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Nordkreis Cölber beim Klimaschutz „sehr aufgeschlossen“
Landkreis Nordkreis Cölber beim Klimaschutz „sehr aufgeschlossen“
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10:00 06.10.2021
Wie klimafreundlich ist der eigene Alltag? Das fragte sich beim Aktionstag in Cölbe auch Christian Weigand (Region Burgwald-Ederbergland) und prüfte das eigene Verhalten an der Klimaschutz-Wand.
Wie klimafreundlich ist der eigene Alltag? Das fragte sich beim Aktionstag in Cölbe auch Christian Weigand (Region Burgwald-Ederbergland) und prüfte das eigene Verhalten an der Klimaschutz-Wand. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Cölbe

Wie nachhaltig gestalten die Cölber ihren Alltag, wo gibt es noch Verbesserungspotenzial und wie gelingt der Gemeinde das große Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein? Um die ganz großen Themen der Zukunft drehte sich letzte Woche der Aktionstag zum siebten Tag der Nachhaltigkeit.

Den veranstalteten die Gemeinde und der St. Elisabeth-Verein gemeinsam auf dem WABL-Gelände, wo sich Klimaschützer, Organisationen, Unternehmen und weitere Aussteller mit den Schwerpunkten Mobilität, Ernährung, Konsum und Digitalisierung den Besuchern vorstellten. Von einem Besucheransturm konnte nicht die Rede sein, am Tag vor dem Start ins große Festwochenende der Gemeinde fanden sich weniger Gäste ein als von den Veranstaltern erhofft. Doch jene, die vorbei kamen, denen liegt der Klimaschutz besonders am Herzen.

Das war auch während der Podiumsdiskussion spürbar, bei der Bürgermeister Dr. Jens Ried und Helmut Fiedler, Vorsitzender der Gemeindevertretung, Stellung zu den Klimaschutz-Zielen der Cölber Jugend nahmen. Dazu wurden im Vorfeld über das Projekt Klimaschutz im Alltag Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde und Jugendwohngruppen des St. Elisabeth-Vereins nach ihren Wünschen und Anregungen für ein möglichst klimaneutrales Zukunftshandeln befragt.

Die Jugendlichen waren allerdings nicht auf dem Podium zu finden, somit flossen die Ergebnisse der Umfrage über Moderator Sebastian Sack, Vorsitzender des Kreisjugendrings Marburg-Biedenkopf, mit ein. Ried und Fiedler stellten ihre eigenen Visionen für ein nachhaltiges, klimafreundliches Zusammenleben vor, hoben hervor, dass sich Kommunen nicht mit dem Argument wegducken dürften, das global tragende Thema sei auf kommunaler Ebene nicht zu lösen.

Dennoch gibt es Grenzen, vor allem bei der Finanzierung: „Der große Faktor ist Geld“, so Ried. Er würde sich da mehr Unterstützung vom Land wünschen, etwa Klima-Investitionen über den kommunalen Finanzausgleich ausgleichen und damit flächendeckend Anreize setzen.

Den künftigen Wohnungsbau im Blick

Zwar hänge vieles an der Gemeindekasse, dennoch könnten Kommunen vieles tun, um ein klimafreundliches Verhalten zu fördern, die Bürger motivieren, Vorbild sein und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: etwa nachhaltige Bauvorhaben fördern, Solarparks in Bürgerhand unterstützen, weitere Carsharing-Projekte und Mitfahrbänke installieren und bewerben. Ein Thema, das dabei immer wieder auftaucht, ist der Wohnraum, den auch die Jugend sehr interessiert. Wie die Umfrage ergab, wollen Jugendliche durchaus weiter auf dem Land leben, ihren Heimatort mitgestalten und brauchen dazu bezahlbare Wohnungen, fasste Sack zusammen. Fiedler konterte hier direkt mit einem Appell in Richtung Gemeinde: Die sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, den sozialen Wohnungsbau stärker zu fördern, am besten selber in die Hand zu nehmen – statt Investoren einfach nur Bauland abzutreten, sich dann zurückzuziehen, sollte die politische Gemeinde am Ball bleiben, den Wohnungsbau selber gestalten.

Über die Bebauungspläne könnte zudem mehr Einfluss auf künftige Bauformen, ebenso wie auf eine klimafreundliche Gestaltung genommen werden – etwa Photovoltaikanlagen auf den Dächern. „So können wir noch mehr für mehr Klimaschutz machen“, betonte Fiedler.

Ein Zuhörer warf ein, dass der klassische Traum vom üppigen Einfamilienhaus mit viel verbrauchter Grundfläche für wenige Bewohner mehr und mehr ausgedient habe, Platzmangel und Klimaschutz zu neuen Wohnkonzepten zwingen. Wie schafft es eine Kommune, die Menschen dahingehend zum Umdenken zu bewegen? Für den Bürgermeister stehen hierbei zwar durchaus Einschränkungen an, das Einfamilienhaus befinde sich aber nicht per se vor dem Aus, findet Ried. Es sei weniger ein völlig neues Lebenskonzept notwendig als vielmehr ein „realistisches Nachdenken“, wie künftig gebaut werden müsse. Vom übermäßigen Flächenverbrauch hin zum nachhaltig und langfristig geplanten Haus, das kleiner und auch noch im Alter bewohnbar ist.

Die Gemeinde stehe dabei in der Pflicht, über mögliche strengere Vorgaben zugunsten der Umwelt aufzuklären, statt diese anderen einfach aufzudrücken. Er gehe jedoch davon aus, dass gerade die Cölber bei Klimaschutzthemen „sehr aufgeschlossen“ sind, sowohl Bürger wie Unternehmen zurückstecken könnten.

Das Thema müsse weiter vorangetrieben werden, anders sei das ehrgeizige Klimaschutzziel erst gar nicht zu erreichen, hob schon zuvor Ulrich Kling-Böhm vom Vorstand des St. Elisabeth-Vereins hervor: Man habe sich „gemeinsam auf den Weg gemacht, um beim Klimaschutz besser zu werden – noch sind wir aber nicht soweit, wie wir sein wollen“.

Von Ina Tannert