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Nordkreis BI setzt sich für K-3-Rückbau ein
Landkreis Nordkreis BI setzt sich für K-3-Rückbau ein
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15:53 27.10.2021
Die K 3 am Ortsausgang Bracht in Richtung Schönstadt.
Die K 3 am Ortsausgang Bracht in Richtung Schönstadt.
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Schönstadt

Die Zukunft der Kreisstraße 3 bleibt weiter ein Reizthema in Schönstadt und Bracht. Seit Langem läuft die Debatte über eine mögliche Rückstufung der knapp vier Kilometer langen viel befahrenen Route zu einem Wirtschafts- und Radweg.

Der enge, kurvige Streckenverlauf weist diverse Schäden auf und wird auch vom überörtlichen Verkehr genutzt, direkte Anwohner klagen seit Jahren über Raser und Lärm. Andere Bewohner, gerade aus Bracht, kritisieren dagegen, durch den Verlust der Verbindungsstrecke abgehängt zu werden und fürchten langfristige Auswirkungen für ihren Ort. Die Tendenz pro Umwidmung dürfte im gut angebundenen Schönstadt höher sein, wo sich nun die Bürgerinitiative K 3 gegründet hat, die eben das befürwortet.

Die derzeit rund 20 Mitglieder setzen sich langfristig für den Rückbau der Straße ein, haben aber auch eine kurzfristige Verbesserung der Verkehrssicherheit auf der Agenda. Noch steht die Ausformulierung konkreter Forderungen am Anfang, man sei aber „sehr kompromissbereit“, ein wichtiges Kriterium sei der Frieden zwischen Schönstadt und Bracht, sagt der BI-Vorsitzende Manfred Krüger.

Er sitzt für die SPD in der Gemeindevertretung und im Ortsbeirat Schönstadt, ist zudem K-3-Anlieger und kritisiert, dass es seit 2017 zu einer enormen Steigerung des Verkehrs gekommen ist. Zu dem Schluss kommen verschiedene offizielle und aus Privatinitiativen heraus durchgeführte Verkehrszählungen. Dass der Druck durch mehr Verkehr immer weiter zunimmt, zeigt auch die eigene Erhebung der Gemeinde Cölbe, bestätigt Bürgermeister Dr. Jens Ried.

Der Landkreis kam zuletzt zu dem Ergebnis, dass die Unfallzahlen auf der Strecke in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Um die Lage auf der sanierungsbedürftigen K 3 zu verbessern, müsste die Fahrbahn begradigt oder verbreitert werden. Das ist laut Kreis aufgrund der Lage nur schwer möglich, er sieht hierbei unverhältnismäßig hohe Kosten, befürwortet daher die Umwandlung in einen Weg rein zur landwirtschaftlichen Nutzung oder für den Radverkehr. Das zu dem Zeitpunkt, wenn die B 252 und die A 49 fertig sind und es zum erhofften Verkehrsrückgang kommt.

Darin sieht auch die BI eine mögliche Lösung, zumindest müsse das Hauptproblem – Gefahren durch zu viel überörtlichen Verkehr – schnell gelöst werden, betont Krüger: Trotz Lkw-Verbot nutzen Lastkraftwagen ebenso die Strecke wie Motorrad-, Durchgangs- und Wochenendverkehr, der zudem von Routenplanern und Navigationsgeräten direkt über die K 3 geleitet wird. Zudem komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Rasern: „Die fahren einfach zu schnell, da sitzt man nachts um vier Uhr auch mal aufrecht im Bett.“

Tagsüber sei es für Anwohner „kaum möglich, die Straße sicher zu überqueren, da es weder Ampel noch Zebrastreifen gibt“. Die Verkehrsmenge verkrafte weder die marode Fahrbahn noch die anliegenden Orte. Die BI fordert daher schnelle Gegenmaßnahmen, man wolle nicht noch weitere Jahre warten.

Konkrete Forderungen könnten sein: Einen runden Tisch mit allen beteiligten Akteuren aufzubauen, außerdem solle ein Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben werden, Lärmschutzwände errichtet oder die Ortsschilder versetzt werden. Auf der gesamten Strecke sollte zudem tagsüber Tempo 60 gelten, in der Nacht Tempo 30. Die bislang wechselnde Geschwindigkeitsbegrenzung fußt laut Landkreis allerdings auf der Unfallstatistik und sei durch die Straßenverkehrsordnung vorgegeben.

Frieden zwischen den Orten erhalten

Generell wolle man als BI das strittige Thema begleiten und eine „sachliche Debatte“ anregen, als geschlossene Front gegenüber Landkreis und Gemeinde auftreten, dabei nicht nur die Schönstädter, sondern auch die Nachbarn aus Bracht mit ins Boot holen. „Zu keinem Zeitpunkt“ soll es zu einer Spaltung gegenüber den Anwohnern der K 3 und den Anwohnern der B 3 kommen.

Ziel sei „eine gemeinsame Lösung, die für beide Orte tragbar ist“, betont Krüger. Er würde es begrüßen, wenn die Straße zurückgestuft würde, könnte sich aber auch ein Anlieger-Recht für Nutzer aus beiden Orten vorstellen. „Wir wollen als BI mitreden, wie es am Ende aussehen soll, und das mit den Brachtern zusammen.“ Prinzipiell gehe es nicht um die Frage, ob die K 3 dichtgemacht wird oder nicht, sondern vor allem um „eine andere Nutzung“, ergänzt Ortsvorsteher Micha Kiefer. Darum, wer die Straße am Ende befahren darf, zugleich könnten in dem Zuge neue Möglichkeiten zur Gestaltung entstehen, etwa neue Wege zur Naherholung.

Heute befasst sich der Ortsbeirat Schönstadt in seiner Sitzung ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus mit der neu gegründeten BI

Von Ina Tannert