbsttests laufen unter Aufsicht der Lehrkraft direkt am Platz im Klassenzimmer, jeder desinfiziert sich vorher die Hände. In einer Klasse verteilt Lehrerin Karin Lincke die Testkits – darin finden sich Abstrichtupfer, Teststreifen, Extraktionspuffer, die Flüssigkeit in einem Plastikröhrchen, in das der benutzte Tupfer gesteckt wird. Der wird fünf Mal in jedem Nasenloch gedreht, wandert dann in das Röhrchen samt der Lösung.

Von der tröpfeln die Schüler im letzten Schritt vier Tropfen auf den Teststreifen. Dann heißt es 15 Minuten auf die Ergebnisse warten. Derweil beginnt schonmal der Unterricht. Stören die Jugendlichen die Test-Durchläufe? Toll finden sie den Nasenabstrich nicht, berichten viele offen, „die Tests vor dem Unterricht stören mich aber nicht, so weiß man wenigstens, ob man positiv ist oder nicht“, erzählt Leon. „Ich fühle mich dadurch sicherer, auch wenn der Test nicht zu 100 Prozent sicher ist“, sagt Lina. Das empfindet Zoé anders, sie macht mit, sieht aber bei dem Test keine ausreichende Sicherheit gegeben, erzählt die Siebtklässlerin. Die Uhr klingelt, die Wartezeit ist um. Lehrerin Lincke überprüft die Tests, ob und wo bei Kontroll-Linie (C) und Testlinie (T) eine Markierung aufgetaucht ist. Alle Tests sind negativ, alle Schüler erleichtert.

Was würde passieren, wenn ein Ergebnis positiv ausfällt? In dem Fall würde der betroffene Schüler von den anderen getrennt und im Sanitätsraum der Schule auf die Eltern warten, weiß Jonathan. Die werden dann benachrichtigt, ebenso das Gesundheitsamt, die Schule hat eine Meldepflicht, ergänzt der Schulleiter. Der Schüler müsste dann das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigen lassen.

Das Schnelltest-Prozedere sollen alle Schüler und Lehrkräfte im Präsenzunterricht zwei Mal in der Woche durchführen. Dafür leiten die vier geschulten Testhelfer die Kollegen an und begleiten die Klassen in den ersten Stunden. So ist bislang zumindest der Plan. Die Tests sollen auf Anordnung des Kultusministeriums bereits am Montag in den Schulen in Hessen beginnen, an denen Präsenzunterricht stattfindet. Datenschutz- und Einverständniserklärungen der Eltern müssen dann vorliegen.

Schüler, die keine Erklärung und keinen aktuellen negativen Test haben, würden vom Präsenz-Unterricht ausgeschlossen werden, so die Anordnung vom Land. Diese könnten dann – mit Erklärung der Eltern – in den Distanzunterricht wechseln.

Von Ina Tannert

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