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Nordkreis Cölbe bereitet sich auf Aufnahme von Flüchtlingen vor
Landkreis Nordkreis Cölbe bereitet sich auf Aufnahme von Flüchtlingen vor
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09:00 09.03.2022
Der Kernort der Gemeinde Cölbe. Aktuell stehen in der Gemeinde Privaträume für die Aufnahme von 50 Personen zur Verfügung.
Der Kernort der Gemeinde Cölbe. Aktuell stehen in der Gemeinde Privaträume für die Aufnahme von 50 Personen zur Verfügung. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Was hat Cölbe mit dem Ukraine-Krieg zu tun? Sehr viel. Denn die Flüchtlingsströme aus dem von Putin angegriffenen Land haben eingesetzt. Es erreichen immer mehr Menschen, zumeist Frauen und Kinder, den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Cölbe will vorbereitet sein. Dazu dient auch eine Resolution, die die vier Cölber Fraktionen Bündnis 90 / Die Grünen, CDU, SPD und Bürgerliste Cölbe gemeinsam abgefasst und zur Sondersitzung eingebracht haben. In acht Punkten sollte alles ausgedrückt werden, was derzeit wohl alle Menschen in Europa bewegt und was die Menschen direkt in Cölbe tun können.

Jessica Lenz von den Grünen übernahm es, die Begründung zur Resolution vorzutragen. Sie machte deutlich: „Wir können den Krieg nicht beenden – aber wir können ein Zeichen des Friedens und der Solidarität setzen und betroffenen Menschen direkt helfen. Das bekunden wir heute Abend auf Anregung der SPD in einer gemeinsamen Resolution. Wir sprechen uns gemeinsam gegen Gewalt, Krieg und Vertreibung aus. Wir setzen uns für ein friedliches Miteinander ein. Und das unabhängig von politischen Fraktionen. In dieser Frage gibt es kein Parteibuch – nur Menschlichkeit.“

Und dann führte sie aus: „Wir in Cölbe können den Schutzsuchenden eine Heimat bieten. ,Cölbe hilft’ heißt es in unserer Resolution. Etliche Freiwillige sammeln bereits Spenden, stellen Wohnraum zur Verfügung oder bieten sich als Helferinnen und Helfer an. Diese Hilfe muss gut koordiniert werden, um effektiv und fortdauernd zu wirken. Ich habe vollstes Vertrauen darin, dass der Gemeindevorstand in enger Absprache mit örtlichen Organisationen unbürokratische und schnelle Lösungen finden wird.“

Dieses Vertrauen wurde am Montag keineswegs enttäuscht, sondern schon im Voraus bestätigt. Denn Parlamentsvorsteher Helmut Fiedler erteilte ganz bewusst einem Gast das Rederecht. So konnten die Gemeindevertreter quasi aus erster Hand, nämlich von Dr. Kurt Bunke vom Cölber Arbeitskreis Flüchtlinge (CAF) erfahren, wie der Stand der Vorbereitungen ist und wie sich diese Initiative mit der Gemeinde abspricht. Dazu nahm natürlich auch Bürgermeister Dr. Jens Ried Stellung, der die „überwältigende Hilfsbereitschaft der Cölberinnen und Cölber auf drei ganz konkrete Handlungsfelder konzentriert“ sehen möchte.

„Wir haben aktuell 50 Plätze in privaten Wohnungen, die wir Flüchtlingen zur Verfügung stellen können.“ Gemeinsam mit JEF und anderen Vereinen soll dafür gesorgt werden, dass die Menschen aus der Ukraine auch am sozialen und kulturellen Leben beteiligt werden. Das gelte vor allem für die Kinder, die Betreuung, aber auch Bildung erhalten sollen, wenn die Eltern dies wünschen.

Ehrenamtliches Personal

Die anderen beiden Handlungsfelder liegen tatsächlich außerhalb von Cölbe und werden in einem gesonderten Artikel noch einmal genauer beschrieben. Dabei geht es um die Unterstützung der polnischen Partnergemeinde Koscierzyna, die 259 Waisen im Alter zwischen sechs Monaten und 16 Jahren aus der Ukraine aufgenommen hat. Hier organisiert der Partnerschaftsverein Hilfe. Und es geht auch um Pryluky, die ukrainische Partnerstadt von Koscierzyna. Die Stadt ist stark zerstört worden, ehe die russischen Truppen einmarschierten. Der dort eingeschlossenen Zivilbevölkerung geht es ausschließlich um Lebensmittel, die von Koscierzyna aus organisiert werden sollen. Ried machte deutlich, dass hier jeweils Geldspenden schnell und effektiv helfen sollen, keine privaten Sammlungen an Hilfsgütern.

Bunke sagte, dass man bereits ehrenamtliches Personal besorgt habe, das bei vielen Dingen helfen werde. So gehe es darum, die Integration in die Systeme zu organisieren, Raum für Begegnungen und Teilhabe zu schaffen, zum Beispiel im Begegnungstreff, aber auch im Begegnungsgarten, in dem jeder auch etwas anbauen dürfe und sprachliche Verständigung. Die Gemeinde regelt die notwendige Bürokratie, sucht Wohnungen, Ausstattungen und auch Kita-Plätze.

Die vier Fraktionen verständigten sich im Vorfeld der Sondersitzung auf einen weiteren gemeinsamen Antrag. So soll die Gemeinde Cölbe 6 631 Euro, also einen Euro pro Einwohner, als Soforthilfe für die Unterstützung von ukrainischen Flüchtlingen im Gebiet der Großgemeinde Cölbe zur Verfügung stellen. Die Auszahlungen sollen auf Abruf an CAF aber auch andere Vereine und Initiativen erfolgen, die sich vor Ort einsetzen.

Von Götz Schaub

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