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Nordkreis Region wirbt um frisches Fördergeld für die Dörfer
Landkreis Nordkreis Region wirbt um frisches Fördergeld für die Dörfer
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16:00 16.11.2021
Sie wollen LEADER-Region bleiben: Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein (von links), Dr. Ursula Mothes-Wagner, Gerd-Jürgen Daubert und Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß vom Vorstand der Region Burgwald-Ederbergland mit Ulrike Keß (Waldeck-Frankenberg) und Stefanie Auer (Marburg-Biedenkopf).
Sie wollen LEADER-Region bleiben: Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein (von links), Dr. Ursula Mothes-Wagner, Gerd-Jürgen Daubert und Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß vom Vorstand der Region Burgwald-Ederbergland mit Ulrike Keß (Waldeck-Frankenberg) und Stefanie Auer (Marburg-Biedenkopf). Quelle: Foto: Ina Tannert
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Zahlreiche kleine und große Projekte aus den Dörfern des Landkreises konnten in den vergangenen Jahren durch Finanzspritzen der EU, des Bundes und des Landes umgesetzt werden. Von der Obstwiese bis zum Dorfladen. Praktisch als Vermittler dienen dabei die LEADER-Regionen (deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Sie sind Teil der europaweiten Förderstrategie für die ländlichen Regionen, unterstützen und reichen die Projektkonzepte der Menschen vor Ort und schließlich die Mittel weiter.

Um diese Kernaufgabe ausführen zu dürfen, müssen sich die Regionen – 24 gibt es alleine in Hessen – alle paar Jahre neu bewerben, um wieder als solche anerkannt zu werden. Die neue Förderperiode läuft von 2023 bis 2027. Und auf die bereitet sich auch die Region Burgwald-Ederbergland vor, mittlerweile seit 25 Jahren bei dem EU-Programm dabei.

Das bedeutet, dass die beiden an dem Verein beteiligten Landkreise Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg eine aktualisierte Entwicklungsstrategie aufstellen, um weiterhin in den Genuss von Zuschüssen zu kommen. Diese Strategie soll gemeinsam mit den Experten der Region, den Fachdiensten der Kreise und den Bürgern erarbeitet werden. Diese können bei der Ausgestaltung des Konzepts mitwirken und mitentscheiden, in welche Richtung sich die Region und die Mitgliedskommunen in den nächsten Jahren entwickeln.

Es gibt verschiedene Kernbereiche, in denen Förderungen möglich sind: Arbeiten und Leben; Versorgung; Kultur; Freizeit; wirtschaftliche Entwicklung und Direktvermarktung; ländlicher Tourismus; außerschulische Bildung; Nachhaltigkeit; Klimaschutz und Digitalisierung.

Welche dieser Kategorien wie stark gewichtet wird, das entscheidet sich am Ende des neuen Arbeitsprozesses, der nun startet. „Es geht jetzt um die Neuaufstellung. Wir schauen uns an, wo wir stehen, wo wir hin wollen und wo eventuell Lücken sind“, sagt Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein. Und die Bürger sind Teil des großen Brainstormings: Interessierte Teilnehmer können sich in verschiedenen Arbeitsgruppen formieren und ihre eigenen Schwerpunkte, ihren eigenen Ort vertreten, mitentscheiden, welche Themen in Zukunft wichtig sind. Ein Kernaspekt der Regionalentwicklung, das sei „immer eine sehr spannende Aufgabe, bei der man Europa direkt erlebt“, betont Rüdiger Heß, Bürgermeister von Frankenberg und Vorsitzender des Vorstands.

Wiesbaden entscheidet stärker mit

Die Schwerpunkte unterteilen sich in verschiedene Handlungsfelder, die ab der nächsten Förderperiode strenger formuliert und vom Hessischen Umweltministerium vorgegeben werden: Verbesserung der Lebensverhältnisse, Wirtschaftliche Entwicklung, Naherholung und ländlicher Tourismus und Bioökonomie (nachhaltiges Konsumverhalten). Dadurch ist die Region stärker an Themen gebunden und weniger frei in ihren Entscheidungen als bisher. Dass Wiesbaden nun stärker mitentscheidet, wie sich die heimische Region entwickelt, das sieht Heß kritisch.

Man müsse nun mit der Einschränkung umgehen und eben „kreativer werden“. Die eigenen Schwerpunkte könnten aber dennoch in die Kernbereiche weiter eingebettet werden, etwa das Programm „Klimabonus“. Ebenso hat der Verein in den nächsten Jahren das Corona-gebeutelte Gastgewerbe, Bürgervereine in den Dörfern sowie eine touristische Aufwertung über neue Wanderwege im Blick.

Zudem werde im Zuge der Neuregelung auch die Definition „ländlicher Raum“ nochmal strenger ausgelegt, was für die Region Burgwald-Ederbergland von Vorteil sei: Ziel sei, eine stärkere Unterscheidung zu Ballungsräumen, den klar nicht-ländlichen Orten zu treffen. Auch Städte wie Marburg, wo etwa die Außenstadtteile als Förderbereich entfallen werden, betrifft das. Gebiete mit besonders ländlichen Strukturen, wie die Dörfer rund um den Burgwald, profitieren wiederum von der neuen Regelung, „die weniger dicht besiedelten Regionen bekommen mehr Geld“, sagt Bischoff-Stein. Je größer die Fläche und je weniger Einwohner, desto eher winkt praktisch eine Finanzspritze.

Vorstand und Regionalmanagement hoffen nun, dass sich möglichst viele Menschen, Vereine und Organisationen an der großen gemeinsamen Ideenfindung beteiligen. Nach einer Auftaktveranstaltung kommende Woche (siehe Kasten) starten die Fachforen im ersten Quartal 2022 mit ihrer Arbeit, um konkrete Ziele und förderwürdige Projekte zu benennen. Bis April 2022 soll die neue Entwicklungsstrategie inhaltlich stehen. Spätestens Ende Mai muss das Strategiepapier beim Land Hessen vorliegen, das die Entscheidung trifft – Ende kommenden Jahres steht dann fest, ob die Region wieder die LEADER-Anerkennung erhält.

Ab dem Jahr 2023 könnte dann die Förderung der neuen Projekte erfolgen. Das würde sich lohnen, denn der Vorstand rechnet mit einer Fördersumme von rund 4 Millionen Euro, die in die Mitgliedskommunen fließen könnten.

Weitere Informationen unter www.region-burgwald-ederbergland.de

Von Ina Tannert