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Nordkreis Cölber Kunstrasenpläne vor dem Aus
Landkreis Nordkreis Cölber Kunstrasenpläne vor dem Aus
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13:57 07.11.2019
Ein Kunstrasenplatz im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Beanspruchung und nicht zuletzt die Temperatureinflüsse sorgen ­irgendwann auch bei solchen Spielflächen für Probleme. Quelle: Thorsten Richter
Cölbe

Im August 2018 beschloss die Cölber Gemeindevertretung, den FV Cölbe beim Bau eines Kunstrasenplatzes mit einem mittleren sechsstelligen Betrag zu unterstützen. Mittlerweile gibt es vier gewichtige Gründe, die den Gemeindevorstand dazu veranlassen, den Gemeindevertretern vorzuschlagen, die Rücknahme dieses Beschlusses zu betreiben.

Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried hatte bereits zur Haushaltseinbringung deutlich gemacht, dass die finanziellen Mittel in 2020 nur zur Verfügung stehen, wenn bei den Haushaltsberatungen andere Investitionen, unter denen sich sogar Pflichtaufgaben befinden, zurückgestellt werden. Dazu komme noch, dass man gar nicht sicher sein könne, dass die 510.000 Euro letztendlich ausreichen.

Angst vor Kostenexplosion

Die Gemeinde habe wie viele andere auch bei ihren letzten Bauvorhaben die Erfahrung machen müssen, dass die Baupreise extrem angestiegen sind. Sollte der Kunstrasenplatz gebaut werden, trägt die Gemeinde als Eigentümer des Platzes das Risiko, nachfinanzieren zu müssen, falls das Geld für eine Fertigstellung nicht ausreicht.

Darüber hinaus habe der Vorsitzende des FV Cölbe Jürgen Prior die Mitglieder des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses sowie des Haupt- und Finanzausschusses, die im September gemeinsam tagten, davon in Kenntnis gesetzt, dass die eingeplanten Zuschüsse von Dritten nicht sicher seien.

Verbot von Kunstrasenplätzen droht

Als weiteren Punkt, der jetzt gegen eine Unterstützung spreche, bringt der Gemeindevorstand eine Sache wieder ins Spiel, vor der der SPD-Gemeindevertreter Heinrich Friedrich ziemlich auf verlorenen Posten gewarnt hatte: die Umweltschädlichkeit von Kunstrasenplätzen.

Auch wenn man kein Kunststoffgranulat verbauen wolle, könne es mittlerweile schon bald dazu kommen, dass Neubauten von Kunstrasenplätzen generell verboten werden.

Im Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss stand nicht nur der Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes auf der Tagesordnung, sondern auch der in den Ausschuss verwiesene Antrag von SPD und Grünen zur Thematik Kunstrasenplatz. Die aktuellen Entwicklungen ließen SPD und Grüne diesen Antrag zurückziehen.

Aus 510.000 werden 110.000 Euro

Einstimmig votierten die Ausschuss-Mitglieder dafür, der Gemeindevertretung den Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes zur Annahme zu empfehlen. Dieser besteht allerdings nicht nur aus der Rücknahme der 510.000-Euro-Unterstützung. Die Gemeinde soll stattdessen dem FV Cölbe einen Betrag in Höhe von 110.000 Euro für Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

Diese Summe kommt aus dem Kommunalen Entwicklungsfonds des Landkreises, der für Cölbe insgesamt 150.000 Euro vorsieht, die weiterhin für die Förderung des Sports in der Gemeinde Cölbe zur Verfügung stehen sollen.

So bleiben dann für 2020 noch 40.000 Euro, die aufgesplittet in je 20.000 Euro dem SV Schönstadt für die Erneuerung des Rasenplatzes und dem FV Bürgeln zur Dachrenovierung des Sportheims zur Verfügung gestellt werden sollen. Nach dem Umwelt-Ausschuss stimmt auch der Sport-, Kultur- und Sozialausschuss einstimmig für den Vorschlag des Gemeindevorstandes.

Plastikgranulat in der Kritik

Für Heinrich Friedrich übrigens eine sehr erfreuliche Botschaft. „Nun, in erster Linie spielt hier schon der finanzielle Aspekt eine Rolle, aber natürlich freue ich mich, dass so auch die Umwelt verschont bleibt“, sagt er gegenüber der OP.

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Der Landkreis Marburg-Biedenkopf bot zusammen mit dem Hessischen Landessportbund vor wenigen Tagen ­eine Informationsveranstaltung zum Thema Kunstrasenplatz an. Friedrich nahm daran teil und zeigte sich überrascht, dass es mit dem Plastikgranulat offensichtlich noch mehr Probleme gibt, als angenommen.

„Einer sprach davon, dass das Granulat nach einer siebenjährigen Nutzung an den Schuhen der Spieler haften bleibe“, berichtet Friedrich. Sand statt Plastik sei auch nicht so der Bringer, weil der „Rasen“ schlechter bespielbar und die Verletzungsgefahr höher sei. Grundsätzlich, so Friedrich, hätte der FV Cölbe wohl noch ein Genehmigungsproblem bekommen, weil Kunstrasenplätze nicht in Überschwemmungsgebieten gebaut würden.

Dritter Ausschuss stimmt zu

Auch der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde­ entschied sich, der Gemeindevertretung zu empfehlen, den Beschluss aus 2018 zurückzunehmen. Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried freut sich darüber, dass die Gemeindevertreter die Notwendigkeit für die Rücknahme akzeptieren.

Es ist ihm aber auch wichtig, dass dieser Beschluss sich nicht gegen das konkrete Projekt des FV Cölbe richtet. „Diese Entscheidung sei einer veränderten Finanzsituation geschuldet“, so Ried. Er sei aber sehr froh, dem FV Cölbe 110.000 Euro für die Sanierung des Rasenplatzes zusagen zu können.

In Sachen Haushalt ist er nun auch zuversichtlich. Die Eckdaten seien nun vom Land an die Gemeinde Cölbe versandt und schon eingearbeitet worden. Das Plus im Ergebnishaushalt sei auf 100.000 Euro angestiegen. 

Die endgültige Entscheidung fällt am Donnerstag, 7. November, während der Gemeindevertretersitzung in der Gemeindehalle Cölbe, die um 19.30 Uhr beginnt. Unter anderem soll an diesem Abend auch der Haushalt 2020 beschlossen werden.

von Götz Schaub