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Landkreis Nordkreis Mehr als klassische Altenhilfe
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09:58 17.08.2021
Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Teilnehmer schrieb Hildegard Otto im Workshop Stichpunkte für das Seniorenkonzept von Cölbe nieder.
Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Teilnehmer schrieb Hildegard Otto im Workshop Stichpunkte für das Seniorenkonzept von Cölbe nieder. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Schönstadt

Welche Angebote für Senioren gibt es in der Gemeinde Cölbe? Was fehlt, was kann verbessert werden, um der älteren Generation im Alltag etwas zu bieten, zum Mitmachen zu bewegen und die nötige Infrastruktur zu sichern, um auch im Alter gut vor Ort leben zu können? Diese Fragen stellen sich gerade in der Kommune, die ihr Seniorenkonzept weiterentwickeln will.

Und da fragt man am besten jene Menschen, die bereits oder so langsam ein Alter erreicht haben, in dem man sich um eben diese Fragen und die Antworten Gedanken macht. Den demografischen Wandel und die aktuelle Lage vor Augen kamen daher mehrere Bewohner zum Gedankenaustausch zusammen. Die Moderation des Bürgerworkshops übernahmen zwei Vertreterinnen des Unternehmens „Inwis“, ein Forschungs- und Beratungsinstitut aus Bochum, die sich im Vorfeld die Gemeinde genauer angesehen und vor Ort Interviews mit Senioren geführt hatten.

Zusammen ließen die Teilnehmer die Köpfe rauchen, hielten in verschiedenen Kategorien den Ist- und den Soll-Stand auf großen Tafeln fest, wo eine ganze Reihe an Stichworten landeten. Das Angebot in Cölbe sei bereits vielseitig, von sportlichen und musikalischen Angeboten über Strickcafé und Smartphone-Kurs bis zum Golfplatz und zwei zertifizierten Wanderwegen. Die Nahversorgung ist mit drei Supermärkten zudem gut aufgestellt, in Schönstadt gibt es das Carsharing-Angebot vom Projekt „schöner mobil“, das mit einem Seniorenangebot zum Einkaufen gerade diese Zielgruppe anspricht. Im Vergleich zu anderen Kommunen gebe es vor Ort „schon unglaublich viel, aber es gibt noch mehr Potenzial“, betonte Sozialwissenschaftlerin Katrin Witthaus von Inwis.

Dieses Ausbaupotenzial wurde im Workshop in die Kategorien Mobilität, Wohnen, Gesundheit sowie Gemeinschaft und Begegnung gestaffelt, auch da gibt es viele Ideen: Vom E-Bike-Verleih, dem Carsharing-Ausbau in anderen Ortsteilen bis zum Mehrgenerationenwohnen. Das sind nur einige Beispiele, die auf den Stichwortkarten landeten.

Konkrete Vorschläge für weitere Angebote zur Freizeitgestaltung fanden sich ebenso – Gemeinschaftskochen, Begegnungs- und Tanzcafé oder Boule-Plätzen auf den Dörfern.

Von verschiedenen Seiten wurde außerdem der Wunsch nach einem verbesserten Informationsfluss geäußert, eine konkrete Übersicht aktueller Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten für Senioren: Die Pandemie habe da Spuren hinterlassen, viele Programmpunkte wurden gestrichen, niemand wisse, welche es überhaupt noch gibt oder wieder geben wird, so ein Teilnehmer.

Ein Schwerpunkt kristallisierte sich während der Diskussion besonders heraus – der soziale Kontakt für jene Senioren, die über die üblichen Angebote nicht oder nicht mehr erreicht werden können. Es brauche neue Wege, um gegen eine drohende Isolation im hohen Alter anzugehen, über ein Netzwerk einen stärkeren Austausch zu schaffen. Um damit „die Unerreichbaren zu erreichen – das ist ein grundsätzliches Problem der Seniorenarbeit“, sagte Marie Steinhauer von „Inwis“.

Unterstützung bei Gartenarbeit und Einkäufen

Eine Lösung könne da die Einbindung weiterer Ehrenamtlicher mehr oder weniger vor der eigenen Haustür sein, „die praktische Nachbarschaftshilfe fehlt“, fasste ein weiterer Teilnehmer zusammen. Ansprechpartner für Ältere, eine helfende Hand bei der Gartenarbeit, im Haushalt, Begleitung bei kurzen Wegen. In ganz verschiedenen Alltagsbereichen könnte Unterstützung vor Ort organisiert werden, gerade für ältere, nicht mehr so mobile Mitbürger. Etwa als Einkaufsbegleitung. An einem ähnlichen Angebot arbeitet derzeit bereits die Bürgerhilfe, wie Koordinator Peter Blonien berichtete.

Auch das 2011 gegründete Seniorennetzwerk von Cölbe will mit Unterstützung von Ehrenamtlichen die Seniorenarbeit durch weitere Angebote ergänzen und Generationen vernetzen. Im nächsten Schritt soll nun die Bilanz der Workshop-Teilnehmer aufgegriffen und in Berichtsform gebracht werden.

Mit diesem werden sich im Anschluss die politischen Gremien befassen und weiter darüber beraten, sagte Bürgermeister Dr. Jens Ried. Grundsätzlich gehe es bei der Weiterentwicklung des Konzepts nicht nur um die klassische Altenhilfe, um mehr als Betreuungsangebote und Hilfen für Ältere.

Ried spricht lieber von einem „Seniorenmitgestaltungskonzept“, über das sich ältere Mitbürger aktiv beteiligen und ihr Potenzial mit einbringen könnten.

Ist das Programm einmal fertig, wird es öffentlich vorgestellt, „wir wollen das aber nicht einfach nur einmal präsentieren und dann weglegen“, betont Ried. Vielmehr soll eine Art Leitfaden für die nächsten Jahre entstehen, über den in Zukunft schnell kontrollierbar ist, was von dem Konzept umgesetzt worden ist und was nicht.

Die Gemeinde sammelt weiterhin Impulse aus der Bevölkerung, die bei Cölbes Seniorenbeauftragter Beatrix Parsons einlaufen. Sie ist erreichbar unter 06421/9850-39 oder per E-Mail an parsons@coelbe.de.

Von Ina Tannert

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