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Nordkreis Corona-Herbst ohne Süßes und Saures
Landkreis Nordkreis Corona-Herbst ohne Süßes und Saures
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15:24 30.10.2020
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Sterzhausen

Mit der großen Betonfigur fing es an vor drei Jahren. „Das hatte ich irgendwo im Internet gesehen und habe gleich angefangen zu bauen“, sagt Sabine Hofmann, Eine schaurige Maske, ein Knotenstock und weiße, wabernde Stofffetzen zieren den grauen Gesellen in diesen Tagen. Das sieht ein wenig nach Gevatter Tod aus, doch auch die Herrschaften neben und hinter ihm sehen nicht gerade vertrauenerweckend aus.

„Ich mochte schon immer Horrorfilme“

Von einer der Schaufensterpuppen, die Sterzhäuserin vom Sperrmüll gerettet hat, ragen nur noch die Beine aus dem Boden, ein Gerippe glotzt mit hohlen Augen auf den Dammweg, gleich mehrere, kleine Mörderpuppen, knallorangefarbene Kürbisse, Herbstlaub und giftig aussehende Pilze komplettieren die Kulisse.

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„Ich habe einfach Spaß am Dekorieren“, sagt die 51-Jährige: „Und ich bekomme jede Menge positives Feedback von vorbeikommenden Radfahrern. Ihren Vorgarten schmückt sie mehrmals im Jahr, jeweils der Saison angepasst, doch Halloween ist für Sabine Hofmann etwas ganz Besonderes: „Ich mochte schon immer Horrorfilme“, gesteht sie, dabei hat sie einen ganz und gar „ungruseligen“ Beruf“: Sie arbeitet in der Schulbetreuung. „Auch dadurch sind in den Vorjahren immer viele Kinder zu mir gekommen, aber unter den gegebenen Umständen bezweifele ich, dass am Samstag viel los sein wird.“ Eine gute Lösung für Corona-konformes „Trick-or-Treating“ sei ein Schild am Haus, auf dem steht, dass Kinder klingeln oder klopfen sollen, dann ihre Sammelbehältnisse vor der Tür abstellen, zurücktreten und ihre „Beute“ erst dann in Empfang nehmen, wenn der Hausherr die Tür bereits wieder geschlossen hat.

Gruseliges Fotoshooting

Doch es dürfte nicht allzu viele Eltern geben, die ihre Kinder angesichts der Pandemielage durch die Straßen ziehen lassen. Gesundheitspolitiker und Mediziner raten ohnehin dringend dazu, die traditionellen Sammelaktionen in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Was also tun, wenn die Hexen- und Monsterkostüme bereits gebastelt sind, im Schnitz-Kürbis schon die Kerze flackert und die Lust auf Süßes gestillt werden will? Eine Idee für ratlose Eltern: ein Foto-Shooting daheim. Die Kinder können sich in den eigenen vier Wänden verkleiden und die Fotos dann als Gruselgruß an ihre Freundinnen, Freunde, Onkel, Tanten und Großeltern schicken. Oder die ganze Familie kostümiert sich und ruft gar per Video-Chat an. Davon allerdings ist noch nicht der Hunger auf Schokoriegel, Bonbons oder Kekse gestillt. Was bei der Ostereiersuche funktioniert, lässt sich auch zu Halloween organisieren: Eltern können das Naschwerk in der Wohnung oder im Garten verstecken.

Süßigkeitensuche in der Wohnung oder im Garten

Am meisten Spaß macht die Suche dann, ausgerüstet mit Taschenlampen, nach Einbruch der Dunkelheit.

Und wer es sich nach der Süßigkeitensuche gemütlich machen will, nascht auf dem Sofa und lässt sich eine Gruselgeschichte erzählen oder schaut mit der ganzen Familie einen Film. Ein bisschen gruselig darf der schon sein, aber Eltern sollten natürlich auch auf das Alter und die Empfindsamkeit ihrer Kinder Rücksicht nehmen. Insbesondere Sender wie Sat.1 und Pro 7 bieten nach Einbruch der Dunkelheit Grusel nonstop (s. Infokasten).

Wer sich nicht so viel Mühe mit der Halloween-Inszenierung macht wie Sabine Hofmann, aber auf den letzten Drücker noch ein bisschen Schauer-Atmosphäre herstellen will, findet noch immer genug Deko-Materialien im Einzelhandel. Dort mussten sich die Plüschspinnen, Klappergerippe und Totenkopf-Lichterketten zwar schon von den Adventskalendern, Nikolausmützen und Holzrentieren in die zweite Reihe verdrängen lassen, doch ausverkauft ist die Saisonware noch lange nicht. Auch der Kürbis zum Fratzenschnitzen und Suppekochen ist noch überall auf Lager. Da ist der Fantasie keine Grenze gesetzt, Hokkaido oder Muskat – ganz egal, nur das Fleisch von Zierkürbissen hat in der Suppe nichts zu suchen. Wohl bekomm’s!

Von Carsten Beckmann