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Nordkreis „Langer Atem“ hat sich gelohnt
Landkreis Nordkreis „Langer Atem“ hat sich gelohnt
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15:55 28.07.2020
Oberrosphe hat einen großen Schritt in Richtung nachhaltiges Carsharing getan: Das erste E-Auto nahmen die Mitglieder der AG Mobilität in Empfang. Quelle: Ina Tannert
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Oberrosphe

Mobil auf dem Land unterwegs sein und dabei noch die Umwelt schonen – das ist das Ziel der Arbeitsgruppe „Mobilität“ des Vereins „Gut leben auf dem Dorf – hier in Oberrosphe“ (Gladd). Und dem sind die Ehrenamtlichen nun einen großen Schritt näher gekommen.

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit und so einigen Rückschlägen konnte die Gruppe ihr erstes E-Auto – eine Renault Zoe – in Empfang nehmen und damit ab sofort das Carsharing-Konzept in Oberrosphe umsetzen.

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Jüngst trafen sich Förderer und Aktive auf dem Mehrgenerationenplatz, um die Sektgläser zu erheben und das neue Auto zu feiern. Seit Jahren befasst sich der örtliche Gladd-Verein mit Fragen rund um die Mobilität auf dem Land und damit, wie diese in Oberrosphe verbessert werden kann.

Daher sei das heute auch „ein historischer Tag“, freute sich Brunhilde Chaloupka von der AG. Sie lobte die vielen Unterstützer, deren „langer Atem trotz Frust nie ausgegangen ist“.

Arbeitsgruppe setzt sich durch

Den gab es öfter im Verlauf der langen Planungsphase als immer wieder die Finanzierung des Projekts auf der Kippe stand: Anfangs habe der Verein noch versuchen müssen, die Finanzierung von zwei Fahrzeugen zu stemmen, nur dann sollte es Fördermittel geben. Das klappte nicht. Um die Chancen zu erhöhen trat die AG zeitweise aus dem Verein aus, später wieder ein. Dennoch wurde eine Landesförderung abgelehnt, man stand zwischenzeitlich wieder bei null.

Schließlich übernahm der Verein die Vorfinanzierung, dann tat sich ein weiteres Förderprogramm des Bundes auf und der Durchbruch war gelungen – mit 14.000 Euro wurde der volle Förderbetrag übernommen. Vorerst konnte dann doch nur ein Wagen angeschafft werden, mit der Option auf einen zweiten. Dass das Projekt schlussendlich doch von Erfolg gekrönt war, sei der Durchhaltekraft der AG zu verdanken, die „viel Geduld und Spucke“ bewiesen habe, ihre Pläne immer „konsequent weiter verfolgte“, lobte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka.

Auch die Stadt Wetter hatte sich beteiligt, unterstützte die Gruppe in der Beratung rund um Fördermöglichkeiten und beim Bau des neuen Carports mit elektrischer Ökostrom-Ladestation auf dem Mehrgenerationenplatz. Insgesamt kostete die „Zoe“ 25.000 Euro, die mithilfe von Förderern finanziert werden konnte. Daran beteiligten sich neben privaten Sponsoren auch die Genossenschaft Bioenergiedorf-Oberrosphe, die Sparkasse und die Volksbank sowie die Stadtwerke Marburg.

Reichweite rund 300 Kilometer

Das Projekt füge sich bestens in das Bioenergiedorf Oberrosphe ein, wo bereits ehrenamtliche Initiativen zur nachhaltigen und klimaschonenden Energienutzung – von Heizwerk bis Solarstrom – fest etabliert sind. Hinzu komme die von Gladd geförderte Nutzung des Dorfgemeinschaftshauses oder die Nachbarschaftshilfe, die den Wagen ebenfalls für Fahrten nutzen will. Mit der „Zoe“ sei Oberrosphe nun „um eine neue Attraktion reicher“, lobte Ortsvorsteher Erwin Hahn den Erfolg. Das Carport als Carsharing-Standort sei zudem ein weiterer willkommener Baustein für den Mehrgenerationenplatz.

Das neue E-Auto komme bei moderater Fahrweise auf eine Gesamtfahrleistung von rund 300 Kilometern bevor es an die Steckdose muss, rechnete Projektleiter Jürgen Chaloupka vor. Man habe sich gezielt für eine kleinere Batterie entschieden, um einerseits die Umwelt zu schonen, andererseits reiche die Power des Kleinwagens aus, um den vorhandenen Bedarf abzudecken. Der Wagen sei speziell als Ersatz für den Zweitwagen der Bewohner gedacht.

Hygieneregeln in Kraft

Anfangs kalkulierte die AG mit etwa 14 Nutzern, die sich den Wagen teilen. Mittlerweile wurden rund 20 Verträge geschlossen, sowohl mit Oberrosphern, die das Auto regelmäßig nutzen wie mit Fahrern, die das Carsharing sporadisch in Anspruch nehmen möchten. Letztere zahlen regulär sieben Euro für die Nutzung des Autos, Vielfahrer zahlen einen Jahresbeitrag von 60 Euro und erhalten dafür eine vergünstigte Tagesgebühr.

Die Nutzungszeit des E-Autos kann von den Mitgliedern des Gladd-Vereins über eine Buchungssoftware im voraus belegt werden. Registrierte Nutzer erhalten dann auch den Schlüssel zur Ladesäule im neuen Carport. Als Hygienemaßnahme in der Corona-Pandemie muss jeder Fahrer beim Verlassen des Fahrzeugs angefasste Flächen im Innenraum abwischen. Weitere Carsharer seien willkommen, perspektivisch könne später ein zweites Fahrzeug angeschafft werden. „Wir wünschen uns eine rege Teilnahme und allen eine gute Fahrt“, betonte Jürgen Chaloupka.

Interessenten, die beim Carsharing mitmachen möchten, können sich bei Jürgen Chaloupka unter Telefon 06423/6119 melden.

Von Ina Tannert