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Nordkreis Cölbe will für sich werben
Landkreis Nordkreis Cölbe will für sich werben
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16:00 18.01.2022
Das Rad-Event „Lahntal total“ lockte im Jahr 2010 zahlreiche Besucher ins Lahntal, hier bei Goßfelden. Cölbe ist auch in diesem Jahr wieder dabei.
Das Rad-Event „Lahntal total“ lockte im Jahr 2010 zahlreiche Besucher ins Lahntal, hier bei Goßfelden. Cölbe ist auch in diesem Jahr wieder dabei. Quelle: Michael Hoffsteter
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Cölbe

Eine Cölber Beteiligung an dem Rad-Event „Lahntal total“ stand bislang noch auf der Kippe – zu klamm war bis vor kurzem die erwartete Haushaltslage und zu hoch die Kosten. Nun hat sich die Lage in doppelter Hinsicht geändert und das Parlament spricht sich mehrheitlich für eine Teilnahme an dem autofreien Sonntag aus, während die Opposition die Entscheidung mit Bauchschmerzen betrachtet.

Das Event „Lahntal total“ soll am 5. Juni stattfinden und quer durch den halben Landkreis laufen, wobei die genaue Streckenführung noch nicht genau feststeht. Zum wiederholten Male befasste sich die Gemeindevertretung mit dem Thema und dieses Mal auch mit zwei gegensätzlichen Anträgen – der Gemeindevorstand sprach sich dafür aus, während CDU und Bürgerliste eine Cölber Beteiligung ablehnen. Bürgermeister Dr. Jens Ried hatte nach den Verhandlungen mit dem Landkreis als Veranstalter eine gute Nachricht, was die Kostenlage angeht: Den Löwenanteil der Cölber Seite werde der Kreis übernehmen. Das bezieht sich vor allem auf umfangreiche Sperrungen der Durchgangsstraßen für den motorisierten Verkehr.

Parkverbote und Straßensperrung

Daher wird es Parkverbote geben und die Kasseler Straße für den Autoverkehr gesperrt. Ausnahmen gelten nur für einzelne Anwohner, aber auch Berufsgruppen, die dennoch in oder aus dem Ort kommen müssen, etwa aus dem Pflegebereich. Denn grundsätzlich sei der Ort befahrbar, die Zufahrt werde über Ampeln und Sperren geregelt. Der Landkreis würde die Ampelanlage und das Personal entlang der Strecke finanzieren.

Cölbe müsse lediglich die Absperrungen selber ausleihen und zahlen. „Ich denke, das werden wir hinbekommen, wir haben ja auch einiges an Vorlaufzeit“, so der Bürgermeister.

Zu dem Thema extra eingeladen war Reisetourismus-Experte Hartmut Reiße, Geschäftsführer des hessischen Tourismusverbands, der für eine Teilnahme an dem Event warb: Gerade für den ländlichen Raum seien derlei Veranstaltungen attraktiv, nicht nur im heimischen Kreis, der sich dabei aber hervortun könne: „Wir müssen für die Region Marburg-Biedenkopf auch in den Quellgebieten für uns als Radfahrregion werben“, so Reiße.

Cölber Bahnhof als Anlaufpunkt

Viele Gäste kämen wohl auch von außerhalb zu dem Event, ob aus dem Ruhrgebiet oder dem Siegerland – und die reisen samt Fahrrädern dann per Bahn an. Cölbe werde als Bahnhaltepunkt einen entsprechenden Anlaufpunkt bilden und mache den Ort interessant. Mehr Radfahrer von außerhalb dürften auch dann kommen, wenn Cölbe nicht teilnimmt, wobei dann bei offenen Straßen die Unfallgefahr mit dem Autoverkehr steigen könne.

Die Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen sprach sich ebenfalls für das Event aus, um einerseits die Bedeutung von klimafreundlicher Mobilität zu demonstrieren, wie für die Gemeinde zu werben: „Es würde Cölbe sehr gut zu Gesicht stehen, wenn wir uns beteiligen“, betonte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Jürgen Bunde. Auch die heimischen Vereine könnten sich über das Event präsentieren.

Das sieht die Opposition nicht ganz so, die sich unter Vereinsvertretern umgehört hatte und eher davon ausgeht, dass das Interesse, entlang der Strecke Angebote zu machen, eher gering sei.

Marburg feiert parallel

Noch dazu dürfte es wegen der parallel stattfindenden Feier zum 800-jährigen Stadtjubiläum von Marburg an Personal fehlen, „wir sehen hier keine Möglichkeit, die Vereine zu akquirieren“, gab CDU-Fraktionsvorsitzender Jörg Drescher zu bedenken. Alternativ könne man auch versuchen, einen gemeinsamen großen Stand anzubieten.

Was die Resonanz aus den Vereinen angeht, hofft die Koalition eher auf das Gegenteil: Er sei sich sicher, dass es vor Ort ausreichend Interesse und Pläne geben werde, damit sich die Gemeinde in einem guten Licht präsentieren könne, befand etwa SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Zwick.

Der Antrag der Gemeinde pro Event-Teilnahme wurde schließlich bei 15 Ja-Stimmen, 3 Gegenstimmen und 6 Enthaltungen angenommen. Der Antrag der CDU und Bürgerliste entfällt durch die Mehrheit automatisch.

Von Ina Tannert