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Nordkreis Niederaspher wollen „ Druck machen“
Landkreis Nordkreis Niederaspher wollen „ Druck machen“
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00:17 06.05.2019
Zum Vorstand der „Bürgerinitiative Windkraft Niederasphe“ gehören Jörg Erdmann (von links), René Specht, Hans-Walter Hallenberger, Christoph Koch, Michael Koch, Heike Schmack, Matthias Hinkelstein und Stefan Lind sowie weitere Beisitzer. Quelle: Manfred Schubert
Niederasphe

Knapp 130 Menschen waren der Einladung zur Gründungsversammlung der „Bürgerinitiative Windkraft Niederasphe“ in die Grillhütte gefolgt.

„Wir sind keine Klimaleugner, sondern verantwortungsbewusste Bürger, die das Bild und die Idylle des Dorfes bewahren wollen“, sagte Mitinitiator Jörg Erdmann zu Beginn. Gegen die bisherigen Projekte habe es keinerlei Widerstand gegeben.

In der Gemeinde werde bereits mehr Energie erzeugt als verbraucht. „Aber jetzt sollen sechs der größten bisher in Deutschland gebauten Windkraftanlagen errichtet werden. Bei einem Abstand von 1.000 bis 1.200 Metern zu den Häusern ein bedrohliches Szenario. Durch Lärm und Zerstörung des Landschaftsbildes wird Lebensqualität nachhaltig verloren gehen“, sagte Erdmann.

Referent warnt vor Gefahren

Bei den mittlerweile geplanten Windenergieanlagen des Typs Vestas seien alleine die Rotoren mit einem Durchmesser von 162 Metern größer als früher ein ganzes Windrad. Bei einer Nabenhöhe von 166 Metern komme man auf eine Gesamthöhe von 250 Metern, erläuterte er all denen, die nicht bei der in der Woche zuvor im vollbesetzten Bürgerhaus abgehaltenen Informationsveranstaltung gewesen waren.

Als Referenten waren damals Andreas Knoll vom Landesvorstand „Vernunftkraft Hessen“ und der BI Holzhausen sowie Jürgen Wagner von der BI Biedenkopf aufgetreten. Wagner war auch zur Gründungsversammlung gekommen und warnte nochmals vor Gefahren durch Infraschall, unter anderem träten in Norddeutschland Herzrhythmusstörungen auf. „Und da geht es noch nicht um solche Monsterräder, bei denen wir über Abstände von 25 Kilometern sprechen müssten“, sagte er.

Vorstand

Vorsitzende: Jörg Erdmann, René Specht und Hans-Walter Hallenberger; Schriftführer: Michael Koch, Stellvertreterin: Heike Schmack; Kassierer: Matthias Hinkelstein, Stellvertreter: Christoph Koch; außerdem zehn Beisitzer.

Etwa 100 der Anwesenden unterschrieben die Beitrittserklärung.

Nachdem Satzungsbeschluss und Wahl des Vorstands erfolgt waren, erklärte Erdmann, dass man sich gleich am nächsten Tag treffen wolle, um mit der Detailarbeit zu beginnen und Arbeitsgruppen zu bilden und die „zweite Meinungsbildung“ in die Wege zu leiten. Denn schon 2020 solle mit dem Bau begonnen werden.

Dazu wolle man sich die entsprechenden Unterlagen zur Prüfung besorgen. Dann gehe es daran, mit Argumenten zu überzeugen und auch „politisch Druck zu machen“.

Gemeinsame Klage mit der Stadt

Marc Böttcher, Schriftführer der BI Windkraft Wetter, bot deren Unterstützung an. Anfangs habe man sich auch gegründet, um das Ganze zu begleiten. Dabei habe man erleben müssen, dass nach den vom Regierungspräsidium vorgegebenen Regeln durch eine Windstärkemessung es nicht gelungen sei, die Vorrangfläche herauszunehmen, obwohl nicht genügend Wind wehe.

Jetzt klage man gemeinsam mit der Stadt Wetter gegen alle Vorranggebiete in Hessen. Der rechtlich sicherste Weg, Windenergieanlagen zu verhindern, sei, Grundeigentümer zu überzeugen, von ihren Verträgen zurückzutreten, riet er.

von Manfred Schubert