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Nordkreis Cölbe zeigt Alternativen auf
Landkreis Nordkreis Cölbe zeigt Alternativen auf
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16:57 19.11.2020
Bisher konnten schon einige Klimaheldinnen und -helden ausgezeichnet werden. Die Geschichten dazu lassen sich auf der Homepage von „Hand aufs Herz“ nachlesen.
Bisher konnten schon einige Klimaheldinnen und -helden ausgezeichnet werden. Die Geschichten dazu lassen sich auf der Homepage von „Hand aufs Herz“ nachlesen. Quelle: privat/Homepage „Hand aufs Herz“
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Cölbe

Discovery – da denken wir je nach Interesse sofort an eines der Schiffe, mit denen James Cook die Welt erkundete. Reddehäuser denken an Äpfel. Äpfel von der Streuobstwiese.

Auf dieser Wiese südlich von Reddehausen am Eibenhardtpfad gelegen, wurden Apfelbäume gepflanzt, die wohlschmeckenden Ertrag versprechen. Eine Mischung aus alten Sorten wie Gravensteiner, Goldparmäne oder Finkenwerder Prinzenapfel und neuen Sorten wie Apollo, Summerred und – Tatatataaaa – „Discovery“. Insgesamt lassen sich dort 90 verschiedene Sorten finden.

Nach anfänglichem Engagement der Bürger geriet das Projekt mehr und mehr in Vergessenheit. Eine Gruppe Apfelbegeisterter hat es jetzt, zehn Jahre später, im Rahmen der Aktion „Hand aufs Herz – Cölbe schützt Klima“ zu neuem Leben erweckt.

„Wenn Menschen erkennen, wie schnell und effektiv sie zur CO2-Reduzierung beitragen können, werden sie motiviert, die neuen Verhaltensweisen auch weiterhin anzuwenden“, sagt Regine Hassenpflug von der Gemeinde Cölbe, die als Organisatorin fungiert. Dass das nicht nur einfach ein paar schöne Worte sind, zeigt sich auf der eigens eingerichteten Homepage im Internet.

Kleidertausch-Party

Dort gibt es auch eine Rubrik „Klimaheld/in“. Wer sich dort durchklickt, wird Bekanntschaft mit Mitmenschen machen, die zum Thema passende, coole Ideen umgesetzt haben und dafür die Monatsauszeichnung Klimaheldin oder Klimaheld erhielten. Mit dabei auch fünf Mädchen aus dem Jugendclub Schönstadt.

Lina, Jana, Lena, Loreen und Jasmin wünschten sich ein Sofa für den Club. Doch statt im Konsumverhalten mitzuschwimmen, bauten sie sich einfach ein Paletten-Sofa. Und sie brauchen auch keinen übervollen Kleiderschrank zu Hause, um über viele Outfits zu verfügen. Dafür haben sie die Kleidertausch-Party im Jugendclub.

Starker Partner an der Seite

Wegen Corona sind vor allem die Aktionen, die gemeinschaftlich umgesetzt werden sollten, in diesem Jahr ausgefallen. Das führte aber dazu, Wege zu entwickeln, wie doch möglichst viele Menschen an einer Aktion beteiligt werden können, ohne einander zu begegnen. So wurden zehn Schilder entwickelt mit konkreten Fragestellungen, wie man in der Zukunft leben möchte. Diese werden als „Walk of Future“ in jedem Ort der Gemeinde Cölbe aufgestellt und dann durchgewechselt, damit alle Fragen jeden Ort erreichen, sagt Regine Hassenpflug.

Sie hofft, dass sich möglichst viele Jugendliche, aber auch Erwachsene mit den Fragen auseinandersetzen, wenn sie die Schilder sehen. „Nach einer Schockstarre wegen Corona haben sich die Aktiven mehr und mehr dazu entschlossen, Aktionen auch ins Internet zu verlegen. Etwa das Angebot einer Tauschbörse“, sagt Hassenpflug. Zudem haben viele Mitbürger damit begonnen, sich ein eigenes Gemüsebeet anzulegen.

Partner für Nachfüllflaschen gesucht

„Was die Ernährung angeht, werben wir auch für saisonales Obst und Gemüse, das am besten noch aus der Region oder eben aus dem eigenen Garten stammt“, so Hassenpflug. Entsprechend werden ganz aktuell im Mitteilungsblatt der Gemeinde Rezepte für eine gute und nachhaltige Ernährung veröffentlicht.

In Sachen Mobilität sollen in jedem Ort Mitfahrbänke installiert werden. Und es werden Partner gesucht, die kostenlos Wasserflaschen auffüllen. Wer also sein Wasser ausgetrunken hat und Durst hat, muss nicht den nächsten Laden suchen, sondern nur eine Einrichtung, wo man die Flasche nachfüllen kann. Die Gemeinde Cölbe hat beispielsweise einen entsprechenden Hinweis an der Gemeindeverwaltung angebracht.

Buchung über Web und App

Ein starker Partner des Projekts ist der St.-Elisabeth-Verein, der bekanntlich in der Lahnstraße in Cölbe ein sehr zukunftsorientiertes Konzept entwickelt mit Wohnen und Arbeiten an einem Ort. Der zuständige Projektkoordinator Michael Nass führt aus, dass sich in Sachen Mobilität einiges tun soll. So will der Verein ein Sharing-System für Elektroautos anbieten. Die Flotte soll aus drei bis vier Pkw, einem Caddy und einem Streetscooter der Post bestehen. Letzterer soll auch für andere Projekte einsetzbar sein.

„Wenn etwa die Apfelernte ansteht, müssen die vollen Körbe ja auch transportiert werden“, sagt Nass. Das Buchungssystem soll über eine App und Web-basiert erfolgen können. Den Strom zum Laden der Fahrzeuge wird der Verein über Solaranlagen selbst „herstellen“. Ein wichtiger Bestandteil des Gesamtprojekts konnte in diesem Jahr nicht stattfinden: eine Zukunftskonferenz wie 2019. Sie soll 2021 nachgeholt werden.

Das Projekt „Hand aufs Herz“

„Hand aufs Herz“ zeigt Methoden auf, wie Menschen in ihrem privaten, aber auch unmittelbaren öffentlichen Lebensumfeld, etwa durch Mitmach-Aktionen, aktiv zum Klimaschutz beitragen können. Dabei geht es insbesondere um die Themenfelder Mobilität, Ernährung und Konsum. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Beteiligte Partner in Cölbe sind der St.-Elisabeth-Verein Marburg, die Gemeinde Cölbe, der Verein Junge Entwicklung Fördern (JEF), der Verein Gemeinsam unterwegs, die BUND-Ortsgruppe Cölbe, die Region Burgwald-Ederbergland, die Fleckenbühler, Solardach Invest GmbH, Technologie Transfer Marburg, die Ortsgruppe Reddehausen des Deutschen Naturschutzbundes.

Alles Weitere über das Projekt lässt sich im Internet unter cölber-klimawandel.de finden.

Von Götz Schaub