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Nordkreis Cölbe verhandelt über Teilnahme an „Lahntal total“
Landkreis Nordkreis Cölbe verhandelt über Teilnahme an „Lahntal total“
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14:00 17.11.2021
Archivbild: Bei „Lahntal total“ radelten in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen durch den halben Landkreis.
Archivbild: Bei „Lahntal total“ radelten in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen durch den halben Landkreis. Quelle: Foto: Michael Hoffsteter
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Freie Fahrt für Radler über gesperrte Landes- und Bundesstraßen, Volksfeststimmung und Tourismus-Magnet – das Rad-Event „Lahntal total“ kehrt im nächsten Jahr wieder auf die Straße zurück. Nachdem der autofreie Sonntag in 2011 in alter Größe zwischen Bad Laasphe und Marburg, dann in 2015 in abgespeckter Form stattfand, galt in den letzten Jahren Event-Abstinenz. Grund waren die hohen Kosten. Nun soll das Event am 5. Juni 2022 erneut stattfinden.

Das ist nun auch in Cölbe wieder Thema, wo sich im Juni das Parlament zwar einstimmig für eine Teilnahme an dem Event ausgesprochen hatte, angesichts der zu erwarteten Kosten kam dann jedoch wieder die Absage ins Gespräch. Nun ist das Thema wieder auf dem Tisch.

Das brachte während der letzten Sitzung der Gemeindevertretung Bürgermeister Dr. Jens Ried durch einen zusätzlichen Antrag ein, da eine Entscheidung zeitig getroffen werden muss. Über eine mögliche Teilnahme stand die Gemeinde mit dem Landkreis als Veranstalter in Kontakt, der braucht nun aber bald eine Entscheidung, welche Kommunen teilnehmen werden und wie entsprechend der Streckenverlauf geplant werden kann. Nun möchte der Kreis aber Cölbe gern mit im Boot haben und ließ durchblicken, dass einige der Kosten der Gemeinde wohl erstattet werden könnten, berichtete Ried.

Bisher wurde in der Kommune mit Kosten geschätzt zwischen 15 000 und 20 000 Euro kalkuliert. Denn für das Event ist viel vorzubereiten, wenn der Verkehr bei einer für den motorisierten Verkehr gesperrten Kasseler Straße im Kernort einen Tag lang auf anderen Wegen durch die Gemeinde geführt werden muss: Von umfangreichen Sperrungen, zahlreichen Schildern, die aufgestellt werden wollen, oder der Planung von ausreichend Stellflächen für die Fahrzeuge, welche den Ort an diesem Tag nicht verlassen können, zählte Ried auf.

Zu dem Thema wurde während der Sitzung der Ältestenrat einberufen. Nach einer Pause sprach sich dann auch das Parlament dafür aus, dass der frühere, zustimmende Beschluss der Gemeindevertretung aufgehoben wird. An dessen Stelle tritt ein neuer Beschluss, womit die Gemeinde praktisch zurück an den Verhandlungstisch geschickt wird.

Und zwar, um mit dem Landkreis weiter über die Kosten beziehungsweise Umfang mancher Kostenstellen zu verhandeln. Etwa darüber, ob der Kreis die Ausgaben der Gemeinde mitfinanziert oder sich an einem Schadensausgleich für die örtlichen Gewerbetreibenden beteiligt, die an dem Tag nicht von Kunden angefahren werden können. Cölbe hofft also darauf, die eigene Last mindern zu können und dennoch Teil des Großevents zu sein.

Das sei nicht nur für die örtlichen Vereine, sondern auch touristisch interessant, das eigene Radwegenetz könnte bekannter gemacht werden und der klimaschonende Hintergrund passe zu den eigenen Bestrebungen für mehr Klimaschutz, warb Dr. Jürgen Bunde, Fraktionsvorsitzender der Grünen, für eine Teilnahme. Vergangene Woche fand der Cölber Auftakt zur Klimaschutz-Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem Landkreis und dem St.-Elisabeth-Verein statt. Auch das Rad-Event stelle Klimaschutzthemen in den Fokus, „ich appelliere daran, dass wir mitmachen, wir sollten dabei sein“, so Bunde.

Kritik an Event-Datum

„Lahntal total“ findet dabei parallel zum Marburger 800-Jahr-Stadtjubiläums und in Verbindung mit der Marburger Aktion „Tischlein deck‘ dich“ statt. Dieser Zeitpunkt stößt auch auf Kritik: So wertet etwa CDU-Co-Fraktionsvorsitzender Jörg Drescher den Tag als „den absolut schlechtesten Termin, um so eine Veranstaltung zu machen“. Beide Events könnten sich in die Quere kommen, auch vonseiten von Vereinen sei zu hören, dass dies das Interesse mindern würde, so Drescher.

Er beantragte daher eine getrennte Abstimmung – einerseits zur Aufhebung des früheren Beschlusses, andererseits die Entscheidung, ob Cölbe weiter verhandeln solle. Ersteres wurde vom Parlament einstimmig beschlossen. Eine Mehrheit sprach sich mit 14 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und bei einer Enthaltung auch dafür aus, dass nun weiterhin Gespräche zwischen Kreis und Kommune geführt werden.

Von Ina Tannert