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Nordkreis Soldaten im freien Fall
Landkreis Nordkreis Soldaten im freien Fall
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10:05 01.07.2021
Die Bundeswehr übt derzeit in Schönstadt Fallschirmsprünge.
Die Bundeswehr übt derzeit in Schönstadt Fallschirmsprünge. Quelle: Nadine Weigel
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Schönstadt

Ein letzter Check dann ab nach unten – im freien Fall aus gut 1  300 Metern Höhe. Viel Zeit, um ihren Schirm zu öffnen, bleibt den Soldaten nicht an diesem unbeständigen Mittwoch (30. Juni). „Die Windverhältnisse sind moderat, aber das Problem heute sind die tief hängenden Wolken“, erklärt Stabsfeldwebel Martin Müller und blickt in den bewölkten Himmel, wo gerade sechs Fallschirmspringer gen Erde schweben.

Als sogenannter „Beauftragter vertikale Verbringung“ ist Müller zuständig für den Sprungdienst, der in dieser Woche erstmalig auf dem Flugplatz in Schönstadt ausgetragen wird. Nicht nur die Division Schnelle Kräfte aus Stadtallendorf ist mit dabei, sondern auch Gäste aus anderen Einheiten der Bundeswehr aus ganz Deutschland.

Es herrscht ein reger Betrieb auf dem Gelände des Kurhessischen Vereins für Luftfahrt (KVfL). Kurz nachdem die Fallschirmspringer gelandet sind, setzt auch der Transporthubschrauber NH90 mit ohrenbetäubendem Getöse wieder auf der Wiese auf, um erneut sechs Springer einzuladen und kurz unter die Wolkendecke zu bringen. Durch die Wolken springen dürfen die Soldaten nicht. Deshalb der bange Blick zum Himmel: Je tiefer die Wolken hängen, desto kürzer haben die Fallschirmspringer Zeit, um ihren Schirm zu öffnen, damit sie sicher landen können.

Trainiert wird von Montag bis Freitag der Freifall – das bedeutet, dass die Springer den Schirm selbstständig öffnen. Beim Automatik-Sprung hingegen öffnet sich der Schirm automatisch nach Verlassen des Flugzeuges. „Beim Automatikspringen will man schnell viele Kräfte am Boden haben, Ziel des Freifalls ist es, dass der Soldat im Einsatzfall vom Feind unentdeckt lautlos landet“, erläutert Stabsfeldwebel Müller. Beim Freifall kann es schon mal sein, dass die Springer – dann ausgerüstet mit Sauerstoffmaske – aus bis zu Zehntausend Metern Höhe auf die Erde zurasen.

Dementsprechend häufig muss das Freifall-Springen trainiert werden. „Das muss sitzen! Auch bei schwierigen Windverhältnissen, bei Hektik und Stress muss man sich hundertprozentig sicher sein“, betont Stabsfeldwebel Ivo Remsch und beobachtet, wie weitere Springer sicher auf der Wiese landen. Er ist nicht der einzige, der sich das Spektakel anschaut. Zahlreiche Menschen sind an den Flugplatz gekommen und schauen fasziniert zu, wie die Fallschirmspringer ihre Kreise ziehen. Viele Kinder kommentieren die Manöver mit juchzendem Staunen.

Bereits im November hatten die Stadtallendorfer Soldaten das Gelände des KVfL erkundet und festgestellt, dass die Bedingungen sehr gut sind. Normalerweise trainiert die Division Schnelle Kräfte vorwiegend auf dem Fluggelände der Firma Viessmann in Allendorf/Eder. Der Vorteil dort sei das asphaltierte Rollfeld, das bei jedem Wetter genutzt werden kann. Die Wiese in Schönstadt hingegen sollte möglichst trocken sein, damit schwere Militärflugzeuge durch das häufige Starten und Landen keinen Schaden hinterlassen.

„Wir werden von den Betreibern hier bestens versorgt“, versichert Stabsfeldwebel Remsch. Schon um sechs Uhr morgens war Ute Sobottka – die „gute Seele des Flugplatzes“ – vor Ort, um alles vorzubereiten. „Das ist doch wirklich mal eine tolle Sache, die wir hier so auch noch nicht hatten“, freut sich Sobottka und schaut zu, wie sich nun auch das große Transportflugzeug M28-Skytruck langsam in Bewegung setzt.

Denn mittlerweile haben sich die Wolken etwas verzogen, ein Stück blauer Himmel bietet nun auch dem Transportflugzeug die Gelegenheit, die Tandemspringer in die Luft zu bringen. In einer Höhe von mehr als 2000 Metern öffnet sich die Heckklappe des M28-Skytrucks und die Tandemspringer stürzen sich in die Tiefe.

Wenn sich das Wetter hält, werden sie das auch noch am Donnerstag (1. Juli) und Freitag (2. Juli) machen.

Von Nadine Weigel