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Nordkreis So wird man Corona-Schnelltesthelfer
Landkreis Nordkreis So wird man Corona-Schnelltesthelfer
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13:00 22.04.2021
Schulung für die Testhelfer von der Feuerwehr Wetter im Schulungsraum des St.-Elisabeth-Vereins in Cölbe: Fabian Blumberg (links) nimmt bei Vater Holger Blumberg einen Abstrich vor.
Schulung für die Testhelfer von der Feuerwehr Wetter im Schulungsraum des St.-Elisabeth-Vereins in Cölbe: Fabian Blumberg (links) nimmt bei Vater Holger Blumberg einen Abstrich vor. Quelle: Ina Tannert
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Cölbe

Bequem ist wahrlich kein Begriff, der sich für die komplette Vollmontur an Schutzkleidung für Corona-Tester als Beschreibung anbietet. Das Visier über der Maske ist ungewohnt, die Handschuhe sitzen stramm, es ist warm unter dem ganzen Plastik, bei jeder Bewegung raschelt der Schutzanzug. Doch um Bequemlichkeit geht es den zwei Dutzend Menschen auch nicht, die an diesem Tag zur Testhelfer-Schulung beim St.-Elisabeth-Verein in Cölbe angetreten sind.

Es geht um Schutz in mehrfacher Hinsicht: Den zumindest halbwegs sicheren Schutz, den ein Corona-Schnelltest für den Moment bieten kann – und darum, dass sich die Testhelfer so gut es geht selber schützen. Schließlich kommen sie in direktem Kontakt mit potenziell Erkrankten.

Lehrer lernen mit der Feuerwehr gemeinsam

Aus dem Grund steht vor allem anderen erstmal Hygiene auf dem Lehrplan. Einen Nasenabstrich durchzuführen, „das ist keine Raketenwissenschaft, birgt aber auch Gefahren“, warnt Betriebsarzt Dr. Jan-Christof Oehler. Vor allem für die mit dem Tupfer in der Hand, die dabei durchaus von der anderen Seite angehustet und angeniest werden können, zwangsläufig mit Aerosolen in Kontakt kommen. Wenn das Gegenüber dann tatsächlich ein Corona-Patient ist, kann sich auch der unvorsichtige Tester schnell in Quarantäne wiederfinden, „darum ist Arbeitsschutz so wichtig“, mahnt der Mediziner.

Daher wird nun erstmal die Schutzausrüstung angelegt. Raschelnd verschwindet die Alltagskleidung unter gelben Einmalkitteln. Es folgen Handschuhe und Gesichtsvisiere, die neben der vorgeschriebenen FFP-2-Maske einen zusätzlichen Schutz bieten, etwa vor umherfliegenden Sekreten, „Sie glauben gar nicht, was an einem Tag so alles auf einem Visier landet“, prophezeit Oehler.

Die ungewohnte Ausrüstung ist ein Störfaktor, gibt aber in der nächsten halben Stunde gefühlt mehr Sicherheit. Und ist sowieso Pflicht, künftig auch bei jeder Schicht in einem der Testzentren der Altenhilfe St. Elisabeth, über die in Kooperation mit der Stadt Wetter auch die Schulungen laufen. Neben zwei Lehrkräften – und einer Journalistin – sind alle weiteren Teilnehmer an diesem Tag Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wetter, allesamt in der Einsatzabteilung.

Und die sind eine noch deutlich unbequemere Arbeitsmontur gewohnt. Von Kopf bis Fuß in Plastik verpackt geht es also konzentriert ran an die Testkits: Abstrich-Röhrchen und -Tupfer, Test-Streifen und -Lösung werden ausprobiert, jeder führt einen Test beim Nachbarn durch. Der Prozess ist bekannt, das überlange Wattestäbchen seinem Gegenüber zweieinhalb Zentimeter tief in die Nase zu schieben erfordert aber dennoch einiges an Überwindung. Augen zu und durch, es hilft ja nichts. Hier und da ist leises Keuchen der Nachbarn zu hören, jemand niest. Bei manchem ist die Nase spürbar empfindlicher als bei anderen.

Das Vater-Sohn-Duo am Nebentisch nimmt es mit Humor: Fabian Blumberg führt gerade bei Vater Holger Blumberg grinsend einen Abstrich durch, „jetzt geht es los, nicht zucken“, witzelt der Sohn. Es klappt problemlos, der Tupfer landet in der Abstrich-Flüssigkeit. Auch alle anderen überstehen den ersten Testlauf, der am Ende ausschließlich negative Ergebnisse liefert.

Eine Ecke weiter tröpfelt Diana Burk gerade die Lösung vorsichtig auf den Teststreifen, der sich langsam vollsaugt. „Es geht gut voran“, berichtet die Lehrerin der Julie-Spannagel-Schule, die sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Röthinger zu Testhelfern schulen lässt. „Nur so können wir überhaupt die Schüler testen“, sagt Burk.

Nach der Schulung gibt es ein Zertifikat

Die Feuerwehrfrauen und -männer wiederum werden als Testhelfer in Teilzeit über die Altenhilfe St. Elisabeth Wetter arbeiten, die immer weitere Testzentren im Norden aufbaut. Und die neuen Mitarbeiter werden auch entlohnt, machen das aber neben ihren eigentlichen Berufen. Warum haben sie sich für diese Zusatzarbeit in ihrer Freizeit entschieden? „Weil wir sowieso Freund und Helfer sind“, sagt Julia Läßig sofort. Manche schmunzeln, aber tatsächlich war die ständige Einsatzbereitschaft bei einigen mit ausschlaggebend, als der Aufruf der Stadt nach mehr Testhelfern kam. Sie wollen mit anpacken und dazu beitragen, dass mehr getestet werden kann.

Nach der knackig-kurzen Schulung können sie das auch mit einem offiziellen Zertifikat in der Tasche und etwa beim Wetteraner Testcenter in Amönau oder der Stadthalle eingesetzt werden. Hinzu kommen ab Montag die mobilen Testcenter für die Stadtteile. Viele der neuen Testhelfer wohnen verstreut auf den Dörfern, „das ist besonders praktisch, weil sie direkt vor Ort sind und wir mit genügend Personal unkompliziert testen können“, lobte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, der ebenfalls an der Schulung teilnimmt.

Er bemängelt ein „Wirrwarr der Verordnungen“ bei der Corona-Strategie auf Bundes- und Landesebene, will mit einer Ausweitung der Test-Kapazitäten ein Stück weit gegensteuern. „Wir müssen eigeninitiativ werden und unsere eigenen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Spanka. Dabei ist die Feuerwehr mit im Boot, und weitere Tester in spe haben sich bereits für die nächsten Schulungen gemeldet.

Rotierende Testcenter

Ab Montag werden die mobilen Testcenter von Wetter in verschiedenen Stadtteilen vor Ort sein, die ersten Standorte stehen nun fest. Anmeldungen für die festen und die mobilen Zentren online unter https://coronatestcenter.altenhilfe-elisabeth.de oder über die Hotline des St.-Elisabeth-Vereins unter 0 64 21/3 03 82 85 (Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr).

Unter www.wetter-hessen.de werden die Standorte für die rotierenden Testzentren jeweils aktuell bekannt gegeben. An diesen Wochentagen finden die Testungen in folgenden Orten immer zwischen 16 und 19 Uhr statt:

  • Mellnau: Montag
  • Warzenbach: Dienstag
  • Oberrosphe: Mittwoch
  • Unterrosphe: Donnerstag
  • Treisbach: Freitag

Von Ina Tannert